29.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Frankenfelde – Turley-Orgel wird im September eingeweiht

Noch gibt es einiges an der national bedeutsamen Kirchenorgel zu tun. Doch spätestens am 27. September müssen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann soll das Instrument im Festgottesdienst erklingen.

Die Interessengemeinschaft „Orgelfreunde“ erkundige sich bei Orgelbaumeister Tobias Herold (2.v.r.) nach dem Fortschritt der Arbeiten.

Noch liegen etliche Orgelpfeifen und Baumaterialien auf den Bänken der Frankenfelder Dorfkirche. Spätestens bis zum 27. September müssen alle Teile eingebaut sein, denn dann soll die Einweihung der Turley-Orgel mit einem Gottesdienst gefeiert werden. Erwartet werden dazu der Bischof der Landeskirche, Christian Stäblein, Superintendentin Katrin Rudolph sowie der Kreiskantor des Kirchenkreises, Peter Michael Seifried. Dem Kreiskantor und der ehemaligen Luckenwalder Pfarrerin Stephanie Hennings ist es vor allem zu verdanken, dass die Orgel aus dem Jahr 1824 restauriert wurde. Aber auch die Frankenfelder Interessengemeinschaft „Orgelfreunde“ hat alles daran gesetzt, den nötigen Eigenanteil aufzubringen.

Orgelbaumeister Tobia Herold zeigt die Besonderheiten der Orgel.

Orgelbaumeister Tobia Herold zeigt die Besonderheiten der Orgel. Quelle: Margrit Hahn

Als Orgelbaumeister Tobias Herold Ende November 2018 die Orgelpfeifen der national bedeutsamen Kirchenorgel in Frankenfelde auseinandernahm, um sie zur Restauration in die Orgelbauerwerkstatt Schuke in Berlin Alt-Schönow zu bringen, war er erstaunt. Beim Abbau der von 1824 stammenden Orgel stellte sich heraus, dass der damals gerade mal 20-jährige Orgelbauer Johann Friedrich Turley bei seinem Erstlingswerk einen Trick angewendet hatte, um der Orgel zu einem besonders tiefen, sonoren Bass zu verhelfen. Tobias Herold hatte auf einer Leiste auch handschriftliche Hinweise von Turley entdeckt. Diese geben für die Pedalposition Posaune 16 und Quinte 10 an. Turley machte sich vor knapp 200 Jahren die Akustik zunutze, um mehr „Wumms“ in die Orgel zu kriegen.

Inzwischen stecken rund 4.000 Arbeitsstunden in der Orgel. Seit vier Wochen sind Orgelbaumeister Tobias Herold und die Auszubildende Elli Bender in Frankenfelde, um alles wieder an Ort und Stelle zu bringen. „Diese Orgel war früher sehr oft im Einsatz“, sagt Herold. Zu erkennen war das vor allem an den abgenutzten Tasten. Vier davon waren nur noch zur Hälfte vorhanden. Aber auch die Pedalklaviatur war ziemlich runter.

Die angehende Orgelbauerin Elli Bender steht kurz vor dem Abschluss ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung. Die Arbeit in Frankenfelde macht ihr Spaß.

Die angehende Orgelbauerin Elli Bender steht kurz vor dem Abschluss ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung. Die Arbeit in Frankenfelde macht ihr Spaß. Quelle: Margrit Hahn

In der Orgelbauerwerkstatt Schuke hatten drei Mitarbeiter in den vergangenen Monaten voll zu tun, um verschlissene Teile aufzuarbeiten und neue anzufertigen. Tobias Herold ist seit der ersten Stunde dabei. „Ich habe die erste Orgelpfeife ausgebaut und werde bis zur letzten alle wieder einbauen“, sagt der 33-Jährige. Als am Mittwoch der erste Ton erklang, war die Freude groß, nicht nur bei ihm, sondern auch bei den Vertretern der Interessengemeinschaft, die sich über den Fortschritt der Arbeiten informierten.

Die Kirchenorgel in Frankenfelde stammt aus dem Jahr 1824

Die Kirchenorgel in Frankenfelde stammt aus dem Jahr 1824 Quelle: Margrit Hahn

Um das Instrument wieder in den Originalzustand zu versetzen, wurden unterschiedliche Materialien verwendet – neben Eiche, Kiefer und Ebenholz auch Leder, Eisen, Messing und Elfenbein. Die anfangs angesetzten 150.000 Euro für die Sanierung reichten nicht aus. Der Holzwurm ist daran nicht ganz unschuldig. „Wir haben finanzielle Unterstützung vom Bund, von der Denkmalschutzbehörde, der Stiftung Orgelklang und den Luckenwalder Banken erhalten“, sagt die Kirchenälteste Ines Neumann.

Seit feststand, dass die Orgel saniert wird, hat die Interessengemeinschaft „Orgelfreunde“ etliche Benefizkonzerte, Vorträge und Kuchenbasare organisiert. „Ich erinnere mich noch an den ersten Kuchenbasar. Wir sind mit drei Autos zum Jüterboger Musiksommer in die Nikolaikirche gefahren, um Kuchen zu verkaufen und haben 300 Euro eingenommen“, berichtet Ines Neumann.

Es gibt noch einiges bis zur Einweihung zu tun, wie unschwer zu erkennen ist.

Es gibt noch einiges bis zur Einweihung zu tun, wie unschwer zu erkennen ist. Quelle: Margrit Hahn

Zur feierlichen Einweihung sollen auch Künstler eingeladen werden, die ein Benefizkonzert in der Frankenfelder Kirche gegeben haben, wie Sebastian Krumbiegel, der Sänger der Prinzen. Auch die Paten stehen auf der Gästeliste. Mit einem Beitrag zwischen 25 und 300 Euro für eine Pfeife der Turley-Orgel besteht immer noch die Möglichkeit, eine Patenschaft zu übernehmen. Damit könnten auch Verwandte und Freunde überrascht werden. So kann beispielsweise eine Pfeife mit den Notennamen der eigenen Initialen auswählt werden „Ich habe mich für ein H entschieden“, sagt der Frankenfelder Uwe Heinrich.

Blick auf die Frankenfelder Kirche.

Blick auf die Frankenfelder Kirche. Quelle: Margrit Hahn

Damit die Orgel künftig auch gespielt werden kann, hat sich Udo Wöhrmann, Mitglied der Frankenfelder Jagd- und Parforcehornbläser bei Kreiskantor Peter Michael Seifried auf die Schulbank gesetzt und das Orgelspielen erlernt.

Margrit Hahn

Märkische Allgemeine Zeitung, 29.07.2020
Zur Kirche
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