23.02.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Was aus den Kirchen wird, wenn die Gemeinden schrumpfen

Jährlich etwa 500 Menschen weniger in den Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg. Was wird da aus den Kirchen, den Denkmalen der Dörfer? Der Ältestentag in Lehnin brachte Ideen hervor.

Unter dem Motto „Kirche – ein lebendiges Denkmal“ traf sich der achte Ältestentag des Evangelischen Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburgam Samstag im Lothar-Kreyssig-Haus des Altenhilfezentrums des Klosters Lehnin.

Superintendent S.-Thomas Wisch und das Vorbereitungsteam hatten dazu Kirchenälteste des Kirchenkreiseseingeladen, Denkmalschützer, Architekten, Mitarbeiter des Kirchenkreises und des Kirchlichen Bauamtes sowie interessierte Gemeindeglieder. Sabine Dahl vom RBB moderierte die Diskussion.

Kirchenältestentag in Lehnin. Auf dem Podium saßen Georg Frank, Clemens Bethge und Superintendet S.-Thomas Wisch. Quelle: Petra Müller

Die Zuhörer erwartete ein „ein besonderer Tag des Austausches über den zukunftsgerichteten und angemessenen Umgang mit unseren Denkmalen“. So hieß es in der Einladung. Die zentrale Frage lautete: Wie lassen sich die vielfältige Nutzung der kircheneigenen Gebäude und der Denkmalstatus miteinander vereinbaren?

Zum Kirchenkreis gehören derzeit 170 Kirchen, 26 Pfarrhäuser, 25 Trauerhallen, 13 Kindergärten und 111 Friedhöfe. Sie machen in den Dörfern einen beachtlichen Teil des Ortsbildes aus und sollen erhalten bleiben. 

Verlust von jährlich 500 Mitgliedern

Dem stehen 98 Kirchengemeinden mit 28 690 Gemeindegliedern gegenüber. „Jährlich verringert sich die Zahl der Gemeindeglieder um etwa 500 Menschen“, gibt Superintendent Wisch zu bedenken. 

Zahlreiche Fördervereine und ehrenamtlich Engagierte kümmern sich um den Erhalt der Kirchen und entwickeln dazu vielfältige Ideen. „Um dabei erfolgreich zu sein, müssen die Kirchenvertreter und die Denkmalschutzbehörden unbedingt miteinander reden“, betont Gastgeber Wisch.

Erweiterte Nutzung der Kirchen

Die erweiterte Nutzung der Kirchen und die Denkmalpflege müssten übereinstimmen. In Lehnin werden zwei Fragen diskutiert: „Wie können wir Kirchengebäude mit Leben erfüllen? Was brauchen wir, um Kirchengebäude mit Leben zu erfüllen?“

Die Antworten darauf sind so vielfältig wie die Gesellschaft. Sie reichen von der Öffnung für Konzerte, Kino, Public Viewing, Schulen und Kitas bis zur Nutzung durch katholische oder orthodoxe Gottesdienste. 

Christlich-weltliches Gemeindezentrum

Als Beispiel wird die Kirche in Rieben genannt, einem Ortsteil von Beelitz. Mit der Sanierung im Jahr 2012 wurde sie zu einem christlich-weltlichen Gemeindezentrum umgebaut. In einem Teil ist Platz für Gottesdienste und in dem anderen hat der Ortsvorsteher sein Büro. Zudem gibt es einen Raum für Sitzungen und Feiern. 

Im Laufe der Diskussion wendet sich die Thematik – von den „toten Steinen zu den lebendigen Steinen“, wie Superintendent Wisch sagt.

„Die Seelsorge muss Hauptkompetenz der Kirche bleiben“, betont Siegfried Frenzel aus Rädigke. „Zu meinen Gottesdiensten sonntags kommen immer etwa 20 Gläubige.“

Denkweise der Denkmalschützer

Für Helmut Herbert, Ortsvorsteher in Lühsdorf/Treuenbrietzen und Mitglied des Kirchenförderkreises „Wir in Lühsdorf“, hat die Veranstaltung dazu beigetragen „die Denkweise der Denkmalschützer besser zu verstehen“. Das helfe ihm und dem Verein, die 2019 begonnene Hüllensanierung des Lühsdorfer Gotteshauses umzusetzen.

Teilnehmer der Ältestenrunde waren Pfarrer Clemens Bethge, theologischer Referent bei der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg – schlesische Oberlausitz, und Georg Frank, Dezernatsleiter im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege. 

Von Petra Müller

Märkische Allgemeine Zeitung, 23.02.2020