21.03.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Waldameise krabbelt wieder auf Kirchhof in Langnow

Der Standort ist untypisch, aber beliebt. Die Waldameise fühlt sich auf dem Kirchhof in Langnow wohl. Nicht alle mögen das. 2019 wurde der Hügel zerstört. Jetzt kehrt dort neues Leben zurück.

Kaum steigen die Sonne und Temperaturen wieder höher, ist auch die Winterruhe bei den Waldameisenbeendet. Auf dem Kirchhof in Langnowist das große Krabbeln zu beobachten.

Waldameise lebt in Sichtweite zur Kirche 

Und das erfreut auch Rainer Boddin aus Langnow. Der 72-Jährige hat seit 2013 die Schlüsselgewalt über die kleine Fachwerkkirche, kümmert sich um Ordnung und Sauberkeit rund um das Gotteshaus. Gleichzeitig beobachtete er, wie dort im Laufe der Jahre ein Waldameisenhügel der Gattung Formica wuchs. 

Der Hügel wuchs immer weiter, dann kam ein schwarzer Tag

„2013 hatte ich den Hügel auf dem Kirchhof entdeckt, damals war er vermutlich vier Jahre alt“, erinnert sich Rainer Boddin. 2019 wies der Hügel bereits eine stattliche Höhe von 60 Zentimeter auf. „Leider wurde der Ameisenhügel im vergangenen Sommer zerstört, mutmaßlich durch Menschenhand“, so Boddin. Und das, obwohl die Waldameise unter Naturschutz steht. Jetzt ist die Freude ganz seinerseits. „Vor einer Woche habe ich gesehen, dass neues Leben in den Ameisenhügel zieht“, sagt er.

Das große Krabbeln in Langnow: Waldameisen der Gattung Formica stehen unter Naturschutz. Quelle: Christamaria Ruch

Ameisen finden alles, was sie brauchen

Rainer Boddin weist darauf hin, dass es sich bei der Lage auf dem Kirchhof um einen für Ameisen untypischen Standort handelt. Denn diese Tiere leben zumeist an gut besonnten Stellen am Waldrand von Laub- oder Nadelwäldern. „Rund um Langnow kenne ich vier Ameisenhügel im Kiefer- und Fichtenwald“, sagt er. Auf dem Kirchhof des Rundlingsdorfes wächst der Ameisenhügel neben einer Eibe und mehrere Meter von einer Linde entfernt. „Wahrscheinlich haben die Ameisen hier alles, was sie brauchen“, mutmaßt Boddin. 

Auf dem Kirchhof in Langnow fühlen sich die Waldameisen wohl. Quelle: Christamaria Ruch

Die alte Linde bietet den kleinen Krabblern Honigtau als Hauptnahrungsquelle. Darüber hinaus ernähren sich die Tiere von Insekten und anderen Kleintieren. „Durchschnittlich leben eine Millionen Ameisen in einem Hügel“, sagt er.

Einwohner sollen sensibilisiert werden

Rainer Boddin nahm Kontakt mit der Gemeinde Groß Pankow auf, denn die Waldameise soll eine bessere Zukunft als bisher haben. „Wir unterstützen das, denn die Tiere stehen unter Schutz“, sagte Bauamtsleiter Karsten Lehmann auf Nachfrage der MAZ. Mitarbeiter des Bauhofes sollen nun regelmäßig die Lage beobachten. „Außerdem wird ein Handzettel entworfen, der dann an die Einwohner verteilt wird. Dabei soll auf den Schutz hingewiesen und an den gesunden Menschenverstand appelliert werden“, sagte Karsten Lehmann.

Von Christamaria Ruch

Märkische Allgemeine Zeitung, 21.03.2020