06.08.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Baudenkmal in Holzhausen wartet mit Hindernissen auf

Unter der Orgelempore der Holzhausener Kirche entsteht gerade ein neuer Gemeinderaum. Außerdem wird das Haus mit einer Toilette ausgestattet. Gut 600 Jahre Baugeschichte stellen die Handwerker aber vor manche Herausforderung.

Dass so ein Umbau in einem über 600 Jahre alten Gemäuer Herausforderungen birgt, das ahnten die Holzhausener natürlich. Trotzdem brachte die Erneuerung des Gemeinderaums in der örtlichen Kirche einige Überraschungen mit sich.

Seit Mai sind Handwerker aus Kyritz, Lohm, Zernitz und Holzhausen dabei, den Raum unter der Orgelempore herzurichten. Als denkmalfachlicher Experte begleitet Marek Fiedorowicz vom Büro IBS aus Hoppegarten das Ganze.

Licht und Wärme für die Gemeinde

Der bisher als Winterkirche genutzte Raum war offenbar in den 1960er Jahren entstanden. Sein Zustand entsprach längst nicht mehr den Anforderungen der Gemeindearbeit oder des Denkmalschutzes. Der Umbau sollte nun historische Bausubstanz wieder freilegen und zugleich mit Wärmedämmung und neuer Elektrik für Verbesserungen sorgen. Die bisherige gemauerte Wand weicht großen Glaselementen. „Das Kirchenschiff soll vom Gemeinderaum aus zu sehen sein“, erklärt Andreas Lange, der nicht nur Holzhausens Ortsvorsteher, sondern zugleich als Tischlermeister am Bau beteiligt ist.

Die Deckenverkleidung des Gemeinderaums muss erneuert werden. Quelle: Alexander Beckmann

Schon gleich zu Beginn gab es eine Enttäuschung, berichtet Marek Fiedorowicz. „Als wir die alten Einbauten abgebrochen haben, mussten wir feststellen, dass die barocke Decke, die wir zu finden gehofft hatten, nicht mehr da war.“ Irgendwann bei Umbauten in der Vergangenheit hatte man sie offenbar entsorgt.

Alte Umbauten bereiten Probleme

„Die Empore ist auch mal vergrößert worden“, sagt Andreas Lange. Dazu hatte man einst Stahlträger eingezogen und Holzsäulen versetzt. Die Deckenbalken lagen zum Teil aber nur lose auf einer gemauerten Trennwand auf. Noch dazu hatten Insekten dem Holz über die Jahre stellenweise erheblich zugesetzt. Vereinzelt sahen Balkenköpfe aus wie hölzerner Schwamm.

„Diese Erkenntnisse haben uns ein bisschen Zeit gekostet“, sagt Marek Fiedorowicz. Man habe neue Lösungen finden und mit dem Denkmalschutz abstimmen müssen.

Inzwischen ist alles wieder stabil. Handwerker arbeiten dieser Tage an der neuen Deckenverkleidung. Das Mauerwerk der Wände aus dem späten 14. Jahrhundert wird nach einigen Ausbesserungen künftig wieder sichtbar sein. „Da kommt Farbe drauf. Das müssen wir auch noch mit dem Denkmalschutz abstimmen“, kündigt Fiedorowicz an. „Und wir haben noch eine größere Baustelle mit dem Fußboden.“ Die Ziegelplatten aus der Barockzeit sollen erhalten bleiben, müssen stellenweise aber ergänzt werden.

Spätestens im Winter wieder nutzbar

Einen bislang in hiesigen Kirchen noch seltenen Komfort verspricht eine weitere Baustelle im sonst kaum zugänglichen Turm der Kirche: Dort entsteht derzeit eine Toilette. Die Wände des kleinen Sanitärraums stehen bereits und werden isoliert. Später folgt eine Verkleidung mit Holz.

„Bis jetzt finanzieren wir das alles mit Eigenmitteln der Kirchengemeinde und mit Zuschüssen der Stadt Kyritz und des Kirchenkreises“, berichtet Andreas Lange. Die Terminplanung für den Bau sei angesichts der baulichen Überraschungen allerdings etwas ins Wanken geraten. „Eigentlich soll hier in der Adventszeit ein Konzert stattfinden. Wir hoffen, dass wir bis dahin fertig sind.“

Die Holzhausener Dorfkirche ist über 600 Jahre alt. Quelle: Alexander Beckmann

Die Holzhausener Feldsteinkirche entstand vermutlich um das Jahr 1400 herum. Manche Quellen gehen auch von einem Bau bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus. Größere Umbauten erlebte das Haus nie. Lediglich das Innere wurde um 1700 im barocken Stil umgestaltet.

Von Alexander Beckmann

Märkische Allgemeine Zeitung, 06.08.2020