30.11.2020  –  Evangelischer Pressedienst

Spendenkampagne für „Vergessene Kunstwerke“ gestartet

Brandenburg ist, was seine alten Dorfkirchen angeht, „steinreich“. Seit Jahren werden mit der Aktion „Vergessene Kunstwerke“ dafür Gelder gesammelt.

Potsdam (epd). Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) hat zum Auftakt der zwölften Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe“ zum Erhalt von Sakralkunst aufgerufen. Die zahlreichen Kirchen, Kapellen, Klöster und Pfarrhäuser im Land seien Teil der Kulturgeschichte und stifteten für viele Menschen unabhängig vom eigenen religiösen Bekenntnis Identität, erklärte Schüle am 27. November in Potsdam. Dabei lobte sie die zahlreichen Vereine, Förderkreise und Freiwilligen, die sich für den Erhalt historischer Bausubstanz einsetzten. Viele dieser Kleinode wären ohne dieses Engagement nicht zu erhalten, betonte die Ministerin.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Spendenaktion steht der Erhalt des Renaissancealtars in der Dorfkirche Schönfeld in der Uckermark. Ziel sei es, den vom Holzwurm befallenen, verschmutzten und beschädigten Altar umfassend zu restaurieren, erklärte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Christian Stäblein.

Die Dorfkirche Schönfeld wurde im 13. Jahrhundert als Feldsteinkirche errichtet und später baulich verändert. Der Schnitzaltar stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert aus einer unbekannten Werkstatt in Prenzlau. Anfang der 1990er Jahre wurde die Kirche von außen vollständig restauriert.

Auch Stäblein dankte Geldgebern und Ehrenamtlichen für ihren Einsatz. Kirchgebäude seien in vielen Orten identitätsstiftend – „und das weit über die religiös oder kirchlich gebundenen Gruppen hinaus“. Zudem seien sie Zeugnisse lebendigen Glaubens: „Sie leben davon, dass in ihnen und um sie Gemeinschaft lebendig bleibt“, betonte der Landesbischof.

Die Spendenaktion wird vom Landesdenkmalamt, von der EKBO sowie vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg ausgerichtet. In den vergangenen Jahren kamen insgesamt rund 200.000 Euro für sakrale Kunstwerke zusammen. Im vergangenen Jahr wurden den Angaben zufolge rund 11.000 Euro für die Sicherung von Epitaphien und weiteren Zeugnissen des Totengedenkens aus der Dorfkirche in Groß Jehser/Jazory (Kreis Oberspreewald-Lausitz) gesammelt.

Brandenburgs Landeskonservator Thomas Drachenberg betonte, der Altar in der Schönfelder Dorfkirche müsse dringend gesichert werden. Er erzähle von der Glaubens- und Lebenspraxis in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in einem uckermärkischen Dorf. Diese Erzählungen müssten auch kommende Generationen sehen, bestaunen und genießen können, so Drachenberg.

Farbenpracht und Bildsprache machten den Schnitzaltar zu einem ungewöhnlichen sakralen Kunstwerk, hieß es weiter. Allerdings leide der hölzerne Altar seit Jahrzehnten unter erheblicher Verschmutzung, abgeplatzten Malschichten und Verlusten seiner Substanz.

Schüle nannte mit Blick auf das freiwillige Engagement den Denkmalschutz eine der größten Bürgerbewegungen in Brandenburg. Deshalb werde die Hilfe zur Sicherung und Sanierung von bedrohten Gebäuden im kommenden Jahr um 370.000 Euro auf 1,87 Millionen Euro aufgestockt.

Laut Förderkreis Alte Kirchen stehen in mehr als 1.500 brandenburgischen Dorfkirchen zahlreiche Kunstwerke, die gesichert und restauriert werden müssen. Der Förderkreis ist der Dachverband von 300 lokalen Kirchenbauvereinen.

Evangelischer Pressedienst, 30.11.2020
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