Vor dem Müll gerettet

Zur Geschichte des wiedergefundenen Möthlitzer Altarbildes

MÖTHLITZ Viele Jahre galt das Altarbild der Möthlitz Kirche als verschollen. Nun ist es wieder im Besitz der Kirchengemeinde und wird an seinem angestammten Platz zurückkehren (MAZ berichtete). Wiederentdeckt wurde das Altarbild im Dommuseum Brandenburg. Darüber wie es einst ins Dommuseum gekommen ist, gab es bisher nur lückenhafte Erkenntnisse. Doch nun wird dank Gera Arndt die ganze Geschichte offenbar. Gerda Arndt lebt heute in Radewege und ist Museologin im Ruhestand. Von 1979 bis 2005 war sie Leiterin des Dommuseums. Ihre Absolventenzeit nach dem Studium absolvierte sie 1962/63 in Rathenow, wo sich zur damaligen Zeit das Kreismuseum im Aufbau befand. Zu dieser Zeit lernte sie einen Rathenower Stellmachermeister und Sammler von Antiquitäten (W. Schwarz) kennen und konnte sich in staunender Weise seine Sammlung ansehen. Eine Sammlung, so Gerda Arndt, die in Museumskreisen, wie den Märkischen Museum in Berlin durchaus bekannt war. "Vielleicht hat er diese Sammlung nach damaligen DDR-Recht nicht richtig versteuert, jedenfalls wurde er wegen angeblicher Steuerhinterziehung zu Gefängnis verurteilt", schreibt die Museologin i.R. an den Möthlitzer Gemeindepfarrer in einem Brief. So musste er über drei Jahre im Gefängnis Brandenburg einsitzen. Seine Sammlung wurde konfisziert, und sie ist dann vermutlich über den DDR-Devisenbe-schaffer Schalk-Golodkowski in den Westen verscherbelt worden. In sein Haus in der Rhinower Straße kam das Kreismuseum.

Nach der Gefängnisstrafe wurde der Mann mit seiner Familie in den Westen abgeschoben. Doch zuvor hat seine Schwester - eine Pastorin - sich an Gerda Arndt mit einer Bitte gewandt. Sie sollte sich einige übrig gebliebene Dinge anschauen, ob sie für das Dommuseum von Interesse sind. Ansonsten wären sie auf dem Müll gelandet. Zu diesen "übrig gebliebenen Dingen" gehörte auch das Möthlitzer Tafelbild mit der Abendmahldarstellung. Das Bild war in einem sehr schlechten Zustand. Das war im Jahr 1984. Damals wusste man nicht, dass dieses Bild aus Möthlitz stammt. Aber das Bild kam ins Dommuseum und wurde 1986/87 in Berlinerin von Cornelia Rüth restauriert. Darüber hat das Dommuseum auch einen Restaurierungsbericht.

In der Wendezeit hat der Mann - der inzwischen in Minden lebt - mit Gerda Arndt im Dommuseum Kontakt aufgenommen. "So erfuhren wir, dass das Bild aus der Kirche Möthlitz stammt", berichtet sie. Da das Bild nach der Restaurierung auch im Dommuseum ausgestellt wurde, gab es bald Kontakte mit dem ehemaligen Möthlitzer Pfarrer Richter und Pfarrer Ziethe aus Brandenburg. Als Gerda Arndt erfuhr, dass die Dorfkirche Möthlitz wiederhergestellt wird, war für sie klar, dass das Bild wieder an seinem angestammten Platz gehört. Allerdings stammt nach ihrer Auffassung das Bild nicht - wie in Möthlitz angenommen - aus dem Jahr 1608, sondern müsste etwas jüngeren Datums sein. Die Kirche habe noch bemalte Chorbrüstungen mit Wappen aus denen hervorgeht, dass der Domherr Mathias Hünecke diese 1689 gestiftet hat, ist ihre Meinung. Deshalb müsse auch der Altar mit dem Abendmahlsbild aus dieser Zeit stammen. "Jedenfalls ist Jesus mit der Jüngerschar vor der gewaltigen architektonischen Kulisse schon sehr barock. Kunsthistoriker meinen sogar, dass es sich um eine italienische Arbeit handeln könnte, auf jeden Fall von italienischen Meistern beeinflusst", schreibt sie weiter in ihren Brief an den Pfarrer. Abschließend äußert sie noch eine Bitte: Wenn das Bild wieder in den Altar eingefügt ist, würde sie gern nach Möthlitz kommen . ns

Märkische Allgemeine vom 03. April 2006

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