Die Uckermark.

Eine Landschaft und ihre Denkmäler.

Die Dorfkirche von Jakobshagen

Ein Landstrich, oder besser: eine Landschaft im Nordosten des Landes Brandenburg und im Südosten von Mecklenburg-Vorpommern. Der größte Teil der Uckermark ist heute "zusammengefaßt" im gleichnamigen Landkreis, der der flächenmäßig größte der Bundesrepublik Deutschland ist (3.058,45 km2). Zum Vergleich: Das Bundesland Saarland ist kleiner! Trotz allem sind einige uckermärkische Orte und Ländereien heute "außen vor". Die Stadt Strasburg zum Beispiel mit einigen Dörfern wie Blumenhagen, Nieden, Rollwitz und Rossow zählen im Norden heute zum Landkreis Uecker-Randow, oder Oderberg und Chorin finden sich heute im Landkreis Barnim wieder – das uckermärkische Kloster Chorin ziert gar Werbetafeln auf der Autobahn für den Barnim!

Im Landkreis Uckermark leben etwa 150.000 Menschen in vier größeren Städten (Angermünde, Prenzlau, Schwedt/Oder und Templin) sowie in 12 Verwaltungsämtern.

Man hat sich schon immer um die fruchtbare und schöne Uckermark gerissen. Ein Grenzland zwischen Brandenburg, Pommern und Mecklenburg. Wehrhaft mußten die Uckermärker sein, besonders früher, als die Grenzen noch schneller und rabiater gezogen wurden denn heute. Damals waren die Kirchen oft die einzigen wehrmöglichen, weil festen Bauten der Dörfer. Sie boten nicht nur geistlichen Schutz, sie konnten die wirklich "feste Burg" sein. Die Dorfkirchen waren in der nördlichen, besonders hart umkämpften Uckermark vornehmlich aus exakt behauenen Feldsteinen errichtet. Diese Feldsteine oder Findlinge kamen durch die letzte Eiszeit ins Land und können dem Ackerbau schon große Probleme bereiten. Als Baustoff aber waren und sind sie hervorragend geeignet, man muß sie nur noch – wie die Altvordern – meisterlich bearbeiten und verarbeiten können. Und so entstanden im Mittelalter die ansehnlichen und beeindruckenden Feldsteinkirchen, deren Schiffe z.T. heute noch im äußeren unverändert von der Baukunst der alten Baumeister zeugen.

Im südwestlichen waldreichen Teil der Uckermark, der nicht so vom Ackerbau geprägt und nicht so durchgängig und dicht besiedelt war (und ist), treffen wir häufiger auf die nicht so alten und nicht so festen, aber ebenfalls reizvollen Fachwerkkirchen. Hier war mehr Holz vorhanden, mit dem gebaut werden konnte, hier waren die Baumaterialien der Wohn- und der Gotteshäuser oft identisch. Ihre Haltbarkeit war natürlich nicht so groß und einen Brand überstanden ihre Umfassungsmauern im Gegensatz zu den Feldstein- oder Backsteinkirchen nicht.

Im 19. Jahrhundert wurden oft "feste Tatsachen" geschaffen und marode (oft Fachwerk-) Kirchen durch solche aus festeren Materialien, vornehmlich Ziegeln, ersetzt. Es wurden historisierende Bauformen gewählt, wobei die Neogotik die Regel war.

Einige wenige uckermärkische Dorfkirchen des 17/.18. Jahrhunderts wurden nicht als Fachwerkkirchen gebaut; die Dorfkirche Grünberg soll als Beispiel dienen.

So unterschiedlich die einzelnen Regionen, so unterschiedlich auch die Dorfkirchen und Kapellen. Zählt man die Stadtkirchen (so die wegen ihres gotischen Backsteingiebels deutschlandweit bekannte St. Marienkirche Prenzlau) und die wüsten Kirchen (Wittstock) sowie die Kirchenruinen (Strehlow) und Klosterruinen (Gramzow) dazu, dann können wir eine Zahl von etwa 220 denkmalgeschützten sakralen Bauten nennen – und fast jährlich werden weitere Kirchen und Kapellen in das Verzeichnis der Denkmale des Landkreises Uckermark eingetragen, so 1996 die Dorfkirche Rosow, 1997 der Glockenturm in Beutel, 1998 die Kapelle Mellenau, 1999 die Dorfkirche Kutzerow und 2001 die Dorfkirchen Metzelthin und Küstrinchen.

Es ist schon erstaunlich, daß in der DDR-Zeit nicht jede Kirche in die damaligen Denkmallisten der Kreise eingetragen wurden. Nach der "Wende" wurden diese Listen übernommen und zum einheitlichen uckermärkischen Denkmalverzeichnis zusammengefaßt und dann staunt man als Denkmalschützer doch manchmal (wie in den bezeichneten Fällen), daß die heute als selbstverständlich angenommene Denkmaleigenschaft einer Kirche damals so selbstverständlich nicht war. Aber dieses nur am Rande. Schwerwiegender als der verwaltungsrechtlich bestätigte Denkmalstatus ist der Erhaltungs- und Bauzustand einiger Sakralbauten zu werten. Manch Gotteshaus steht leer und scheint von der Kirche (als Institution) aufgegeben, eine Kirchengemeinde existiert nicht mehr oder geht in eine benachbarte Kirche zum Gottesdienst. So ein Kulturdenkmal aus längst vergangenen Zeiten und übrig geblieben als dessen letzter sichtbarer Zeuge scheint dem Zeitgeist unserer Wegwerfgesellschaft zum Opfer zu fallen. Kein Eigentümer, der sich verantwortlich fühlt. Niemand, der Eigenmittel bereit stellt, um mit Fördermitteln Erhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen durchzuführen.

Wem soll man in diesem Falle einen Erhaltungsbescheid zusenden? Wen soll man verpflichten, das Gebäude zu sichern vor Vandalismus und weiterem Verfall? Sicher, den Eigentümer! Aber sind wir nicht alle Eigentümer dieses Kulturguts? Seit dem 1. Weltkrieg wurde oft kaum noch etwas getan zur Erhaltung dieser Bauten, weil nichts mehr getan werden konnte oder auch durfte. Schuldige gab es viele, zusammengefaßt unter dem Sammelbegriff "der Staat". Kann man den heutigen Staat (BRD), der die Rechtsnachfolge des vorigen Staates (DDR) antrat (Altschuldengesetz!), nicht haftbar machen? Ich denke: man kann, zumindest moralisch. Vielleicht führen die derzeitigen Initiativen des Kulturstaatsministers Julian Nida-Rümelin in die Richtung Denkmalschutz und Verantwortung des Bundes zum Erhalt deutschen Kulturgutes. Das jetzige Bund-Landes-Programm "Dach und Fach" kann und darf es alleine nicht sein (zumal Privateigentümer von Denkmalen aus diesem Topf nicht gefördert werden können!).

Aber selbst in den Fällen, wo die Kirche (noch) genutzt und Eigenmittel bereitstehen, kann mit den derzeitigen Förderprogrammen nicht immer geholfen werden; zu viele Anträge, zu hoher Sanierungsbedarf und zu klein manch Fördertopf. Sicher, mit geschicktem Förder"mix" aus Sponsorenmitteln und kreislichen und ländlichen sowie Stiftungsprogrammen und ergänzt mit Arbeitsamtshilfe (Vergabe-ABM) kann und konnte einige Male geholfen werden. Aber einige Male heißt auch: nicht in allen Fällen. Fördervereine haben sich auch in der Uckermark gebildet, sie beginnen bereits, ihre Arbeiten zu koordinieren, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu helfen. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. tut ein übriges, um mit Erfahrungen und zunehmend finanziellen Hilfen die Sorgen der Vereine zu mildern.

Eigentlich wollte ich über die schöne Uckermark mit ihren vielen Denkmalen schreiben, die den Stolz der Einheimischen und die Reiselust von Fremden anstacheln sollten – aber ich komme immer wieder auf die finanziellen Kalamitäten zurück, die den Schutz, die Erhaltung und die touristische "Ausbeutung" dieser Kulturgüter erschweren. Und dabei habe ich noch gar nicht die unsäglich vielen Windkraftanlagen erwähnt, die die Blicke auf sich ziehen, die eigentlich den Silhouetten der Dörfer mit ihren Kirchturmspitzen gelten sollten ...

A x e l K e m p e r t
- Sachgebietsleiter der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Uckermark -
 

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