15.11.2005  –  Märkische Allgemeine

Wandmalerei in Waltersdorf wieder entdeckt

Wandmalerei wieder entdeckt

Kirchensanierung förderte auch faszinierende Emporenfenster zutage

FRANK PECHHOLD

WALTERSDORF Mittelalterliche Wandmalerei wurde bei derSanierung der Feldsteinkirche im Schönefelder Ortsteil Waltersdorf wieder entdeckt.Jahrhunderte lag sie verborgen unter vielen Putzschichten. „Wir sind froh, dasswir sie frei gelegt haben“, so Georg Schmidt vom Berliner ArchitektenbüroGünther. Er betreut seit zwei Jahren die bisher rund 450000 Euro teurenSanierungsarbeiten.

„Auf die etwa 700 Jahre alte Wandmalerei sind wir gestoßen,als der lockere Putz runter musste“, sagt Schmidt. Nur noch schemenhaft seienKopf, Weihekreuz, Sterne und ein Gewand zu erkennen. Weiter kamen Umrissekleiner Fenster und eine mit Feldsteinen gerahmte Tür zum Vorschein.

Eine andere Entdeckung sind die Emporenfenster. Unter dergelbgrauen Farbe schlummern kleine Kunstwerke. Gemalt wurden sie 1913. „Abernicht wie damals üblich mit Schablonen, sondern frei Hand“, erklärt GeorgSchmidt. Vergleichbare Malereien in dieser Qualität seien sehr selten. MitHilfe alter Fotos werden die Motive der Emporenfenster restauriert.

Farblich neu gestaltet und anders angeordnet wurden die einstin tristem Grau überstrichenen Sitzbänke. In den 70er Jahren ließ man die Bänkein die Mitte stellen und ringsum einen Gang anordnen. Nun teilt der Mittelgangwie historisch belegt die rot und schwarz abgesetzten Bankreihen. Keiner derKirchgänger wird den mit Estrich verschandelten Fußboden vermissen, derTerrakotta-Fliesen gewichen ist. „Alles ist ein bisschen lebendiger und sehrviel schöner geworden“, freut sich Pfarrer Hans-Karl Kahlbaum über das frischeGesicht des in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbauten, spätromanischenGotteshauses.

Dessen Schlichtheit unterstreicht der von der Kirchengemeindegewünschte, neue Kronleuchter. Gewählt wurde eine simple und kostengünstigeVariante. Kreisrund angeordnete, von der Decke herab hängende Kabel mit25-Watt-Glühbirnen spenden Licht.

Um Pfingsten 2006 möchte Pfarrer Kahlbaum die Kirche miteinem Festgottesdienst wieder einweihen. Dann soll auch die alte Orgel wie neuklingen. In den 70er Jahren brachte man sie aus einem Abrissdorf bei Leipzig,dessen Kirche der Braunkohle weichen musste. Mit der Restaurierung wurde dieselbe Eberswalder Orgelbauwerkstatt beauftragt, die das Instrument damals inWaltersdorf aufstellte. Kahlbaum: "Wir wollen der Orgel ein anderes Gesichtgeben, damit sie nicht länger so aussieht wie ein alter Karnickelstall."

 

Märkische Allgemeine, 15.11.2005