11.11.2019  –  Märkische Oderzeitung

Langersehnte Premiere für Hoppegartener Orgel

„Fahrradkantor“ in Aktion: Beim festlichen Gottesdienst am Sonntagnachmittag zur Wiederinbetriebnahme des Instruments spielte der Kirchenmusiker Martin Schulze, der auch Orgelsachverständiger für die Region ist und die Sanierung begleitet hat.© Foto: Thomas Berger

Wie lange genau sie außer Betrieb war? Das vermochte auf die Frage von Pfarrerin Karin Bertheau auch beim Gottesdienst am Sonntagnachmittag niemand zu sagen. Aber Petra Schreiber konnte sich zumindest erinnern, dass das Instrument bei ihrer Trauung 1989, also vor drei Jahrzehnten, noch erklungen sei. Nach einer „fachärztlichen Intensivbehandlung“ durch die Eberswalder Orgelwerkstatt geht es dem „Patienten“ auf der Empore der Hoppegartener Dorfkirche nun aber wieder gut. Wie gut, das stellte Martin Schulze eindrucksvoll bei den ausgewählten Stücken am Sonntag unter Beweis, die zusammengenommen gewissermaßen die gesamte klangliche Bandbreite des Instruments vorstellten.

Immerhin sind es nur drei der ursprünglich fünf Register, die heute noch vorhanden sind, wie Harry Sander von der Orgelwerkstatt erklärte. Die übrigen Pfeifen sind möglicherweise in Folge des Krieges verschwunden, mutmaßt er, genauere Erkenntnisse gibt es auch dazu nicht. Immerhin hat der Fachmann aber sogar konkrete Vermutungen, um welche Register es sich gehandelt haben könnte.

Instrument ist schon sehr alt

Belastbarer Fakt ist – bei der Hoppegartener Orgel handelt es sich um eine betagte Vertreterin ihrer Art, aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammend. Und von der damals durchaus renommierten Eberswalder Firma eingebaut, deren Dienste bis hinauf in die Uckermark und das angrenzende südliche Vorpommern sowie den Berliner Raum gefragt waren, wie Martin Schulze als historischen Verweis beisteuerte. Ein seit 1851 bestehendes Traditionsunternehmen.

Kirchenmusiker Schulze, in Frankfurt ansässig, ist vor allem als „Fahrradkantor“ vielen Menschen ein Begriff. Allerdings ist er auch der regionale Orgelsachverständige, war derjenige, der das Instrument zur ersten Schadenaufnahme in Augenschein nahm und kürzlich auch die Abnahme nach dem Sanierungseinsatz absolvierte. Die kleinste der momentan 189 Pfeifen des Instruments, bestehend aus Holz oder Orgelmetall, ist nur wenige Zentimeter, die größte zweieinhalb Meter lang, sagte er in seinen Ausführungen. Nachdem er in den 1980er-Jahren mal als Lehrling in Hoppegarten war und nur noch ein Rudiment vorfand, freue er sich heute selbst, wie gut die Orgel wieder erklinge.

Großen Anteil daran, dass dies möglich wurde, hatte die Jagdgenossenschaft, die mit ihrer Ankündigung einer Spende seinerzeit durch Sylvia Seefeld den Anstoß gab. Pfarrerin Karin Bertheau entschuldigte sich rückblickend für ihre etwas schroff-ablehnende erste Reaktion seinerzeit mit der Bemerkung, dass Hoppegarten doch sicher drängendere Probleme als dieses habe. Bald habe sie aber gemerkt, welchen Stellenwert der Wunsch einer wieder klingenden Orgel, auch zur musikalischen Verkündigung, im Ort hat.

Petra Schreiber nutzte die Gelegenheit, nicht nur den Jagdgenossen für deren wichtigen Grundstock am finanziellen Gesamtaufkommen zur Deckung der etwa 4200 Euro zu danken. Besonders hob sie Hans Becker hervor, der zudem die Initiative gestartet hatte, dem Nebengebäude auf der Kirchwiese hinten mit einem Dach einen kleinen Unterstand für Open-Air-Aktionen zu verschaffen. Siegbert Müller brachte sich da ebenfalls mit Ideen, Material und Einsatz ein, und auch Hans-Jürgen Wolf wurde in diesen Dankesreigen einbezogen.

Volkslieder im Unterstand

Eingeweiht wurde der neue Unterstand von den Bläsern gleich im Anschluss an den Gottesdienst mit einigen Volksliedern. Und wie Petra Schreiber dieser Zeitung sagte, werde er auch am vierten Advent, wenn in Hoppegarten vorgezogen ein kleines Krippenspiel in Verbindung mit Grillen auf der Wiese stattfindet, zum Einsatz kommen können.

In ihrer Predigt an diesem drittletzten Sonntag des Kirchenjahres, ausgehend von einer Passage des Lukasevangeliums, ging Pfarrerin Bertheau auf die Herausforderungen ein, die Aufforderung „Liebe deine Feinde“ auch in die menschliche Alltagspraxis umzusetzen. Zumindest auf ein respektvolles Miteinander ziele das ab. Und gerade angesichts aktueller Umstände vieler Konfrontationen sei es schon wichtig, überhaupt einander genau zuzuhören.

Märkische Oderzeitung, 11.11.2019
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