04.07.2019  –  Märkische Oderzeitung

Geheimnis um die Rüdnitzer Glocken

Noch erhalten: Diese Glocke im Kirchturm von Rüdnitz gibt es noch.© Foto: Rainer Staude

Andrea Linne/ 04.07.2019, 06:00 UhrRüdnitz (MOZ) Die Glocken aus der Kirche von Rüdnitz sind geheimnisumwoben. Zwei von drei sind nämlich verschwunden. Rainer Staude, Ortschronist, und eine ganze Reihe Aktiver möchten sie zurückholen oder nachgießen lassen. Nur ein historisches Dokument zeugt von ihrer Existenz.

Seit 2015 läuft die Sanierung der Rüdnitzer Dorfkirche in mehreren Bauabschnitten. Mit dem fünften Abschnitt in diesem Jahr werden die Arbeiten dann abgeschlossen. Nach der Sanierung des Kirchturms und des Hauptschiffes einschließlich des Dachstuhls, der Eindeckung und der Fassade, folgte der Innenbereich. Der Fußboden und der Kirchenraum erstrahlen neu. Die quadratischen historischen Steine, die noch vorhanden waren, wurden mit einbezogen und verlegt. „Und zwar so, dass sie die früheren Gänge zwischen dem Gestühl markieren“, weiß Pfarrer Christoph Bruch. Backsteine wurden nach historischem Format gebrannt. Auch die Deckenbemalung soll noch hervorgebracht werden. Bauherrin ist die Rüdnitzer Kirchengemeinde. 670 000 Euro stecken bereits in dem Gotteshaus.

Wertvolle Ausstattung

Auf Grundlage noch erkennbarer Farbmuster erfolgt die Ausmalung, alles abgestimmt mit dem Denkmalschutz. Während die Ornamente aus dem 19. Jahrhundert stammen, ist die Kirche von 1735. In diesem Jahr wurde sie geweiht, die Lüttkemüller-Orgel folgte dann 1883. Für den Ortschronisten ist die Dorfkirche eine der schönsten im Barnim überhaupt. Wäre da nicht die Sache mit den Glocken. Die würde der Heimat- und Landschaftsverein gern wiederhaben. Möglichst aus Spenden. Eine der Glocken ist noch im Turm zu bewundern. 1914 und 1940 aber wurden die anderen abgegeben, wie es in Kriegszeiten üblich war. Wahrscheinlich, um eingeschmolzen zu werden. „Der Glockenstuhl jedenfalls ist für drei Glocken eingerichtet“, so Staude. „Wir haben eine der wertvollsten Kirchen im Barnim“, ist er stolz. Mit der Sandsteinkanzel und der Orgel, die sechs klingende Register aufweist, habe man allen Grund dazu.

Glockengießereien in Lüneburg und Berlin forschen bereits nach Abdrücken der alten Glocken. Diese werden aufbewahrt. Später könnte man damit neue Glocken gießen. „Ich würde sie zu gern zurückholen, und da sehe ich mich auch an der Seite unseres Pfarrers Christoph Brust.“

Mit einem Kalender, den der Verein hergestellt hat und der Historisches aus dem Ort zu berichten weiß, sollen Spenden hereinkommen. So geht es unter anderem um den Männergesangsverein Harmonie, den es seit dem 12. Januar 1882 gibt.

Außerdem nimmt Rainer Staude Hinweise zu den verloren gegangenen Glocken entgegen. Falls jemand noch mehr weiß, sollte er an rainer-staude@t-online.de schreiben.

Dokument: Dieser Schein belegt, dass die Rüdnitzer einmal über drei Glocken verfügten, die als Material 1940 abgeliefert werden mussten. Sie teilten wohl das Schicksal vieler Kirchenglocken in Deutschland.© Foto: Rainer Staude
Märkische Oderzeitung, 04.07.2019
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