20.11.2020  –  Märkische Oderzeitung

Sanierung der Bad Belziger Briccius Kirche vor Vollendung

Die Restaurierungs- und Auffrischungsarbeiten in der Briccius Kirche schreiten voran.

20. November 2020, 17:00 Uhr•Bad Belzig
Von Bärbel Kraemer

Thomas Kruse vom Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V. ist für die Sanierung der Kirche und der Ausstattungsstücke verantwortlich. © Foto: Foto: B. Kraemer

Das Himmelblau, welches den Altar und die Kanzel in der Bad Belziger Bricciuskirche bisher dominierte, ist auf dem Rückzug. Stattdessen erstrahlen die bedeutendsten Einrichtungsstücke des Kirchleins von Tag zu Tag mehr in den Farbtönen, die sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhielten.

Altar und Kanzel fast vollendet 

Auch die Vergleiche mit alten Ansichten offenbaren, dass Altar und Kanzel ihrer Vollendung entgegen sehen – verloren gegangene oder kaputte Säulen, Kapitelle und Obelisken sind nachgeschnitzt und dort eingesetzt, wo sie vor Jahren abhanden gekommen waren.„Da steckt schon sehr viel Arbeit drin und es erfordert noch sehr viel Arbeit“, sagt Thomas Kruse vom Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V., der für die Sanierung der Kirche und der Ausstattungsstücke verantwortlich zeichnet.

Vier neue Obelisken eingezogen

Jeder kleine Fortschritt sorgt bei den Vereinsmitgliedern für Freude. Dieser Tage brachte Michael Zierenberg von der Firma Stilvollholz in Werder – dort werden vom Holzwurm zerfressene oder verlorene gegangene Teile nachgeschnitzt und aufgearbeitet – vier neue Obelisken. „Auf alten Fotografien aus der Kirche waren sie noch zu erkennen“, erzählt Kruse. Zwischenzeitlich haben auch diese vier Obelisken durch das Team des Bad Belziger Restaurators Udo Drott einen Farbanstrich erhalten und sind wieder auf dem Altaraufsatz platziert.

Reinigung der Altarbilder abgeschlossen

Abgeschlossen ist die Reinigung der Altarbilder. Fast abgeschlossen sind die Arbeiten an der alten/neuen Farbgebung des Altars. In mühsamer Kleinarbeit musste das Himmelblau – von dem niemand so recht  wusste, warum man sich ehemals für diese Farbgebung entschied – vom Holz „abgewaschen“ werden. Ein Wort, dass den Kern nicht trifft. Mit kleinen Schwämmchen musste die alte Farbe vorab sorgsam angefeuchtet werden.

Arbeit erfordert Zeit und Feingefühl

Dabei galt es aufzupassen. Hätte man zuviel Wasser verwendet, wäre die darunter liegende Farbgebung zerstört worden. Erst danach konnten die neuen Farbtöne nach altem Vorbild angerührt und mit ihnen die Malereien aufgefrischt werden. „Es war eine sehr friemelige Arbeit“, so Thomas Kruse über die Arbeit der Restauratoren, die eine äußert ruhige Hand und ein sicheres Auge erfordert. Das Ergebnis sorgt schon jetzt für Aufsehen. Die Ausmalung der Kirche und die Farbgebung der Prinzipalien wirken, wie Thomas Kruse es treffend beschriebt, „wie aus einem Guss.“

Ausgefeiltes Farbkonzept von vor 100 Jahren

Da ist das Grau aus dem Altar, dass sich in der Kirchendecke, aber auch in den Malereien an der Empore wieder findet. Oder das Grün, dass sich in den Kirchenbänken wieder spiegelt. „Man hat sich viele Gedanken gemacht, als diese Kirche vor über 100 Jahren ausgemalt wurde“, sagt Thomas Kruse und ist sich sicher, dass die Kunstmaler von damals eine Art Farbkonzept für die Bricciuskirche entwickelt hatten.

Restauratoren widmen sich der Kanzel

Während die Arbeiten am Altar so gut wie fertig sind, widmen sich die Restauratoren jetzt der Kanzel. Die Schwämmchen-Tupferei geht also weiter. Bis zum Jahresende soll die Restaurierung komplett abgeschlossen sein. „Wenn das Wetter mitspielt“, so Kruse. Er hofft auf milde Tage und erklärt, dass die Farben eine gewisse Verarbeitungstemperatur erfordern. Bis es soweit ist, bleibt die schwere Kirchentür für Besucher weiter geschlossen.

Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V. sehr aktiv 

Rund 35.000 Euro bringt der Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e.V., der in den vergangenen Jahren bereits für die Innen- und Außensanierung der Kirche verantwortlich zeichnete, über Spenden für die Restaurierung der bedeutendsten Einrichtungsteile der Kirche auf.

Historie

Im 14. Jahrhundert ließen die Herzöge von Sachsen-Wittenberg vor den Toren der Burg Eisenhardt die Bricciuskirche errichten. Aus dem 17. Jahrhundert stammen der Anbau des Altarraumes und die Emporen sowie der Altar und die Kanzel. Die damals erfolgten Arbeiten stehen alten Dokumenten zufolge im Zusammenhang mit den Schäden, die der Kirchbau infolge des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) erfuhr. Die aufwendige Innenausmalung erfolgte in den Jahren 1905/06. Nach ihrem Vorbild wurde bereits das Kircheninnere restauriert und erhalten jetzt auch Altar und Kanzel die damals gegebene Farbgebung zurück.

Märkische Oderzeitung, 20.11.2020
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