17.05.2020  –  Lausitzer Rundschau

Die Granoer Orgel kommt zurück zum alten Klang

In der kleinen Granoer Dorfkirche hat die evangelische Kirchengemeinde jetzt Großes vor: Endlich wird die Orgel saniert. Neben dem mühsam beschafften Geld für das Instrument gibt es einen weiteren Scharfrichter in der Geschichte.

17. Mai 2020, 11:09 Uhr•Grano
Von Ute Richter

Kirchenältester Ulrich Heß und Diplom-Restauratorin Dr. Dorothee Schmidt-Breitung bei ersten Absprachen zur Orgelsanierung
Die Kirche Grano
Die Orgel ragt über den Kirchenraum in der Granoer Kirche.

Die Orgel der Dorfkirche Grano wird saniert. Ulrich Heß, der Kirchenälteste der evangelischen Kirchengemeinde Guben, ist sichtlich froh über Fördergelder, die jetzt aus dem Denkmaltopf des Bundes fließen. „Bereits seit 1990 sind eine Reparatur und das Stimmen der Orgel nötig“, erzählt der Gemeindevorstand im Gemeindebezirk Grano. „Immer hatten dringendere Aufgaben Vorrang“, ergänzt er. So sei zuerst des Pfarrhauses in der damals noch eigenständigen Kirchgemeinde und später die Instandsetzung der Kirche nach der Gründung der Evangelischen Kirchengemeinde Region Guben erforderlich gewesen. Aber jetzt ist die kleine, feine Schleifladenorgel in dem ebenfalls kleinen Backstein-Kirchenbau der Schinkel-Schule, errichtet Mitte des 19. Jahrhunderts.

Fast zehntausend Euro Spenden für die Orgel gesammelt

Hohe Kosten für die Orgel stehen schon seit dem Jahr 2015 fest. Seitdem sind fast zehntausend Euro an Spenden gesammelt worden. Denn der Orgelsachverständige Martin Schulze empfiehlt, die Orgel auf das originale Klangbild zurückzuholen. Die Dokumentation der einstigen Disposition ist im Firmenarchiv des Herstellers noch vorhanden. Deshalb können die einst entfernten Orgelpfeifen wieder ersetzt werden. Das Instrument kann vollständig restauriert werden.Und das hieß, die Spendentrommel rühren. Denn die Kosten übersteigen die Finanzkraft der Kirchengemeinde. Der Kirchenkreis und die Stiftung Orgelklang engagiere sich. Und die Gemeinde Schenkendöbern hilft aus einem Sponsorenvertrag mit der Energiegenossenschaft Prokon, die Windkraftanlagen bei Sembten betreibt. Die Sparkasse Spree-Neiße und viele private Spender sind dabei. Dass nun die Zusage einer Förderung von 50 Prozent der Gesamtkosten kam, lässt den lange gehegten Wunsch der Sanierung der Orgel endlich in Erfüllung gehen.

Orgelbauerfamilie Gast wirkte über vier Generationen

Doch was ist nun das Besondere an der Granoer Orgel? Sie ist das Erstlingswerk des Fürstenberger Orgelbauers Johann Friedrich Gast, der zu dieser Zeit als „F. Gast & Sohn“ auftrat. Die Orgelbauerfamilie Gast wirkte über vier Generationen im alten Kreis Guben und schuf hier zahlreiche Instrumente. Der Firmengründer Johann George Gast war ursprünglich Schneidermeister, reparierte anfangs die wenigen regionalen Orgeln aus Mangel an ansässigen Firmen. So erlernte er dieses Handwerk. Auch die Orgel in Groß Breesen stammt aus den Händen von Johann George Gast. Leicht verändert und teilrestauriert konnte auch sie erhalten werden und feiert in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag.Während die zweite und dritte Generation der Familie Gast sich überwiegend auf Reparaturen beschränkte, schuf Johann Friedrich Gast ebenso wie sein Großvater neue Orgeln, wovon heute noch drei Instrumente erhalten beziehungsweise bekannt sind. Die Orgel in der Granoer Kirche wurde in den 70er-Jahren umgebaut. Bereits längere Zeit zuvor wurden barocke Orgeln als besonders erhaltenswert geschätzt. So lag auch in Grano eine Veränderung hin zu barockem Klang nahe. Umsichtig dokumentierten die ausführenden Orgelbauer die originale Disposition und lagerten die entnommenen Pfeifen in der Kirche, wo sie bis heute fast vollständig erhalten blieben. Somit können sie nun bei der Sanierung wieder eingebaut werden.

Granoer Orgel soll auch bei Konzerten aufspielen

Nun freut sich die Gemeinde Schenkendöbern auf die in greifbare Nähe gerückte Instandsetzung dieses kulturhistorisch und heimatgeschichtlich wertvollen Instrumentes. Die Orgel wird dann neben der gottesdienstlichen Nutzung auch zu besonderen Konzerten im einstigen, originalen Zustand seinen romantischen Klang entfalten. Ulrich Heß hofft, dass das schon im kommenden Jahr sein wird, denn dann feiert die Orgel in Grano ihren 160. Geburtstag.Fachlich betreut wird die Sanierung der Orgel mit all seinen Umbauten von Dr. Dorothee Schmidt-Breitung. Sie ist Diplom-Restauratorin und hat schon mehrfach in Kirchen der Region Hand angelegt und fachlich beraten. Sie freut sich auf die Sanierung, findet die Granoer Orgel „klein, kompakt und niedlich“. In dieser Woche hat sich die Fachfrau schon einmal einen Überblick vor Ort verschafft und erste Absprachen getroffen. Nach der kirchenaufsichtlichen Genehmigung können dann die Orgelbauer im besten Fall im Winter bis Frühjahr loslegen. Eine große Rolle werden dabei die Temperaturen spielen.

Die Orgel der Dorfkirche Grano

Für die Sanierung der Orgel der Kirche Grano fließen jetzt Fördermittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm IX des Bundes. Das Instrument ist für die Dorfkirche im Jahr 1861 von Friedrich Gast & Sohn in Fürstenberg/Oder gebaut worden. Am Rande: Friedrich Gast soll auch der letzte Scharfrichter von Fürstenberg gewesen sein.

Die kleine mechanische Schleifladenorgel hat acht Register. Das Orgelgehäuse ist weiß gefasst und golden verziert worden. Der Prospekt umfasst drei Felder. Im Jahr 1975 war die Orgel umgebaut worden, die Originalregister sind in Teilen erhalten.

Jetzt kommen 44 000 Euro Bundesmittel, investiert werden müssen 89 000 Euro. Gespielt werden konnte die Orgel in Grano im jetzigen Zustand das letzte Mal zum Weihnachtsgottesdienst 2019.

Lausitzer Rundschau, 17.05.2020
Zur Kirche
Dorfkirche Grano im Pressespiegel
Die Granoer Orgel kommt zurück zum alten Klang 17.05.2020 · Lausitzer Rundschau