22.07.2020  –  Lausitzer Rundschau

Widerstand gegen Schließung des Herzberger Tourismuspunktes in der Stadtkirche

Horst Gutsche, Ehrenbürger der Stadt Herzberg, ehemaliger Vorsitzender der Herzberger Münzfreunde und Mitglied im Heimatverein ist schockiert über die Schließung des Tourismuspunktes in der Stadtkirche und schreibt einen offenen Brief an den Bürgermeister und die Stadtverordneten.

22. Juli 2020, 16:38 Uhr•Herzberg
Von Birgit Rudow

Die beabsichtigte Schließung des Tourismuspunktes in der Seitenkapelle der Herzberger Stadtkirche stößt in der Kreisstadt weiter auf Kritik. Bürgermeister Karsten Eule-Prütz will den Touristenservice ins Bürgerzentrum verlegen. Grund: Die Stadt muss hohe Kosten für die einst in Kooperation mit der Kirche geschaffene Einrichtung tragen. Außerdem wird die Mitarbeiterin aus dem Tourismuspunkt dringend an anderer Stelle im Rathaus gebraucht. Die Versorgung von Touristen mit Informationsmaterial und Auskünften soll die Mediathek in Form eines Stadtbüros übernehmen.

Schließung des Touripunktes werten viele Herzberger als Armutszeugnis

Bei einigen Herzbergern stößt der Vorstoß des Bürgermeisters auf harsche Kritik. Für die Kreisstadt sei das ein absoluter Tiefpunkt, meinte zum Beispiel Detlef Steinig. Der Tourismuspunkt müsse im Stadtzentrum bleiben, wenn nicht in der Kirche, dann wenigstens im Rathaus. Auch Barbara Weichert empfindet die Schließung des Tourismuspunktes als Armutszeugnis für die Stadt. Joachim Jenner schreibt, dass er wie viele Herzberger, von der Nachricht über die Schließung sehr enttäuscht sei.Jetzt hat sich auch Horst Gutsche, seit 2009 Ehrenbürger der Stadt Herzberg, ehemaliger Vorsitzender der Herzberger Münzfreunde und Mitglied im Heimatverein, zu dem Thema geäußert. Er hat in einem offenen Brief an Bürgermeister Karsten Eule-Prütz und die Stadtverordneten verschiedene Fragen aufgeworfen und um Antworten in der Stadtverordnetenversammlung im September gebeten.

Herzberger Ehrenbürger sauer über Verzicht auf Tourismusbüro

Als er Ende Juni in der Rundschau von der Schließung des Tourismuspunktes gelesen habe, sei er schockiert gewesen, seitdem sei er enttäuscht und erbost. Er höre schon die Häme aus Finsterwalde und anderen Städten im Landkreis und frage sich etwas rhetorisch, ob es in der Bundesrepublik Deutschland neben Herzberg wohl noch eine zweite Kreisstadt gebe, die auf ein Tourismusbüro verzichtet, so Horst Gutsche.Hingegen lese er von großen Investitionen in das Radwegenetz. „Wie passt das zusammen?“, fragt er. Das Thema lässt ihn nicht mehr los und er berichtet darüber, dass er seit Jahrzehnten gemeinsam mit der Familie weit und auch lange verreist. „In jeder Stadt war unser erstes Ziel das große I, ein fast weltweit verbreitetes Symbol für Information. Dort erhält man vielfältige Angebote, Empfehlungen und Hilfe“, so Horst Gutsche. In Herzberg habe so etwas lange Zeit gefehlt. „Angesichts von Leesemanns damals leer stehendem Eckgebäude hatte ich den fantastischen Traum, dass die Stadt das Haus erwirbt, um im Erdgeschoss ein Touristenbüro und im Obergeschoss eine Heimatstube zu errichten. Doch ich bin auch Realist: Die Schaffung eines kleinen Museums ist schwer, doch viel schwerer ist sein Erhalt und der fortlaufende Betrieb. Dazu bedürfte es jemanden, der Ahnung hat, echte Leidenschaft entwickelt und dauernd Unterstützung benötigt“, meint Horst Gutsche. Die Stadt hat Lesemanns Ecke bekanntlich nicht erworben.

Herzberger Stadtkirche ein idealer Anlaufpunkt für Touristen

In der Zwischenzeit sei aber die Restaurierung der Stadtkirche St. Marien so weit fortgeschritten gewesen, dass die schönen Seitenkapellen einer Nutzung entgegen sahen. Dort, im ältesten, zentralsten und bedeutendsten Gebäude der Stadt einen Tourismuspunkt zu errichten, schien dem Herzberger Heimatforscher ideal. „Solange es Nachschlagewerke wie Lexikon oder Brockhaus seit dem 19. Jahrhundert gibt, sind, wenn Herzberg enthalten ist, die Deckengemälde der Kirche erwähnt“, so Horst Gutsche. Als damaliger Vereinsvorsitzender der Herzberger Münzfreunde habe er sogar mit dem Gedanken gespielt, die große Spindelpresse im Tourismusbüro aufzustellen, auf der sich Besucher ihr Souvenir selbst prägen dürften. „Schließlich hatte unser Münzverein anlässlich des Tages des offenen Denkmals 2002 eine Medaille geschaffen, auf der die Hauptseite St. Marien frontal und die Rückseite einen schönen Ausschnitt dieser Deckengemälde zeigt. Die Erlöse hätten sich der Verein und die Betreiber teilen können“, so Horst Gutsche.

Bleibt die Herzberger Stadtkirche jetzt zu?

Im Tourismuspunkt habe sich derweil Barbara Gloel als umsichtige, freundliche und kompetente Idealbesetzung für diese Einrichtung etabliert. Und als es zwischenzeitlich um den Status von Frau Gloel und um die Öffnungszeiten des Tourismuspunktes ging, hatte sich Horst Gutsche als Mitglied des Kultur- und Heimatvereins sogar mit der Idee getragen, durch die ehrenamtliche Tätigkeit einiger Vereinsmitglieder die Besuchszeiten vielleicht noch zu erweitern, verrät er.Und nun? „Werden die Verantwortlichen seitens der Kirche überhaupt eine völlig unbeaufsichtigte Öffnung der Kirche erlauben können?“, fragt Gutsche und richtet in seinem offenen Brief die Frage an die Herzberger Stadtverordneten, ob sie nicht alle den Willen und auch die Macht hätten, den bisherigen guten Zustand wiederherstellen zu lassen. „Letztlich beschließen die Abgeordneten den Haushaltsplan der Stadt und nicht das Rathaus“, meint er. Den Bürgermeister fragt er, wie oft er im Tourismuspunkt vorbeigeschaut habe, um sich von dessen Nützlichkeit an Ort und Stelle zu überzeugen.

Herzbergs Bürgermeister will erst die Pflichtaufgaben erledigen

Karsten Eule-Prütz hatte im Gespräch mit der Rundschau Ende Juni gesagt, dass der Tourismuspunkt in der Kirche, als einem der schönsten Ziele für Touristen in Herzberg eine tolle Sache gewesen ist und es schwer falle, ihn zu schließen. Die Stadt schwimme aber nicht im Geld und müsse vorrangig ihre Pflichtaufgaben erledigen, so der Bürgermeister.Ab dem 1. September soll es im Foyer des Bürgerzentrums eine Stadtinfo geben, die der Mediathek zugeordnet wird. Hier können sich Besucher mit Informationsmaterial zu Herzberg, dem Elbe-Elster-Kreis und den umliegenden Regionen eindecken. Zu den Öffnungszeiten der Mediathek, so der Leiter der Einrichtung André Keßler, können sich Touristen auch an die Mitarbeiter wenden.Die nächste Stadtverordnetenversammlung, zu der Horst Gutsche in der Einwohnerfragestunde Antworten auf seine Fragen erwartet, ist für den 24. September anberaumt.

Lausitzer Rundschau, 22.07.2020
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