Die Kirchenruine Strehlow

Gleichgültig aus welcher Richtung man sich dem Dorf Potzlow in der Uckermark nähert, bereits von weitem ist ein hoher Kirchturm zu erkennen. Der jedoch gehört gar nicht zu Potzlow, dessen Kirchturm eher gedrungen wirkt.

Nein, wirklich landschaftsprägend ist der mit einer geschweiften Haube sowie einer Wetterfahne mit der Jahreszahl 1747 bekrönte Turm der Strehlower Kirche. Erbaut im 13. Jahrhundert, unverputzter Feldstein, größere Wiederherstellung im 18. Jh. sowie 1892/93 und 1903.

Laut Auskunft des Bandes "Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg – Kreis Templin" gab es in Strehlow ab 1375 einen Pfarrer, ab 1600 dann war Strehlow Filia von Potzlow.

Bis 1945 hatte das Gut Strehlow, zuletzt der Familie Gysae gehörend, das Patronat über die am westlichen Ende des Dorfes inmitten des Friedhofs gelegene Kirche. In der letzten Phase des 2. Weltkrieges beschädigte vermutlich die Druckwelle einer südlich der Kirche auf dem Friedhof detonierenden Fliegerbombe Teile des Daches des Langhauses. Nach Auskunft der Potzlower Pfarrakten gab es seitens der Kirchengemeinde Ende der 40er Jahre ernsthafte Bemühungen, die Schäden zu beheben. Doch der damalige Bürgermeister hintertrieb alle derartigen Aktivitäten und verlangte sogar, die Strehlower Kirche abzubrechen, um Baumaterial für Siedlungshäuser zu gewinnen. Ob es einen Zusammenhang zwischen diesem Ansinnen und der Tatsache, dass der Bürgermeister von Beruf Bauunternehmer war, gegeben hat, erscheint nicht ganz abwegig. Der Potzlower wehrte sich mit ganzer Kraft gegen der geplanten Frevel; er konnte jedoch nicht verhindern, dass aus der Südwand einige Steine herausgebrochen wurden. Schließlich hatte sein Protest bei der Landesregierung zwar Erfolg, nur gegen die einmal begonnene Plünderei (seitens Teilen der Dorfbevölkerung) gab es wohl kein Rezept. Die bereits beschafften Dachziegel verschwanden, später sogar der ganze Dachstuhl. Die nun ungeschützten Mauerkronen verfielen, Baumbewuchs machte sich breit. Der mit Schiefer gedeckte und an seinen Wänden verbretterte Turm verkam im Laufe der Jahrzehnte infolge zunehmenden Wassereintritts. Ende der 80er Jahre bargen die wenigen engagierten Strehlower Gemeindeglieder die wertvolle Bronzeglocke von 1596 aus dem Turm und errichteten südlich der Kirche einen kleinen Glockenstuhl. In den Jahren vor und nach 1989 baute die Kommunalgemeinde südwestlich des Friedhofs eine Trauerhalle.

Seit meinem Dienstantritt 1991 sucht die Kirchengemeinde Potzlow nach Mitteln und wegen, die Strehlower Ruine zumindest in ihrem Bestand zu sichern, bisher ohne Erfolg. Kirchenkreis und Landeskirche betrachten das Bauwerk als entbehrlich, da es 1 km südlich die große Potzlower Kirche gibt. Doch sowohl aus Gründen des Dorf- und Landschaftsbildes als auch aus der Sicherungspflicht des Eigentümers heraus sollte bzw. muß gehandelt werden.

Hilfreich sind in dem Zusammenhang soziale und kulturelle Aktivitäten der "Kindervereinigung Stehlow e.V.", einer Einrichtung mit kinder- und jugendsozialem Auftrag sowie das Interesse vieler jüngerer Einwohner, die den wert des alten Gebäudes für die Identitätsfindung des Dorfes und für den Tourismus erkennen. Die Kommune ist außerordentlich stark an einer Sanierung der Ruine interessiert und würde sich auch spürbar einbringen.

Inzwischen hat ein Architekt auf der Grundlage von eigenen Untersuchungen Vorschläge für die Sicherung und die schrittweise Renovierung der Strehlower Kirche mit z.T. neuen Elementen vorgelegt. In einem Gespräch mit Vertretern des Landesamts für Denkmalpflege und der entsprechenden Behörde des Landkreises Uckermark konnten prinzipielle den Bau betreffende Fragen geklärt werden. Dabei wurde deutlich, dass es nicht um eine reine Restaurierung gehen soll, sondern dass nach der Sanierung des Turms in seinem ursprünglichen Erscheinungsbild und der Sicherung der Mauerkronen speziell beim Bau der südlichen Dachhälfte moderne Materialien wie Glas und Metall sowie Anlagen der Photovoltaik eingesetzt werden können. Ein Mix aus Tradition und Moderne scheinz möglich, wenn es gelingt, über ein gutes Nutzungskonzept zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschließen.

Die Strehlower Kirche, mit ihrem Turm landschaftsprägend seit eh und je, in Zukunft hoffnungsvolles Zeichen für eine innovative Entwicklung in einer reizvollen Gegend?

Johannes Reimer, Gemeindepfarrer in Potzlow

 
   Zur Artikelübersicht