21.05.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Zu Himmelfahrt per Rad zu acht Kirchen der Gemeinde Herzberg

Radeln geht am Himmelsfahrttag immer, Gottesdienste auch. Zu Coronazeiten ist aber vieles anders. Die Herzberger Pfarrerin Christine Gebert hat – statt eines Gottesdienstes – die Aktion „Radeln zwischen Himmel und Erde“ initiiert: eine Rundtour mit acht Kirchen-Stationen.

Die Kirche in Schönberg war eine von acht Kirchen auf der Tour „Radeln zwischen Himmel und Erde“.

Die Kirche in Schönberg war eine von acht Kirchen auf der Tour „Radeln zwischen Himmel und Erde“. Quelle: Regine Buddeke

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Der Weg ist das Ziel. Auch wenn es natürlich Ziele gibt bei „Radeln zwischen Himmel und Erde“. Unter diesem philosophisch schönen Motto konnte man am Himmelfahrtstag – nomen est omen – auf Einladung der Kirchengemeinde Herzberg die Kirchen des Gemeindebezirks nacheinander ansteuern und besichtigen. Pfarrerin Christine Gebert hatte zudem für kleine – geistige und leibliche – Überraschungen gesorgt.

Eingeladen hatte Herzbergs Pfarrerin Christine Gebert

Acht Kirchen gehören zur Rundtour – frei wählbar, wo man startet, endet und welche Route man fährt: etwa von Grieben über Glambeck nach Seebeck, oder von Rüthnick via Herzberg nach Vielitz. Auch in Schönberg oder Strubensee konnte die Tour begonnen werden – man arbeitete sich dann im eigenen Tempo über verträumte Feldwege, Landstraßen oder Waldpfade zum nächsten Ziel.

Die Kirche in Herzberg.

Die Kirche in Herzberg. Quelle: Regine Buddeke

Es gab keine Vorgaben. Kurze Strecke oder lange, genussradeln oder Kilometerfressen, drei Stationen oder alle acht: Erlaubt ist, was gefällt. Zeit? Egal. Hier geht es um Entschleunigung, den Draht zur Natur und zum Himmel. Auch den zu sich selbst und zu den Mitradlern, wenn man nicht allein fuhr.

Bis zu acht Kirchen-Stationen gab es zu entdecken

Wie die Ahrends aus Leipzig, die spontan das Auto in Schönberg stehen lassen und die Räder ausladen, als sie bei der Besichtigung der Schönberger Kirche auf die Flyer stolpern, auf denen die Tour ausgeschrieben ist. „Schöne Idee“, sagt der Mann. „Das machen wir jetzt – wir wollten sowieso Rad fahren.“

An Station 1 - hier in der Kirche in Schönberg - lockte

An Station 1 – hier in der Kirche in Schönberg – lockte „Wegzehrung“ für die Radler. Quelle: Regine Buddeke

Liebevoll sind ein paar rot-süße Äpfel und Schokoriegel auf dem Schönberger Altar drapiert. „Station 1 – Wegzehrung“ – steht auf einem Blatt. Darunter der Spruch aus Matthäus über die Vögel, die nicht säen, ernten und doch satt werden. Genauso soll sich der Radler fühlen – wie ein Vogel, der essen und dann weiterfliegen kann – sorgenfrei.

Kranich falten nach Anweisung.

Kranich falten nach Anweisung. Quelle: Regine Buddeke

Ein Vogel wartet auch an Station 2 – in Herzberg und in Glambeck. „Was willst du zum Himmel aufsteigen lassen?“ heißt es als Willkommensgruß. Ein Kranich will gefaltet werden – aus einem Blatt Papier, in das man zuvor einen Wunsch, Spruch oder Gebet, eine Bitte oder ein Dankeschön geschrieben hat. Ganz schön tricky – aber mit Origami-Faltanleitung gelingt es gut.

Vor dem Falten des Kranichs konnte man eine Bitte oder ein Dank, ein Gebet oder einen Wunsch aufs Papier schreiben.

Vor dem Falten des Kranichs konnte man eine Bitte oder ein Dank, ein Gebet oder einen Wunsch aufs Papier schreiben. Quelle: Regine Buddeke

Mit dem Papiervogel im Gepäck geht es weiter zur dritten Station: „Himmelfahrt“ heißt sie – in Vielitz oder Seebeck kann man seinen Kranich ablegen – mit einem Gebet oder einem Gedanken. Als innere Einkehr oder schon mit dem nächsten Radel-Ziel im Sinn.

Mit Blick für die Schönheit der Region

Der Tag ist wie gemacht für eine solche Tour. Die Sonne scheint, die Sträucher am Wegrand duften, die Ähren wiegen sich auf den Feldern, die Natur liegt in aller Pracht ausgebreitet vor den Radfahrern – die Radtour zwischen Himmel und Erde weitet den Blick für die Schönheit der Region und wärmt so das Herz.

Sonne, Grün und die Schönheit der Region: Auf der Strecke zwischen Schönberg und Herzberg.

Sonne, Grün und die Schönheit der Region: Auf der Strecke zwischen Schönberg und Herzberg. Quelle: Regine Buddeke

„Wir wussten ja bis vor Kurzem nicht, ob wir zu Himmelfahrt überhaupt Gottesdienste feiern dürfen“, erklärt Christine Gebert die Idee für die Aktion, bei der die Radler quasi eine Art individuellen Gottesdienst begehen können. „Keiner soll sich alleingelassen fühlen.“ Vormittags hat in Seebeck eine Andacht unter freiem Himmel stattgefunden – mit knapp 30 Radlern.

Engel in der Schönberger Kirche.

Engel in der Schönberger Kirche. Quelle: Regine Buddeke

„Die waren schon neugierig auf die Tour“, erzählt die Pfarrerin. Wie viele Leute tatsächlich die Etappen geradelt sind, weiß sie nicht. „Das werde ich vielleicht morgen sehen – wenn ich die Kirchen abfahre“, sagt sie. Etwa weil die Äpfel alle sind – oder viele Kraniche auf den Altären liegen.

Auch die Kirche in Strubensee ist sehenswert.

Auch die Kirche in Strubensee ist sehenswert. Quelle: Regine Buddeke

Märkische Allgemeine Zeitung, 21.05.2020
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