12.01.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

So wird das Wagenitzer Gotteshaus zur Hochzeitskirche

Umfangreiche Sanierungsarbeiten sind in den vergangenen Monaten an der Wagenitzer Dorfkirche erfolgt. Dabei werden im wahrsten Sinne des Wortes neue Wege beschritten.

Pfarrer Michael Jurk (r.) und Bauingenieur Ingo Dreger an der neuen Tür, die ins Kirchenschiff führt.

Pfarrer Michael Jurk (r.) und Bauingenieur Ingo Dreger an der neuen Tür, die ins Kirchenschiff führt. Quelle: Andreas Kaatz

Bei Wilfried Fürstenow kommen die alten Erinnerungen hoch, wenn er die Wagenitzer Kirche nach dem Umbau sieht. Denn nunmehr gelangt man wieder durch den Turmeingang in das Kirchenschiff, nachdem dies jahrzehntelang nicht möglich war. „1956 bin ich hier noch durchgelaufen. In dem Jahr wurde ich konfirmiert“, sagt Fürstenow.

Wenige Jahre später kam man nur noch durch den Seiteneingang ins Gotteshaus. „In den 60er-Jahren hat man entschieden, eine Winterkirche zu schaffen“, sagt Bauingenieur Ingo Dreger. Die Folge: Der alte Durchgang wurde verschlossen und vor der zweiflügligen Holztür eine Ziegelwand errichtet.

Echter Hausschwamm

So konnte der Raum davor im Turm fortan nur noch als Abstellfläche genutzt werden. Nun ist der Weg wieder frei. „Wir hatten hinter der Wand echten Hausschwamm vorgefunden. Das Holz war total kaputt, aber die Beschläge und das Schloss aus dem 18. Jahrhundert waren noch da. Wir haben das Tor komplett nachbauen lassen“, sagt Dreger.

Die Kirche Wagenitz wurde auch schon neu verputzt.

Die Kirche Wagenitz wurde auch schon neu verputzt. Quelle: Andreas Kaatz

Auch Pfarrer Michael Jurk ist froh über die Veränderungen. „Den Umbauarbeiten lag das Konzept einer Hochzeitskirche zugrunde“, sagt er. Somit können Brautpaare künftig wieder vom Turmeingang direkt auf den Altar zugehen. Selbst Anfragen aus Berlin zu Trauungen habe man in der Vergangenheit schon erhalten. Das inspirierte die Wagenitzer dann auch mit zu der Idee, die Eingangssituation zu verändern. Positiv außerdem: Der Zugang zur Kirche ist nunmehr barrierefrei.

Dielen wurden ausgebaut

Die Winterkirche wird es an der gewohnten Stelle auch künftig geben, und sie bleibt beheizbar. Baulich hatte sich in dem Raum aber in den vergangenen Monaten ebenfalls eine Menge getan. So sind die Dielen verschwunden und der Steinfußboden ist wieder zum Vorschein gekommen. Die historischen Ziegel wurden komplett aufgenommen, defekte durch neue aus der Glindower Ziegelei ersetzt, und anschließend alles wieder verlegt. So wie es letztlich in der ersten Umbauphase der Kirche Mitte des 18. Jahrhunderts war.

Zudem wurde in der Winterkirche die Decke von den „Sauerkohlplatten“ befreit und zwischen den alten Balken eine Dämmung eingezogen. Die teils gläserne Abtrennwand zum Kirchenschiff hin kam wieder an ihre alte Stelle. Im Fußboden gibt es zudem eine Besonderheit. Dort ist nämlich eine kleine Grabplatte eingearbeitet – wo offenbar in der Vergangenheit ein Kind beerdigt worden war, wie aus der Inschrift hervor geht. Den kleinen Sarg hat man jedoch nach Absprache mit der Denkmalpflege unberührt gelassen.

Weitere Fenster erneuert

Nachdem bereits 2001 ein Großteil der Fenster im Kirchenschiff ausgetauscht worden war, sind jetzt weitere fünf Fenster erneuert worden, die „barockisierend nachgebaut wurden“, wie Dreger sagt. Geld dafür haben nach einem Aufruf des Fördervereins unter anderem die Dorfbewohner gegeben. Pfarrer Jurk ist über das Engagement erfreut. „Darunter sind auch viele Leute, die nicht in den Gottesdienst kommen, denen aber die Kirche immer wichtig war. Schön, dass es solche Menschen gibt“, sagt er.

Der Bereich der Winterkirche hat jetzt wieder einen Steinfußboden, die Dielen wurden ausgebaut.

Der Bereich der Winterkirche hat jetzt wieder einen Steinfußboden, die Dielen wurden ausgebaut. Quelle: Andreas Kaatz

Noch wird es etwas dauern, bis das erste Hochzeitspaar durch den neuen Eingang auf den Altar zuschreitet. „Frühestens im Herbst wird das der Fall sein“, schätzt Andreas Flender von der Kirchengemeinde Havelländisches Luch. Denn momentan gleicht das Kirchenschiff noch einer großen Holzwerkstatt. Dort werden die alten Särge der Bredows restauriert. Wenn die Sanierung der Gruft unter der Kirche abgeschlossen ist, dann werden sie wieder dorthin umziehen. Vorher soll auch noch der Eingangsbereich zur Gruft an der Ostseite der Dorfkirche gestaltet werden.

Dachstuhl wurde repariert

Viel Geld ist aber auch schon in einen Bereich geflossen, den der Kirchenbesucher gar nicht sieht – nämlich in den Dachstuhl. So haben Zimmerleute im vergangenen Jahr Tragebalken herausgeschnitten und durch neue ersetzt. „Wir haben uns gesagt: Es hilft nichts, wenn wir unten alles schön machen und oben das Dach einfällt“, sagt Andreas Flender. „Wir hoffen jetzt, dass es wieder die nächsten zwei Generationen hält.“ Zuvor war man mit einer Begasungsaktion dem Holzwurm zu Leibe gerückt, auch die Fassade wurde neu verputzt.

Beeindruckt ist Ingo Dräger davon, wie sorgsam frühere Generationen mit der Wagenitzer Kirche umgegangen sind. „So haben sie beispielsweise ständig die Torschlösser gepflegt, die aus dem 18. Jahrhundert stammen.“ Damit diese auch künftig funktionieren, wurden die drei Schlösser jetzt von einer Spezialfirma wieder aufgearbeitet. „Wir haben an der Kirche schon viel geschafft, wenn auch noch nicht alles“, sagt Pfarrer Michael Jurk zufrieden.

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine Zeitung, 12.01.2021
Zur Kirche
Dorfkirche Wagenitz im Pressespiegel
So wird das Wagenitzer Gotteshaus zur Hochzeitskirche 12.01.2021 · Märkische Allgemeine Zeitung
Wagenitz – Wo der Gewandmeister des Alten Fritz seine letzte Ruhe fand 07.09.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Die Gruft der Bredows in Wagenitz wird saniert 25.02.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung
Neue Balkenköpfe für den Kirchen-Dachstuhl in Wagenitz 09.09.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung
Die Preisträger des „Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2012“ 16.06.2012