17.01.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

In Riewend wird die letzte unsanierte Kirche rund um den Beetzsee zur Baustelle

Lange ist nichts passiert. Nun beginnen Heimatverein und Kirchengemeinde mit der Rettung des kleinen Gotteshauses in Riewend. Keine Kirche im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg liegt nördlicher.

Die Wände sind hinter einem Gerüst verschwunden, der offene Dachstuhl ist mit Planen überspannt. Holztafeln schützen Empore und Kanzel vor Staub und Schutt. Das am nördlichsten gelegene Gotteshaus im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburgist seit wenigen Tagen eine Baustelle. In Riewend steht die letzte Kirche rund um den Beetzsee, die auf ihre Sanierung gewartet hat.

Kirche und Kulturstätte

Über die Vergangenheit der Riewender Dorfkirche ist nicht viel bekannt. Sie dürfte einmal ein Fachwerkbau mit einem Reetdach gewesen sein. Soweit bekannt, wurde der Kirchensaal 1844 in die heutige Form gebracht. Der Turm stammt von 1718 und trägt zwei Glocken.

Sicherungs- und Sanierungsarbeiten gab es sowohl zu DDR-Zeiten als auch gleich nach der Wende. Dennoch traten im Laufe der Jahrzehnte unübersehbare Schäden im barocken Dachstuhl und im Mauerwerk auf.

Weil sich der Zustand der Dorfkirche weiter verschlechterte, nahm sich der Heimatverein Riewendsee die Sanierung vor. Nach Abschluss der Arbeiten soll die Kirche wieder als Kirche und als Ort für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Der Heimatverein Riewendsee hat ein Spendenkonto mit der IBAN DE 09 1605 0000 1000 8501 76.

„Die Vorbereitungen haben einige Jahre gedauert. Mit den Arbeiten wollen wir dagegen deutlich schneller fertig werden“, kündigte Gertraud Kaufmann, Vorsitzende des Heimatvereins Riewendseegegenüber der MAZ an. Bis zum Jahresende sollen die wesentlichen Abschnitte zur Rettung des Bauwerkes abgeschlossen sein. Der Verein hat die Rolle des Projektsteuerers übernommen, Bauherr ist die Kirchengemeinde Päwesin.

Der Ostgiebel der Riewender Kirche. Quelle: Frank Bürstenbinder

Dazu gehören Zimmererarbeiten am Dachstuhl sowie die Neueindeckung mit vorhandenen und gebrauchten Ziegeln von anderen Baustellen. In einem zweiten Schritt sollen die Dachbalken wieder mit Brettern belegt werden, um anschließend eine geputzte Schilfrohrdecke aufzutragen. „Dabei arbeiten wir eng mit der Denkmalschutzbehörde und der Kirchengemeinde zusammen“, sagte die im Auftrag des Fördervereins tätige Architektin Annemarie Rothe aus Berlin in dieser Woche bei einem Rundgang mit Vereinsmitgliedern.

Viel Geld eingesammelt

Schon seit vielen Jahren existiert die rund 70 Quadratmeter umfassende Decke nicht mehr, die nach der Wende wegen ihres maroden Zustandes ausgebaut wurde. „Unser Ziel ist die Fertigstellung zum Jahresende 2020“, sagte Vereinsvorsitzende Kaufmann. Mit ihren rund 20 Mitstreitern hat Kaufmann rund 160 000 Euro eingesammelt, um die Riewender Kirche wieder dauerhaft nutzbar zu machen.

Gernot Schneider vom Heimatverein unter dem offenen Dachstuhl, der eine neue Eindeckung erhält. Quelle: Frank Bürstenbinder

Der Löwenanteil kommt aus dem Fördertopf der EU für die ländliche Entwicklung. Zuvor hatte die Lokale Aktionsgruppe Fläming-Haveldem Vorhaben im nördlichsten Zipfel von Potsdam-MittelmarkPriorität eingeräumt. Geld kommt auch vom Kirchenkreis, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, der Kommune und privaten Spendern. Selbst der gerade erst gegründete Riewender Feuerwehrverein spendete seinen Erlös vom jüngsten Martinsumzug in Päwesin dem Kirchenbau.

Ökumenische Gottesdienste

„Wir sind über jede Spende dankbar. Denn auch in Zukunft werden wir die eine oder andere Maßnahme an der Kirche vornehmen“, sagte Vereinsvorsitzende Kaufmann. So sind im Innenraum des schlichten, verputzten Innenraums einige Risse zu behandeln, Schäden am Sockelmauerwerk müssen beseitigt werden. Für kirchliche Zwecke kann das Gotteshaus derzeit nicht genutzt werden. Bekannt wurde Riewendin den letzten Jahren vor allem durch seine ökumenischen Gottesdienste, zu denen der Pfarrsprengel Päwesin die katholische Lebensgemeinschaft Fazenda da Esperanca in Riewend und die Buddhistische Klosterschule in Päwesin einlud.

Die vier Bleiglasfenster in der Riewender Kirche wurden nach der Wende eingebaut. Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Mitglieder des Riewender Heimatvereins kommen sowohl aus dem Dorf, wohnen außerhalb oder nennen seit 40 Jahren einen Bungalow am Ufer des Riewendsees ihr eigen. So wie Dagmar und Karl-Heinz Schulze aus Brandenburg. „Wir kennen die Kirche seit DDR-Zeiten. Inzwischen gehört man irgendwie dazu“. Einer der ersten Förderer gleich nach der Wende war der 2010 verstorbene Manfred Priemke, der auch als Retter der Bagower Kirche bekannt ist. Für die Kirche in seinem Geburtsort Riewend spendete er die vier Bleiglasfenster im Kirchenschiff.

Von Frank Bürstenbinder

Märkische Allgemeine Zeitung, 17.01.2020
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Dorfkirche Riewend im Pressespiegel
In Riewend wird die letzte unsanierte Kirche rund um den Beetzsee zur Baustelle 17.01.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung