09.11.2018  –  Märkische Allgemeine

Grandioses Finale an der Kirche (Rathenow)

Rathenow

Grandioses Finale an der Kirche

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat für die Sanierung der Sankt-Marien-Andreas-Kirche 3,75 Millionen Euro bewilligt. Weil das eine 50-prozentige Förderung ist, werden insgesamt 7,5 Millionen Euro aufgerufen.

Sankt-Marien-Andreas-Kirche
Quelle: Bernd Geske

Rathenow Immer wieder wird von einem Wunder gesprochen. So schwer zu glauben die Botschaft, die immer größere Kreise zieht. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat für die Sanierung der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow einen Zuschuss von 3,75 Millionen Euro beschlossen, hat die Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler (SPD) mitgeteilt.

Schon dieser Betrag erreicht eine beträchtliche Höhe. Das ganze Ausmaß dieser in Aussicht gestellten Zuwendung ist aber erst vollständig zu ermessen, wenn man weiß, dass es sich hier „nur“ um eine Förderung von 50 Prozent der Gesamtkosten handelt. Aufzubringen ist also von den verschiedenen weiteren Beteiligten noch einmal die gleiche Summe, so dass als gesamter zur Verfügung stehender Betrag 7,5 Millionen Euro aufgerufen werden.

Förderzeitraum fünf Jahre

Kleine Entwarnung: Das ganze Geld muss nicht alles im nächsten Jahr aufgebracht und ausgegeben werden. Der Förderzeitraum erstreckt sich über fünf Jahre. Wenn denn aber bis dahin tatsächlich alles Finanzielle und Bautechnische so ablaufen sollte, wie jetzt die Weichen gestellt werden, dann würde im Jahr 2023 die Sanierung der Sankt-Marien-Andreas-Kirche abgeschlossen sein. Kaum zu glauben, was? Das schien doch gestern noch eine Aufgabe für die Ewigkeit zu sein.

Wenige Verantwortliche der Kirchengemeinde hatten schon seit nicht allzu langer Zeit davon gewusst, dass es gute Chancen für eine Bundesförderung gibt. Sie hielten aber streng nach außen dicht, weil niemand von den politisch Beteiligten mitten in der Haushaltsberatung mit etwas Voreiligem überrascht werden sollte.

Dank an Dagmar Ziegler

Es sei die Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler, der man diesen großen Wurf zu verdanken habe, da sind sich Pfarrer Andreas Buchholz und Heinz-Walter Knackmuß, der Vorsitzende des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche, einig. Mehrmals habe sie das Gotteshaus mit eben diesem Ziel besucht und einmal dazu auch Johannes Kahrs mitgebracht, den Sprecher der SPD-Fraktion im Haushaltsausschuss.

Auch die frisch gewählte Bundestagsabgeordnete Dietlind Tiemann (CDU) habe die Kirche besucht und ihre Unterstützung für den Wiederaufbau zugesichert. Dass die beträchtliche Summe von 7,5 Millionen Euro auch mit fundierten Einzelprojekten begründet werden konnte, ist vor allem der Innenraumkonzeption für die Kirche zu verdanken, die die Gemeinde auf dringendes Anraten des Denkmalschutzes 2015 von Fachleuten erarbeiten ließ.

Einzelvorhaben sind klar

Wie Heinz-Walter Knackmuß zusammengestellt hat, sind nun folgende Einzelvorhaben vorgesehen: Einbau von neuen Kreuzgewölben in den Chorraum für 1,7 Millionen Euro. Wiedereinbau eines Teils der früher vorhandenen Emporen für 700 000 Euro. Eine neue Orgel, kostet 830 000 Euro. Neuer Fußboden und eine Heizung für die Kirche, kalkuliert auf 700 000 Euro. Planung für 1,4 Millionen Euro und Mehrwertsteuer 1,2 Millionen.

Wer sich bereits die Frage gestellt haben sollte: Ja, auch der Bau des neuen Gemeindezentrums nahe am Chorraum der Kirche ist bei dem Projekt mit dabei. Kostenpunkt hier 960 000 Euro.

Die Kuh ist noch nicht vom Eis

Total komplett ist die Kuh aber noch nicht vom Eis. Denn die Komplementärfinanzierung von noch einmal 3,75 Millionen Euro muss noch „dargestellt“ werden. Gelingt das nicht, gibt es auch kein grandioses Wiederaufbaufinale. Dann reicht der Bund seinen jetzt gerade beschlossenen Anteil doch nicht aus.

Wie Pfarrer Andreas Buchholz sagt, sind die Rathenower Beteiligten aber hoffnungsfroh, dass das fehlende Geld aufgebracht werden kann. Allein der Förderkreis zum Wiederaufbau der Kirche hat schon wieder gut 400 000 Euro durch Spenden und Mitgliedsbeiträge eingesammelt. Die Kirchengemeinde selbst, die nicht so viel Geld hat, muss einen Anteil leisten und die Landeskirche hat schon eine Beteiligung zugesagt.



Förderkreis und Wiederaufbau

Der Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche ist im September 1996 gegründet worden.
Vorsitzender ist von Anfang an bis heute Heinz-Walter Knackmuß.
Die erste Million Euro an Spenden und Beiträgen hatte der Förderkreis im Sommer 2015 zusammen.
Erster großer Abschnitt war der Wiederaufbau von Turm und Spitze von 1999 bis 2001.
Zweiter großer Abschnitt waren ein neues Dach und Kreuzgewölbe für das Hauptschiff.
1945 brannte die Kirche nach Beschuss aus.
Spendenkonto: DE07 1609 1994 0001 0701 00


Voller Erwartung richten sich nun die Augen aus Rathenow nach Potsdam, ist von Pfarrer Buchholz zu erfahren. Denn es muss das Land sein, das bei dem angezapften Förderprogramm auch einen stattlichen Beitrag leistet. Er müsste bei 2,5 bis 3 Millionen Euro liegen. Das Land „soll, wird und möchte“ auch zahlen, teilt er mit. Nur der verbindliche Beschluss, der sei noch nicht gefasst.

Ausgangspunkt für alles, so erklärt er, sei aber das Geld vom Bund, das nun beschlossen sei. „Dank an alle, Soli Deo Gloria“, jubelt der Pfarrer: „Gott allein sei die Ehre.“

Von Bernd Geske

Märkische Allgemeine, 09.11.2018