01.06.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Kirche Töpchin: Die verschollenen Kronleuchter kehren zurück

Der Kronleuchter wird zum 125. Geburtstag der Kirche in Töpchin wieder an seinem Platz hängen. Das ist vor allem Silke Förster und ihrer Familie zu verdanken. Quelle: Andrea Müller

Die lange als verschollenen geglaubten Kronleuchter aus der Töpchiner Dorfkirche kehren an ihren Platz zurück. Bis zum 125. Geburtstag des Gotteshauses am 8. September soll zunächst einer wieder die Kirche erleuchten. Für die Restaurierung des zweiten Kronleuchters werden zurzeit noch Sponsoren gesucht.

Der zweite Kronleuchter soll später mit Hilfe von Sponsoren wieder in Ordnung gebracht werden. Quelle: Andrea Müller

Als die Kirche im Jahr 1894 eingeweiht wurde, seien sehr viele Gegenstände von großzügigen Sponsoren gespendet worden. Damals seien auch die beiden Kronleuchter von den wohlhabenden Familien Maecker und Stolzenberg gestiftet worden. So erzählt es zumindest Silke Förster, die viele Jahre die Ortschronik in Töpchin führte, vergangenes Jahr aber ihr Amt niederlegte. Grund dafür war die Ablehnung der Kostenerstattung in Höhe von 200 Euro pro Jahr für Aufwendungen in diesem Amt. 

Töpchiner glaubten sie verloren

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wuchs die Sorge um die kostbaren Kronleuchter. Sie hätten durch Kampfhandlungen, Bombardierung, Plünderung oder Raub zerstört werden können. „Was damals dann passiert ist, wissen wir nicht ganz genau“, so Silke Förster. Fakt ist, dass sie nach dem Krieg verschollen waren. Die Töpchiner hätten viele Jahre geglaubt, dass sie für immer verloren seien.

Kirche aufgeräumt

Doch im Zusammenhang mit der 100-Jahr-Feier der Kirche in den 1990er Jahren sei das Gotteshaus mitten auf dem Dorfanger aufgeräumt worden – und zwar von Kopf bis Fuß. „Dabei haben wir eine alte Munitionskiste gefunden, in der die Einzelteile der Kronleuchter lagen“, erzählt die einstige Ortschronistin. Der Fund sei wie ein Wunder gewesen nach all den Jahren.

Zweites Mal in Vergessenheit geraten

Die Kronleuchter aber – sie gerieten ein weiteres Mal in Vergessenheit. Nach dem Fund sei alles der Kirche übergeben wurden, die sie ihrerseits eingelagert haben soll mit dem Vorhaben, sie für die Kirche restaurieren zu lassen. Das Vorhaben ruhte, bis 2016 durch eine Postkarte von 1930 die Sprache auf die Kronleuchter kam, die darauf abgebildet waren. „Dadurch erfuhr ich, dass sie in einem Schuppen liegen“, so Förster. Sie sei entrüstet und traurig gewesen über den Zustand dieser beiden Kostbarkeiten, die noch immer in jener Munitionskiste lagerten: In Einzelteile zerlegt, ohne jeden Glanz.

Kontakt zu den Maecker-Enkeln

Silke Förster nahm sich nun ihrer an und suchte Kontakt zu den Nachfahren der Sponsoren. „Ich wusste, dass es zwei Enkel von Maecker gibt“, sagt sie. An die habe sie sich gewandt und ihnen berichtet, was sie in der Munitionskiste vorgefunden habe. Zugleich sei der Kontakt zum Gemeindekirchenrat aufgenommen worden, um die Restaurierung der Kronleuchter auf den Weg zu bringen. Kostenvoranschläge wurden eingeholt. 1800 Euro sollte die Restaurierung kosten. Für einen Kronleuchter! Allein die Reinigung und Polierung hätte rund 900 Euro an Kosten verursacht.

Sortiert, nummeriert, dokumentiert

Seitens der Maecker-Enkel wurde finanzielle Unterstützung zugesichert. Dennoch überlegte Familie Förster, wie man vielleicht Teilarbeiten bei der Restaurierung selbst übernehmen könnte. Zunächst wurde alles sortiert, nummeriert, dokumentiert und anschließend gereinigt. Dabei sei festgestellt worden, dass nicht mehr alle Teile der beiden Kronleuchter vorhanden waren. „Einige Leuchtenteller waren bereits mit Konservendeckeln ersetzt worden“, so Silke Förster. 

Puzzle in 3D

Nach langem Hin und Her wurde dann enschieden: Aus Zwei mach Eins. Kai Förster hat diese Arbeit bewerkstelligt. Es sei wie ein gigantisches Puzzle in 3D gewesen, denn solch ein Kronleuchter setzt sich aus insgesamt 140 Einzelteilen zusammen. Gereinigt wurde mit speziellem Messingbad, die Polierarbeiten seien für die größeren Teile mit Maschine erfolgt, für die Vielzahl der Kleinteile allerdings per Hand.

Ein Jahr daran gearbeitet

Ein Jahr hat das bis dato gedauert – und die Arbeiten sind noch immer nicht abgeschlossen. Bis zum Kirchen-Jubiläum im September soll ein Kronleuchter aber fertiggestellt sein und wieder an seinem Platz die Kirche erhellen. Für den zweiten Leuchter braucht es nun zahlreiche Ersatzteile und für deren Beschaffung Sponsoren. „Wir hoffen, dass der nun wieder glänzende Kronleuchter dazu führt, dass die Leute bereit sind, Geld für die Restaurierung des zweiten Leuchters zu geben“, formuliert es Silke Förster. Jan Priemer, der bislang Ortsvorsteher war und wieder in das Gremium gewählt wurde, unterstützt das Ansinnen.

Aus Dank etwas an die Gemeinde zurück geben

Gemeinsam mit ihrem Mann hat Silke Förster den einen Kronleuchter ehrenamtlich und ohne jede Bezahlung in Ordnung gebracht. „Ich möchte so der Gemeinde etwas zurück geben und Danke sagen für das, was ich selbst bekommen habe“, meint sie. Die zugesagte finanzielle Unterstützung der Maecker-Erben könnte nun der Anfang für die Wiederherstellung des zweiten Kronleuchters sein.

Kronleuchter als Stück der Heilung

Pfarrer Tilemann Wiarda, der die jüngste Geschichte der Kronleuchter mit begleitet hat, wird bei ihrer Begrüßung aus Anlass des 125. Kirchen-Geburtstages nicht mehr dabei sein. Er hat die Gemeinde verlassen. Dennoch freut ihn die Wiederkehr dieses Glanzes für die Kirche in Töpchin. „Sie sind ein Stück der Wiederherstellung von etwas, das lange Zeit gefehlt hat, aber wie die Kirche selbst mitten ins Dorf gehört“, sagt er. Wie die bereits wieder hergestellte Orgel symbolisierten auch die Kronleuchter ein Stück der Heilung dessen, was im Krieg zerstört wurde.

Die Kirche heute: Über den ersten Bänken soll einer der Kronleuchter zum 125. Geburtstag der Kirche in Töpchin wieder an seinem Platz hängen. Quelle: Andrea Müller
Märkische Allgemeine Zeitung, 01.06.2019
Die Orgel der Dorfkirche Hohennauen wird saniert 20.06.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Carziger Kirche ist kulturelles Zentrum 18.06.2019 · Märkische Oderzeitung
Lebusa – Hochgenuss mit ländlichem Flair 17.06.2019 · Lausitzer Rundschau
Havelberg – Nicht jeder Dom ist auch Kathedrale 12.06.2019 · Märkische Oderzeitung
Auftakt des Musiksommers in Kleinbeeren 11.06.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung