31.07.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Heimkehr eines sakralen Kunstwerks: Der frisch restaurierte Taufständer ist zurück in Velten

Das 350 Jahre alte Holzkunstwerk hatte Risse und war mit der Zeit instabil geworden. Nach einer mehrmonatigen Kur bei zwei Restauratoren in Potsdam ist der Taufständer am Freitagvormittag wieder heil in der Evangelischen Kirche Velten gelandet. 

Als die Restauratoren Christiane Thiel und Ralf Broschke aus Potsdam am Freitagmorgen über die Autobahn fahren, ist Vorsicht geboten. Auf der Ladefläche steht der frisch restaurierte Taufständerder Evangelischen Kirchengemeinde Velten. Der kommt zwar aufgrund seines Gewichts von etwa 150 Kilogramm nicht so schnell ins Rutschen. Aber: „Kunstgut zu transportieren, ist immer aufregend“, erzählt Christiane Thiel. Freudestrahlend werden sie von Pfarrer Markus Schütte empfangen, der gleich kräftig mit anfasst. Die Gemeindemitglieder Peter Kurz und Peter Borchert kommen zufällig vorbei und helfen spontan beim Schleppen. „Sie schickt der Himmel“, sagt der Pfarrer.

Rund 150 Kilogramm wiegt der Taufstein. Da müssen alle mitanpacken. Quelle: Robert Roeske

Seit April war das historische Holzkonstrukt in Potsdam. Es war die erste Restauration seit 80 Jahren. „Der Taufständer hatte Risse und Spalten, war instabil und wackelte“, erklärt Schütte. Die Arbeiten waren aufwendig, da mehrere Farbschichten übereinander lagen. Diese wurden nicht abgelöst, sondern vereinfacht gesagt wieder angeklebt. Dabei mussten wiederum die Niveauunterschieden an den schadhaften Stellen berücksichtigt und behoben werden. Am Ende folgte die Vergoldung. Auch das Kreuz auf dem Deckel ist im Zuge der Restaurierung vergoldet worden.1994 hatte es einen Einbruch gegeben, bei dem das Kreuz abgebrochen wurde. Es wurde durch ein bronziertes Kreuz ersetzt. Nun erstrahlt es wieder in Gold. Während der Deckel erst 1939 angefertigt wurde, so entstand die Gesamtkonstruktion 1671. Der Taufständer ist damit sogar noch älter, als die Kirche und muss schon im Vorgängerbauwerk gestanden haben. Gestiftet wurde das sakrale Kunstwerk von Marcus von der Lüttke, Generalmajor des Großen Kurfürsten.

Während das Taufbecken quasi zur Kur war, fanden keine Taufen statt. Wegen der Corona-Pandemie sind jedoch ohnehin alle Taufen und Hochzeiten ins kommende Jahr verschoben worden. Staunend steht der 81-jährige Gerd Gieche aus Velten vor dem Taufbecken. „Hier bin ich als Baby getauft worden“, erzählt er in Gedanken versunken. Auch ein US-Amerikaner, der ebenfalls in Velten getauft wurde, hat über Verwandte von der geplanten Restaurierung erfahren und aus Kalifornien eine überwiesen. Insgesamt kamen in kurzer Zeit so viele Spenden zusammen, dass die Finanzierung in Höhe von 10 850 Euro gesichert war.

Wie lange das Becken in seiner jetzigen Form erhalten bleibt, ist ungewiss. Markus Schütte erklärt: „Es ist ja nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Gebrauchsgegenstand. Und wenn viele Menschen drumherum stehen oder Kinder sich verständlicherweise auf die Kante stellen, um besser sehen zu können, hinterlässt das natürlich Spuren.“ Beim Abendgottesdienst am Sonntag darf der Taufständer wieder von der Gemeinde begutachtet werden.

Von Wiebke Wollek

Märkische Allgemeine Zeitung, 31.07.2020
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