09.07.2019  –  Lausitzer Rundschau

Geballte Spielfreude an Sprembergs Sauer-Orgel

Frantisek Vanicek, Organist aus Tschechien, war nach zehn Jahren  wieder in Spremberg zu erleben. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit

Wenn Frantisek Vanicek keine Uni-Vorlesung hat, spielt er. Von Annett Igel-Allzeit

Frei gespielt haben venezianische Organisten und Lautenspieler im 16. Jahrhundert in einem Ricercare, einer verspielten Kompositionsform. Der tschechische Organist Frantisek Vanicek (geboren 1969) spielte ein solches Ricercare von Andrea Gabrieli (1520 bis 1586) am Sonntag in der Spremberger in all seinen Verzierungen und arbeitete auch die leise Passage wunderbar heraus. Nur eine Einschränkung hatte der Komponist vor rund 450 Jahren eingearbeitet – die Beschränkung auf zwölf Töne. Es war ganz sicher das älteste Stück, was der Tscheche den Sprembergern gleich nach dem Start mit Bachs Fuga sopra zum Anfang bot – aber ein erste Ausblick auf die ganze Spielfreude dieses Orgelabends.

Seit 1998 reist Frantisek Vanicek durch die Welt, um Orgelmusik ganz verschiedener Epochen in Kirchen zu spielen. Bevor er am vergangenen Sonntag nach zehn Jahren endlich mal wieder an der Sauer-Orgel in der Spremberger Kreuzkirche saß, hatte er in Görlitz gespielt. Am Donnerstag, 11. Juli, wird der Tscheche an einem Meisterwerk des Orgelbauers Friedrich Herrmann Lütkemüller in Wittstock spielen. Studiert hat Vanicek am Konservatorium in Pardubice und an der Akademie der msuischen Künste in Prag, bevor er weitere ERfahrungen an der Akademie der Kunst in Utrecht sammelte. Und er gewann mehrere Preise und Anerkennungen, die ihm Kirchentüren zu Orgeln in aller Welt öffneten. Und während er als Professor an der Universität in Hradec Kralove Orgelspiel und Kirchenmusik lehrt, nutzt er die unterrichtsfreie Zeit, um in Deutschland, der Schweiz, in Frankreich, Polen aufzutreten. Auch in den USA und in Japan, in Scheden, Dänemark und Norwegen hat er bereits gespielt. Dass er so viele verschiedene Orgeln kennen lernen darf, dafür bedankt er sich mit sehr vielfältigen Programmen. Lediglich von Johann Sebastian Bach gab es in Spremberg zwei Stücke zu hören, ansonsten reichte das Repertoire nach Gabrieli von Johann Jacob Froberger, Dieterich Buxtehude, Johannes Brahms, den beiden tschechischen Orgelkomponisten Bohuslav Martinu und Jiri Strejc bis zum „Prelude in classic stylle“ von Gordon Young. Und nicht zu vergessen der Barockkomponist Nicolaus Bruhns. Der junge Mann, ein Schüler von Dieterich Buxtehude wurde nur 31 Jahre alt. Aber er schien gewusst zu haben, dass er nicht viel Zeit hatte: Für sein „Preludium e-moll“ durfte Vanicek ganz verschieden in die Tasten greifen – von ganz mollig ruhig bis fröhlich flink. „Oh ja, Bruhns ist wunderbar, ich inzwischen mehrere Stücke von ihm im Repertoire“, so Vanicek nach dem Konzert. Die Zuhörer klatschten für zwei Zugaben, gespielt hat Frantisek Vanicek ihnen wenigstens eine.

Das nächste Konzert im Rahmen des Spremberger Musiksommers bestreiten die Liedermacherinnen Mary & Mandy am 10. August ab 17 Uhr in der Kreuzkirche. Sprembergs Organist Ric Reinhold lädt am 17. Juli und am 7. August ab 18 Uhr zum Abendlichen Orgelklang in die Kreuzkirche ein.

Lausitzer Rundschau, 09.07.2019
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Geballte Spielfreude an Sprembergs Sauer-Orgel 09.07.2019 · Lausitzer Rundschau