15.04.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Borgsdorf/Pinnow – Mit Skalpell und Pinsel

Die letzte Etappe bei der Innensanierung der Dorfkirche zu Pinnow läuft auf Hochtouren – jetzt ist die Empore an der Reihe. Die Kultursonntage werden am 5. Mai eröffnet.

lrich Schneider zeigt die von ihm mit dem Skalpell freigelegten Ornamente, die er originalgetreu wieder aufbringen wird.  Quelle: Helge Treichel

In der Pinnower Dorfkircheriecht es derzeit nach Farbe. „Terpentin-Öl“, sagt Ulrich Schneider mit einem vielsagenden Lächeln. Das sei die Grundlage für gute Öl-Lasuren, die er selbst herstellt. Und die braucht der 67-jährige freiberufliche Restaurator: Die Empore der 1859 bis 1862 erbauten Kirche wird von ihm saniert, wobei ihm seine Frau Ilona zur Hand geht. Mit dem Anstrich werden die natürlichen Fasern des Holzes imitiert. Diese Art der Illusion sei zwischen 1830 und 1840 zum Standard in Brandenburg geworden und werde vorbildgetreu erneuert.

Bereits 2006 hatte Schneider die Farbuntersuchungen gemacht, die einzelnen Schichten mit Lösungsmitteln und Skalpell freigelegt. Sorgsam wurden die alten Schichten damals freigelegt. Drei verschiedene Fassungen der Raumgestaltung konnte er dokumentieren. Er orientiert sich ausschließlich an der originalen aus der Bauzeit, was kleine rechteckige Ausschnitte belegen. Wie durch ein Fenster ist die alte Farbe zu sehen.

Die Farben werden für die Kirche extra hergestellt und orientieren sich am Original.  Quelle: Helge Treichel

Nachdem er die Ende Oktober begonnenen Arbeiten im Winter unterbrechen musste, haben die Schneiders Ende März in Pinnowwieder zum Pinsel gegriffen. „Unser Ziel ist es, die Innensanierung bis zum September 2020 abzuschließen“, sagt Klaus Sokol, Vorsitzender des Fördervereins Kirche in Pinnow. Die letzten Etappen betreffen die Treppe und die Tür. Zunächst müssen nämlich jene Teile der Emporeerneuert werden, für die über den Kirchenbänken eine Arbeitsbühne errichtet wurde. Denn „Anfang Mai muss alles raus, so der 81-Jährige mit Nachdruck. Denn bereits am 5. Mai werden die diesjährigen Kultursonntage eröffnet: Um 16 Uhr soll eine Ausstellung des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums Oranienburg eröffnet werden. Deren Leitung hat Silvia Faustmann, Fachlehrerin für Kunst. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Musikschule Hohen Neuendorfunter der Leitung von Beate Krause.

eit 2004 organisiert Klaus Sokol die Kultursonntage in der Pinnower Kirche, die von dem preußischen Baumeister Friedrich August Stüler (1800 – 1865) erbaut wurde.  Quelle: Helge Treichel

Junge Talente zeigen am 26. Mai ihr Können. Schülerinnen und Schüler der Musikschule „Béla Bartók“ Berlin musizieren ab 16 Uhr unter der Leitung von Susanne Seiffert. Am 16. Juni folgt ein Konzert des Gemeindechores Borgsdorf-Pinnow unter der Leitung von Heike Sander: „Rock my Soul – Gospel, Folk et cetera“. Bilder von Jörg Weberwerden ab 28. Juli gezeigt unter dem Titel „Städte-Abstraktionen“. Michiko Lena Feuerlein (Violine) und Yannick Wirner (Klavier) von der Musikwerkstatt Eden übernehmen das Programm. Die Veranstaltung zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane ist am 25. August überschrieben mit „Worte – Töne – Bilder“. Eine Lesung mit Sabine Frost, Musik vom Duo „Bowo Okasa“ und Fotografien von Stefan Hessheimer. Den Schlussakkord setzen am 29. September die „Jungen Meister“ der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker.

Ilona Schneider unterstützt ihren Mann bei der Restaurierung.  Quelle: Helge Treichel

Die Teilnehmer der Veranstaltungen werden dann feststellen können, dass der Innenraum wieder ein Stück schöner geworden ist – wie schon Stück für Stück in den Vorjahren. Ulrich Schneider ist sich allerdings noch nicht sicher, ob er die aufwendigen Restaurierungen an der Empore bis dahin abschließen kann. Schließlich müssen die Balken und Kapitelle der Säulen noch mit den ursprünglichen Ornamenten verziert werden. Wie schon die Meister der Altvorderen nutzt Schneider dafür eigens von ihm angefertigte Schablonen. Die Kapitelle dagegen seien auch zur Bauzeit schon rein von Hand bemalt worden, erläutert der Fachmann.

Die Kosten für den letzten Abschnitt der Innensanierung beziffert Klaus Sokol mit rund 19 000 Euro. Den Großteil davon trage die Stadt. Mit Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Benefizveranstaltungen werde die übrige Summe finanziert. Gespannt lauscht er, wenn ihm der Restaurator die vielen Details erklärt. Etwa die schmalen Säulchen, von denen er nur noch Spuren an der Emporen-Brüstung entdeckt hatte und die jetzt neu angebracht wurden. Oder den schmalen Ornament-Streifen, der zu Hälfte im Original sichtbar bleiben wird.

Klaus Sokol, von Hause aus Musiker, liebt diese ehrenamtliche Tätigkeit – das Voranbringen der Sanierung, die Organisation der Kultursonntage. Er wohnt nur fünf Minuten entfernt und fühlt sich durch das Engagement bereichert: „Es lohnt sich auf jeden Fall“, sagt er – auch mit Blick auf eine Teilnahme an „seinen“ Veranstaltungen.

Ulrich Schneider mit einer seiner Schablonen für die Ornamente der Empore.  Quelle: Helge Treichel


Märkische Allgemeine Zeitung, 15.04.2019
Zur Kirche
Dorfkirche Borgsdorf-Pinnow im Pressespiegel
Borgsdorf/Pinnow – Mit Skalpell und Pinsel 15.04.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Wir gratulieren den Preisträgern unserer Ausschreibung Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2003 27.06.2003
Auftakt des Musiksommers in Kleinbeeren 11.06.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Den 300. Geburtstag ihrer Dorfkirche feiern die Mixdorfer 11.06.2019 · Märkische Oderzeitung
Volles Haus bei der Kirchennacht in der Region Trebbin-Ludwigsfelde 10.06.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Kirchenorgel in Perwenitz geweiht 09.06.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Musik für die Sanierung des Kirchturms in Falkenthal 07.06.2019 · Märkische Oderzeitung