19.05.2010  –  Märkische Allgemeine

Die sanierte Orgel der Satzkorner Kirche wird am 30. Mai feierlich eingeweiht

EREIGNIS: Voller Klang nach langem Warten

Mit einem Gottesdienst wird die sanierte Orgel der Satzkorner Kirche am 30. Mai feierlich eingeweiht

 
Pfarrer Jens Greulich, Andreas Mähnert, Ariane Loof und Harry Sander (v.l.) mit den alten Pfeifen aus Zinn: Für die nächsten Projekte werden diese verkauft.
Foto: CHRISTEL KÖSTER

POTSDAM / SATZKORN – Es muss lange her sein, dass sie ihre ganze klangliche Vielfalt präsentieren konnte. Nicht einmal mehr die ältesten Einwohner der kleinen Gemeinde konnten sich daran erinnern, mehr als die zwei vorhandenen Register gehört zu haben. Vermutlich seit Jahrzehnten taten sie allein ihren Dienst auf der Empore. Doch die Zeit des reduzierten Klanges ist nun vorbei: Mit einem festlichen Gottesdienst wird am 30. Mai die frisch sanierte Orgel der Kirche auf dem Satzkorner Dorfanger geweiht. Dann werden zum ersten Mal wieder acht Register erklingen – wie von Orgelbaumeister Carl Eduard Gesell im Baujahr 1872 ursprünglich vorgesehen.

Gemeinsam haben ein eigens gegründeter Förderverein, der Kirchenkreis Falkensee und der Ortsbeirat dafür gesorgt, dass nach nur einem Jahr konzentrierter Aktivitäten die alten Orgelpfeifen ersetzt wurden. Rund 46 000 Euro haben die Arbeiten, von der Eberswalder Orgelbauwerkstatt ausgeführt, gekostet. Der Großteil, etwa 40 000 Euro, stammt dabei aus dem Altvermögen der Gemeinde, über das der Ortsbeirat auch nach der Eingemeindung weiterhin verfügen konnte. "Wir sind dem Beirat und Ortsvorsteher Dietmar Bendyk sehr dankbar, dass er unsere Sache so stark unterstützt hat", sagte Ariane Loof.

Gemeinsam mit ihren Mitstreitern hatte die Vorsitzende des Fördervereins Spenden gesammelt, Konzerte und Lesungen veranstaltet sowie den Verkauf von Bildern der Künstlerin Erdmuthe Breddin organisiert – alles zugunsten der Orgelkasse. Der Kirchenkreis Falkensee gab 3000 Euro, so dass im Sommer 2009 die Arbeiten beginnen konnten.

Doch die Orgelbauer Harry Sander und Andreas Mähnert hatten es nicht einfach. Zwar konnte ein Großteil der Technik der einmanualigen Orgel gepflegt und wieder verwendet werden, aber die alten Pfeifen aus Zinn pfiffen buchstäblich auf dem letzten Loch. Sie mussten komplett ersetzt werden.

Mit den alten Holzpfeifen, die hinter den neuen glänzenden auch erhalten werden konnten, kommt das Instrument nun wieder auf 362. Für die tiefen Töne hatte sich Meister Gesell übrigens eines Kniffes bedient. "Der Platz in der Orgel war nicht ausreichend, um Pfeifen von der richtigen Länge einzubauen", erklärte Mähnert. Also verwendet man sogenannte "gedackte Pfeifen". Verschlüsse an ihren sonst offenen Enden sorgen dafür, dass sie eine Oktave tiefer gespielt werden können.

Sander und Mähnert schauten sich auch andere Orgeln des Meisters aus der Erbauungszeit an, um ein Verständnis für seine technischen Lösungen zu entwickeln.

Obwohl sein ursprünglicher Zweck erfüllt ist, will der Förderverein weitermachen. "Wir haben Spaß daran gefunden und denken über eine Satzungsänderung nach, um das kulturelle Leben im Ort zu fördern", sagte Loof. Um dafür Geld zu sammeln, verkauft man die alten Pfeifen der Orgel. Eine große dient als Spendensäule.

Der nächste Höhepunkt für die Orgel steht auch schon fest: Am 12. Juni wird zu ihren Klängen geheiratet. (Von Sebastian Scholze)

Festgottesdienst und die Historie der Orgel

  • Beginn des Gottesdienstes ist am 30. Mai um 14 Uhr. Spielen werden Kantor Harald Dubowsky und Kreiskantor Stephan Hebold. Nach dem Gottesdienst stehen Kaffeetrinken und ein Kinderprogramm an. Interessierten wird die Orgel erklärt. Die Musiker haben auch moderne Titel vorbereitet, um mit einem kleinen Konzert die ganze tonale Vielfalt des Instrumentes zu präsentieren. Die ausrangierten Pfeifen und Bilder von Erdmuthe Breddin werden verkauft. Der Festakt endet gegen 17 Uhr mit dem Abendsegen und – natürlich – Orgelmusik.
  • Vermutlich in den siebziger Jahren hat Orgelbaumeister Schuke nach als Nachfolger von Gesell die zwei vorherigen Zinnregister eingebaut, nachdem die alten Pfeifen in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren gingen. Bereits einmal zuvor war das Instrument geplündert worden: 1917 wurden die Prospektpfeifen zum Einschmelzen abgegeben. Weil Deutschland durch den Krieg nahezu vollständig vom Weltmarkt abgeschnitten war, sollten auf diese Weise dringend benötigte Rohstoffe ersetzt werden – ein Schicksal, das auch viele Kirchenglocken traf: Nur die jeweils kleinste durfte auf Anweisung der Regierung behalten werden.
  • Die ursprüngliche Vermutung, dass die Satzkorner Kirche anfangs zu arm war, um sich alle acht Register leisten zu können, hat sich nicht bestätigt, wie Nachforschungen des Fördervereins belegen. scho

 

Märkische Allgemeine, 19.05.2010