14.07.2019  –  Lausitzer Rundschau

Für die Kirche in Kroppen stets auf Betteltour

Besonders stolz ist Hans Dietzel auf die Sanierung des wertvollen Epitaphs in der Kroppener Kirche. Die Maßnahme wurde nach langer Suche über ein Sonderprogramm des Bundes finanziert. FOTO: Torsten Richter-Zippack


Der Kroppener Hans Dietzel engagiert sich seit Jahrzehnten für die Sanierung der Barockkirche. Jetzt bereitet der 85-Jährige mit seinem Verein die 300-Jahr-Feier vor. Von Torsten Richter-Zippack

„Mein Lebenswerk“: So bezeichnet Hans Dietzel die Sanierung der Kroppener Barockkirche. In den Jahren von 2004 bis 2014 ist das Gotteshaus grundhaft instand gesetzt worden. Das Gebäude erhielt statt der verrotteten Eichenbohlen unter seinen Füßen ein stabiles Betonfundament, darüber hinaus ein neues Dach sowie einen neuen Innen- und Außenanstrich. Nicht zu vergessen der erfolgreiche Kampf gegen den Hausschwamm, einen gefürchteten Holzschädling, auf Holzbalken.

Hans Dietzel hat als Vorsitzender des vor 15 Jahren gegründeten Kirchbauvereins für alle Arbeiten den Hut auf. „Natürlich in enger Abstimmung mit Pfarrern und Kirchenbediensteten“, sagt der 85-Jährige bescheiden.

Jetzt steht das krönende Finale bevor. „Wir wollen gemeinsam mit der Kirche im Spätsommer das 300-jährige Bestehen unseres Gotteshauses feiern“, kündigt Hans Dietzel an. Dazu werde es vom 23. bis 25. August sowie am 7. September mehrere hochkarätige Veranstaltungen geben.

Die Kroppener Barockkirche besteht seit 300 Jahren. Zwischen 2004 und 2014 erfolgte die Komplettsanierung. FOTO: Torsten Richter-Zippack


Die Kroppener Barockkirche war in den Jahren von 1717 bis 1721 errichtet worden. „Wir haben uns als Feierzeitpunkt genau den Mittelwert ausgesucht“, begründet Dietzel. Darüber hinaus gibt es ein weiteres Jubiläum: Am 19. August 2019 werden genau 100 Jahre ins Land gegangen sein, als der Kroppener Kirchturm abbrannte und einstürzte. Anlass war der Funkenflug von einer Dreschmaschine. Der markante Turm erfuhr nach dem Unglück seinen raschen Wiederaufbau.

Nach den kommenden Veranstaltungen anlässlich der 300-Jahr-Feier will Hans Dietzel etwas ruhiger treten, kündigt er an. „Wir haben sanierungstechnisch für die kommenden Jahrzehnte vorgesorgt. Dann sind andere an der Reihe.“

Auslöser für das Barockkirchen-Engagement des gebürtigen Greizers waren die besorgniserregenden Risse im gesamten Mauerwerk des Gotteshauses kurz nach der Jahrtausendwende. „Wäre damals nichts passiert, hätte die Kirche gesperrt werden müssen“, zeigt Dietzel die Konsequenzen auf. Soweit wollten es die Kroppener mit dem Pädagogen aus christlichem Elternhaus nicht kommen lassen.

Damit begann eine Tippeltappel-Tour, wie Hans Dietzel die Suche nach Fördermitteln benennt. Mehr noch: Selbst für außergewöhnliche Ideen zeigte sich der Kroppener offen. Beispielsweise mittels eines Bittbriefes an die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, eine der größten Tageszeitungen in Deutschland. „Von dort kam auch prompt Antwort. Allerdings konnten wir uns das vorgeschlagene Inserat nicht leisten“, erinnert sich Dietzel.

Dennoch verlief der Sanierungsauftakt erfolgreich: „Dank des Brandenburger Wissenschaftsministeriums starteten wir noch im Jahr 2004 mit den Arbeiten“, weiß Hans Dietzel. Die Landesbehörde steuerte mit rund 100 000 Euro ein Siebtel der gesamten Sanierungssumme bei. Immer wieder ging der Lehrer auf „Betteltour“, um weitere Gelder für sein Lebenswerk zu sammeln. Manchmal wollte sich der Erfolg partout nicht einstellen. „Durch die Setzung der Kirche aufgrund des maroden Fundamentes aus Eichenbohlen war die Dachhaut eingerissen. Es regnete also hinein, und der Hausschwamm machte sich breit“, erinnert sich Hans Dietzel. „Allerdings hatte es zwei Jahre gedauert, bis Geld eintraf. Wäre es schneller gegangen, hätten wir die Schäden minimieren können.“

Letztendlich sei es immer von Vorteil, über einen langen Atem zu verfügen, resümiert Dietzel. Der gebürtige Thüringer, der in Mühlhausen seine Ausbildung als Pädagoge für Chemie und Biologie erfuhr, lebt bereits seit Mitte der 1950er-Jahre in der Lausitz. Aufgrund seiner christlichen Lebenseinstellung und der Mitgliedschaft in der CDU stieß Dietzel auf manche staatlichen Widerstände. So erinnert er sich an einen Disput mit einer „Lehrerin auf Parteilinie“ aus dem damaligen Kreis Luckau. „Sie hatte mir mitgeteilt, dass es keinen Gott geben kann. Schließlich haben die sowjetischen Raumfahrer ihn nicht angetroffen.“ Über soviel Naivität, wie Dietzel selbst sagt, konnte er schon damals lächeln.

Selbst ein Rauswurf aus dem Schulbetrieb lag nicht mehr im Bereich des Unmöglichen. Aus diesem Grund durchlief Dietzel in den 1960er-Jahren ein Fernstudium der Chemie. „Damit hätte ich im Fall der Fälle beruflich neu durchstarten können.“

Dietzels Frau, die ebenfalls in Mühlhausen Pädagogik studiert hatte, ist die Tochter des Kroppener Schmieds. Im Jahr 1980 zogen Dietzels ins Elternhaus in der Pulsnitzgemeinde. Hans Dietzel war fortan als Lehrer an der Ruhlander Schule und später am Gymnasium Schwarzheide tätig. Von 1990 bis 2003 führte er als Bürgermeister die Geschicke der Pulsnitzgemeinde.

Trotz seiner heute fast 86 Lebensjahre zählt sich der Kroppener mit thüringischen Wurzeln noch immer nicht zum alten Eisen. Die Kirchensanierung sei zwar abgeschlossen, doch gebe es in Kroppen noch immer viel zu tun. Kein Wunder also, dass sich Hans Dietzel im Mai 2019 erneut in den Kroppener Gemeinderat wählen ließ.

Lausitzer Rundschau, 14.07.2019
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