17.11.2018  –  MOZ.de

Bricciuskirchlein Bad Belzig erfreut sich großen Zuspruchs

Kirchenfreunde

Bricciuskirchlein erfreut sich großen Zuspruchs

Bärbel Kraemer

Bad Belzig Ein gutes dutzend fleißiger Helfer fand sich auf dem Friedhof an der Bricciuskirche ein. Sie harkten Laub, trugen Astwerk zusammen und setzten Frühblüher. Eine der Helferinnen war Monika Schwarz. Sie ist unterhalb der Burg im ehemaligen Dorf Sandberg zu Hause. „Der Friedhof gehört zum alten Sandberg. Es ist ein so stiller und friedlicher Ort“, fasst sie ihre Beweggründe, den Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow beim Arbeitseinsatz zu unterstützen, zusammen.

Die Kanzel und der Altar der kleinen Bricciuskirche, sie stammen vermutlich aus dem Jahr 1663, bedürfen einer dringenden Sanierung. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
© Foto: Kanzel braucht Hilfe Foto: B. Kraemer
 
Birgit Kruse (li.) und Lydia Junghanß haben einen kleinen Erfrischungsstand eingerichtet. Wasser, Äpfel, Traubenzucker und Informationsmaterial liegen immer bereit.
© Foto: Birgit Kruse (li.) und Lydia Junghanß Foto: B. Kraemer

Jeweils im Frühjahr und im Herbst bittet der Verein, der vor vier Jahren das Nutzungsrecht und die Bauherrenschaft für die Kirche übernahm, zu Arbeitseinsätzen auf dem Friedhof. Mit durchweg positiver Resonanz.

Im Verlauf des Jahres hatte die sanierte Kirche bereits viele Menschen angelockt. Auch über die Piktogramme, die sie als Radwege- und Wanderwegekirche ausweisen. Für Touristen, ob sie auf Schusters Rappen oder mit dem Velo an der Kirche stoppen, haben die Mitglieder des Fördervereins deshalb einen kleinen Erfrischungsstand eingerichtet. Wasser, Äpfel, Traubenzucker und Informationsmaterial liegen immer bereit. „Im Sommer außerdem Sonnencreme und Mückenschutz. Gesponsert von der Apotheke Kögel“, sagt Lydia Junghanß vom Verein.

Große Resonanz erfuhren auch die monatlich stattfindenden Kulturveranstaltungen, „Wir haben tolle Konzerte erlebt“, ergänzt Thomas Kruse. Die nächste Gelegenheit, ein solches in der altehrwürdigen Bricciuskirche zu erleben, besteht schon am 8. Dezember. Die Bad Belziger Turmbläser laden um 15.00 Uhr zu einer musikalischen Andacht im Advent ein. Am 24. Dezember um 22.00 Uhr schließt sich eine Andacht zur Christnacht an.

Mit der Sanierung von Kanzel und Altar, sie stammen vermutlich aus dem Jahr 1663, sollen die Restaurierungsarbeiten im Kirchlein vollständig abgeschlossen werden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter weg. „Wir werden noch kräftig sparen müssen“, so Junghanß und erläutert, dass ersten Kostenvoranschlägen zufolge knapp 30.000 Euro dafür erforderlich sind. „Am Altar und an der Kanzel ist sehr viel zu tun“, erklärt sie und deutet auf zahllose Schadstellen im Holz. Untersuchungen haben ergeben, dass die ursprüngliche Farbgebung der Innenausmalung der Kirche angepasst war. Das heute an Altar und Kanzel dominierende blau, ist demzufolge nicht die originale Farbgebung. Um die Restaurierung zu meistern, hofft der Verein auf Spenden.

„Die Mühe lohnt sich. Man fühlt sich hier aufgehoben“, sagt Lydia Junghanß und ergänzt, dass das aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirchlein auch von den Bad Belzigern wieder stärker wahrgenommen wird. Die stattgefundenen Taufen, Trauungen und Beerdigungen sprechen dafür.

Damit namhafte Sandberger und Belziger Bürger, die vor langer Zeit auf dem Friedhof an der Bricciuskirche begraben wurden, nicht vergessen werden, plant der Verein langfristig ein Faltblatt. Die alten Grabsteine sollen unbedingt erhalten werden. „Nur mit den Namen kann man wenig anfangen“, sagt Thomas Kruse und deutet auf einen altersgrauen Feldstein mit Inschrift. Derselbe erinnert an Pfarrer Johannes Bombe, der neben seiner Ehefrau Frieda begraben wurde. Als der Pfarrer 1947 zu Grabe getragen wurde, geschah ein Unglück. Die Leidtragenden und viele Gemeindemitglieder begleiteten den Seelsorger zu seiner letzten Ruhestätte. Während die Glocke der Bricciuskirche läutete, löste sich der Glockenschwengel. Er fiel auf die Trauergesellschaft und erschlug den Bauern Gustav Bergholz aus der heutigen Karl-Marx-Straße.

Nicht weit entfernt befindet sich das Familiengrab der Ganderts. Paul Gandert war ab 1889 Amtsgerichtsrat von Belzig. Von seiner Villa ritt er jeden Tag hoch zu Ross zu seiner Dienststelle auf der Burg Eisenhardt. Eine seiner Töchter verheiratete sich wiederum mit Prof. Dr. Bernhard Brandt, der mehr als 100 wissenschaftliche Abhandlungen verfasste. Einige davon betrafen die hiesige Region. Besondere Aufmerksamkeit widmete der Geograf und Mediziner den Rummeln im Hohen Fläming. Auch sein Grab befindet sich auf dem Bricciusfriedhof.

Spendenkonto: Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V., Mittelbrandenburgische Sparkasse IBAN: DE76 1605 0000 1000 9859 34 Spendenzweck: Altar Bricciuskirche

MOZ.de, 17.11.2018