02.11.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Vor 750 Jahren starb Pater Wichmann in Neuruppin

Er gründete mit seinem Bruder das Dominikanerkloster in Neuruppin und stand diesem viele Jahre als erster Prior vor. 1270 starb Pater Wichmann in Neuruppin. Mit einem Festgottesdienst in der Klosterkirche erinnerte die evangelische Gemeinde an seinen 750. Todestag.

Als „Lächelnder Heiliger der Mark“ wird Pater Wichmann bezeichnet. In der Priesternische der Klosterkirchesteht das Standbild eines Dominikaners aus Sandstein, das ihn – so wird vermutet – im Mönchsgewand darstellt. Zum 750. Todestag Wichmann von Arnsteins fand am Sonntag in der Klosterkirche ein Festgottesdienst statt. 

Als Propst des Prämonstratenserstifts „Unser Lieben Frauen“ in Magdeburgsowie als späterer erster Prior des von ihm und seinem Bruder Gebhard gegründeten Dominikanerklosters in Neuruppin war er eine herausragende Persönlichkeit seiner Zeit.

Pater Wichmann förderte den Ausbau der Stadt

„Dabei hat er einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Stadt Neuruppin beigetragen“, sagte Pfarrer Thomas Klemm-Wollny am Sonntag in seiner Predigt. Der Pater förderte den Ausbau der Stadt sowie der Herrschaft Ruppin. Mit seinem Wissen stand er den Bürgern mit Rat und Tat zur Seite.

Den Neuruppinern ist er allerdings heute vor allem durch die volkstümlichen Geschichten bekannt, die über ihn erzählt werden. So soll er den Neuruppiner See zu Fuß überquert haben und „Gott schickte es, dass das Wasser fest und gangbar wurde und er glücklich und wohlbehalten im Kloster ankam“, heißt es in der Legende.

Die Klosterkirche in Neuruppin.

Die Klosterkirche in Neuruppin. Quelle: Peter Geisler +491709009814

Einer weiteren Sage nach soll ein Wels auf seinen Befehl hin freiwillig aus dem See in die Pfanne des Klosterkochs gesprungen sein, als die Vorräte der Klosterküche nicht reichten. Auch nach seinem Tode soll er noch einige Male als Geist in einer von weißen, kopflosen Pferden gezogenen Kutsche gesehen worden sein. 

Geboren wurde Pater Wichmann um 1185 in Sachsen, 1270 starb er in Neuruppin. Bis zu seinem Tod stand er dem Kloster vor und war dessen erster Prior.

Im Mittelpunkt der feierlichen Andacht standen seine Gedanken zur Liebe als Ursprung und Ziel allen menschlichen Seins. Gedanken, die er der Nachwelt in seinen Traktaten überlieferte. Seine Überlegungen haben auch heute erstaunliche Gültigkeit: Wie will ich als Mensch leben in der Beziehung zu mir, zu meinen Mitmenschen und zu Gott und der Welt?

Betrachtungen die gerade in der heutigen Zeit wieder aktuell sind, wenn Busfahrer verprügelt werden, weil sie einen Fahrgast bitten die Maske aufzusetzen.

Die Wichmann-Linde am Ruppiner See.

Die Wichmann-Linde am Ruppiner See. Quelle: Henry Mundt

„Wir leben in einer Zeit, in der wir uns die Welt Untertan machen, koste es was es wolle“, sagte Klemm-Wollny. „Mehr Bescheidenheit dem Leben gegenüber, dies stünde uns nicht schlecht an.“

Pater Wichmann stellte sich immer wieder die Frage, wie man als Mensch leben sollte. Gedanken, die auch der Universalgelehrten Hildegard von Bingen nicht fremd waren und mit deren Gesängen die Kirchenmusikerin Juliane Felsch Grunow zu einem eindrucksvollen Festgottesdienst beitrug.

Eine musikalische Andacht, die für den Nachmittag auf dem ehemaligen Klostergelände hinter der Kirche geplant war, wurde leider abgesagt. An der Wichmannlinde sollte von der Ruppiner Kantorei unter anderem ein von Lothar Graap komponiertes Werk über die Wunderwerke Wichmanns aufgeführt werden. Diese Uraufführung wurde nun erst einmal verschoben und kann hoffentlich bald nachgeholt werden.

Von Cornelia Felsch

Märkische Allgemeine Zeitung, 02.11.2020
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