29.06.2020  –  Lausitzer Rundschau

Aus für Herzbergs Tourismuspunkt in der Kirche

Die Stadt Herzberg kann die Kosten für den Tourismuspunkt in der Stadtkirche allein nicht mehr tragen. Anlaufpunkt für Touristen soll künftig die Mediathek im Bürgerzentrum sein. Und vor allem digital will sich Herzberg in Sachen Tourismus besser aufstellen.

29. Juni 2020, 11:27 Uhr•Herzberg
Von Birgit Rudow

Drei Jahre lang hat Barbara Gloel im Tourismuspunkt Gästen der Stadt und der Kirche beratend zur Seite gestanden. Archivfoto: ru
Tourismuspunkt Herzberg

Der Tourismuspunkt in der Seitenkapelle der Herzberger Stadtkirche wird nach der kurzfristigen Corona-Schließung nicht wieder öffnen. Das sagte Bürgermeister Karsten Eule-Prütz in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung und hat es im Gespräch mit der Rundschau in der vergangenen Woche noch einmal bestätigt. Somit scheint das Aus für die Einrichtung nach fast neun Jahren besiegelt.

Für die Stadt Herzberg zu teuer

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Stadt will und kann sich die Einrichtung in dieser Form nicht mehr leisten. Und Barbara Gloel, die den Tourismuspunkt über die gesamte Zeit betreut hat, wird an anderer Stelle in der Verwaltung dringend benötigt.

Im Bereich Kita- und Schulsachbearbeitung fällt eine Kollegin länger aus. Da Barbara Gloel über eine betriebswirtschaftliche Ausbildung verfügt, wird sie jetzt dort mithelfen, so der Bürgermeister.„In erster Linie müssen unsere Pflichtaufgaben abgesichert werden. Die Stadt Herzberg leistet sich viele freiwillige Aufgaben wie das Schwimmbad, das Planetarium oder die Mediathek. Der Tourismuspunkt, zu dem die Stadt wie die Jungfrau zum Kind gekommen ist, kostet uns viel Geld, vor allem auch Betriebskosten. Das geht nicht mehr“, so Karsten Eule-Prütz.Er möchte, dass die Aufgaben für den Tourismus durch die Mediathek im Bürgerzentrum mit abgedeckt werden und vor allem die digitale Schiene ausgebaut wird. Wie das konkret funktionieren kann, darüber will man sich jetzt bei der Stadt ernsthaft Gedanken machen.

Tourismuspunkt ist Projekt von Kirche und Stadt

Der Tourismuspunkt hat in der Tat eine ziemlich verworrene Geschichte, zumindest aus Sicht der Stadt. Denn er wurde vorrangig von der Kirchengemeinde initiiert, die die Stadt mit ins Boot geholt hat.Im August 2011 ist das Gemeinschaftsprojekt von Kirche und Stadtverwaltung entstanden. Die Kirche hat die Räumlichkeit zur Verfügung gestellt und die Stadt hat über das drei Jahre laufende Projekt Bürgerarbeit die Personalkosten für die Betreuerin der Einrichtung, Barbara Gloel, finanziert.

2014 stand Tourismuspunkt auf der Kippe

Mit dem Tourismuspunkt wolle die Kirche helfen, die touristische Infrastruktur in Herzberg weiter auszubauen, so die damalige Pfarrerin Jutta Noetzel, die auch den spirituellen Tourismus im Blick hatte.Als 2014 die drei Jahre Bürgerarbeit um waren, stand die Einrichtung schon einmal auf der Kippe. Aber sowohl Jutta Noetzel als auch Herzbergs damaliger Bürgermeister Michael Oecknigk wollten sie unbedingt halten, auch wenn weder Stadt noch Kirche dazu in der Lage waren, eine Vollzeitstelle zu finanzieren.

Barbara Gloel hatte sich damals bereit erklärt, den Tourismuspunkt eine Zeit lang ehrenamtlich zu betreuen und hat dies auch getan. Doch eine Lösung des Problems konnte das nicht sein.Die suchte und fand, zumindest für weitere drei Jahre, Jutta Noetzel. Sie hat über eine Initiative der evangelischen Landeskirche Mitteldeutschland zum Reformationsjubiläum eine Stelle beantragt, die stundenweise auch genehmigt wurde. Die gesamte Finanzierung teilten sich dann dieser Kirchenfonds, der Kirchenkreis und die Stadt Herzberg, wobei Fonds und Kirchenkreis den Löwenanteil getragen haben. Barbara Gloel konnte weiter arbeiten.

Seit 2018 komplett bei der Stadt Herzberg

Nach dem Reformationsjubiläum aber, Jutta Noetzel hatte Herzberg mittlerweile verlassen, hing der Tourismuspunkt erneut in der Luft. Die Stadtverwaltung, damals schon unter Leitung von Karsten Eule-Prütz, gab sich einen Ruck, übernahm im Januar 2018 den Tourismuspunkt in Eigenregie und stellte Barbara Gloel fest an.Die Einrichtung  war längst eine beliebte Anlaufstelle für Herzberg-Besucher und auch für die Herzberger selbst geworden. Ihnen diente sie vor allem als Vorverkaufsstelle für alle möglichen Veranstaltungen. Aber das, so der Bürgermeister, sei keine Aufgabe der Stadtverwaltung.Mit Beginn der Corona-Krise Mitte März musste der Herzberger Tourismuspunkt geschlossen werden. Barbara Gloel hat in dieser Zeit andere Aufgaben in der Verwaltung übernommen und dabei wird es wohl auch bleiben.„Sicher war diese Einrichtung in der Kirche, in einem der schönsten Ziele für Touristen in Herzberg, eine tolle Sache. Es fällt auch schwer, sie zu schließen. Aber wir schwimmen nicht im Geld und eigentlich ist der Tourismuspunkt in der Stadtkirche auch eine Sache der Kirche“, so Karsten Eule-Prütz.

Lausitzer Rundschau, 29.06.2020
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