26.09.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Bedeutendes Altarbild kehrt in Rathenower Kirche zurück

Vor drei Jahren beschädigte ein Einbrecher das Altarbild in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche erheblich. Nun ist das bedeutende Kunstwerk nach monatelanger Restaurierung an seinen angestammten Platz zurückgekehrt. 

Vor drei Jahren beschädigte ein Einbrecher das Altarbild in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche erheblich. Nun ist das bedeutende Kunstwerk nach monatelanger Restaurierung an seinen angestammten Platz zurückgekehrt. 

Bedeutendes Altarbild

Das Altarbild „Darbringung im Tempel“, auch „Simeon mit dem Kinde“ genannt, wurde 1778 gemalt von Christian Bernhard Rode (1725 –1797).

Rode, Hofmaler Friedrich II. und einer der bedeutendsten Künstler des Friderizianischen Rokoko, schenkte das Gemälde 1779 der Rathenower Kirchengemeinde.

Im Zweiten Weltkrieg mauerten die Gemeindeoberen das Bild zusammen mit anderen Kunstwerken im Fuße des Kirchenturms ein, um es zu schützen. 

Hätte man es im Chorraum hängen lassen, wäre es nach dem Branddesselben im letzten Kriegsjahr unwiederbringlich zerstört worden.

Pfarrer Andreas Buchholz machte aus seiner Freude über die Rückkehr des beeindruckenden Ölgemäldes keinen Hehl. „Es hat etwas gefehlt“, sagte er. Und war regelrecht begeistert über die Arbeit der Restauratorinnen. „Schauen Sie sich die Farben an“, sagte er. „Das Bild strahlt wieder.“

Restaurierung in Berliner Werkstatt

Zu verdanken ist diese Wirkung den beiden Berliner Diplom-Restauratorinnen Annett Xenia Schulz und Juliane Brand. Diese hatten das beschädigte Gemälde im vergangenen Jahr begutachtet. Und danach von der Kirchengemeinde den Auftrag zur Restaurierung erhalten.

Ein Einbrecher war durch das kleiner Chorfenster in die Kirche eingedrungen und hatte beim Abstieg das Gemälde beschädigt. Quelle: Markus Kniebeler

Dass ein Schadens-Gutachten erstellt werden musste, hat mit einem kuriosen Vorfall aus dem Jahr 2018 zu tun. Damals war ein Einbrecher durch ein kleines Fenster in rund fünf Meter Höhe eingestiegen, hatte beim halsbrecherischen Abstieg in den Chorraum offenbar an dem mächtigen Gemälde Halt gesucht, war abgerutscht und hatte das Kunstwerk dabei erheblich beschädigt. 

Bild bei Sturz beschädigt

„Bei genauem Hinsehen konnte man sogar die Fußspur des Einbrechers erkennen, die sich vom oberen bis zum unteren Bildrand gezogen hat“, berichtet Annett Xenia Schulz. Außerdem sei das Bild beim Sturz auf den Boden gestaucht worden. Dadurch hätten sich Farbschollen gelockert. „Wenn man das Bild hängen gelassen hätte, wären diese losen Farbteile irgendwann abgesprungen“, sagt die Restauratorin. „Das hätte den Restaurierungsaufwand erheblich vergrößert.“

Doch auch so hatten die beiden Expertinnen genug zu tun. Fast fünf Monate lang – von Anfang Mai bis Mitte September – widmeten sie sich dem Gemälde, auf dem der Prophet Simeon zu sehen ist, der den Messias im Arm hält.

Aufwendige Reinigung und Restaurierung

In einem ersten Schritt musste die Leinwand geglättet werden, um die beim Sturz entstandenen Beulen zu beseitigen. Dann wurde das gesamte Gemälde behutsam gereingt –und zwar Quadratzentimeter für Quadratzentimeter. Mit Wattebäuschen und einer milden Reinigungslösung befreiten die Restauratorinnen die Fläche von Staub, Ruß und anderen Schmutzpartikeln, die sich im Lauf der Jahrzehnte abgesetzt hatten.

Feinarbeit an der Farbschicht

Und dann machten sie sich daran, die beschädigte Farbschicht zu reparieren. Abplatzungen mussten fixiert, Risse gekittet werden. Und schließlich wurden Fehlstellen im Gemälde ergänzt. „Mit feinen Strichen arbeitet man sich an den Farbton heran“, erklärt Juliane Brand. Ziel sei es bei dieser Strich-Retusche genannten Methode einerseits, die beschädigte Farbschicht zu „reparieren“. Aber immer müsse bei genauem Hinsehen erkennbar sein, dass ein Restaurator in das Original eingegriffen habe. 

Monatelang arbeiteten die Restauratorinnen an dem Gemälde. Quelle: Markus Kniebeler

Die Frage, ob man ein Bild im Laufe einer so intensiven Beschäftigung kennen und schätzen lerne, bejahen beide Restauratorinnen. „Wenn man so lange so nah am Gemälde ist, sieht man, wie der Maler gearbeitet hat“, sagt Annett Xenia Schulz. Sie sei beeindruckt, wie gekonnt Friedrichs Hofmaler das Spiel von Licht und Schatten auf die Leinwand gebracht habe. „Das war in der damaligen Zeit schon ein Meister seines Faches“, sagt sie. Nicht ohne Grund zähle der 1725 in Berlin Geborene zu den bedeutendsten Vertretern des Friderizianischen Rokoko.

„So ein Gemälde wächst einem schon ans Herz, wenn man sich so intensiv mit ihm beschäftigt“, sagt Juliane Brand. Es sei immer schön, ein restauriertes Gemälde an den Eigentümer zurückzugeben. „Aber ein bisschen Trennungsschmerz ist auch dabei“, gibt sie zu.

Von Markus Kniebeler

Märkische Allgemeine Zeitung, 26.09.2020
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