Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zeigt auf dem Titelblatt ihres Magazins MONUMENTE, Heft 11/12 (Dezember 2005) die Dorfkirche von Strehlow und veröffentlicht dazu folgenden Beitrag von Friedrich Ludwig Müller:

Schenken Sie uns diese Kirche!

Was sich die MONUMENTE-Redaktion von ihren Lesern zu Weihnachten wünscht

Monumente - Nummer 11/12 2005

Dem Teufel wollten sie es zeigen, die Bauern des kleinen Dorfes im Brandenburgischen. Mit jedem Stein, an dem ihre Pflüge zerbrachen, wuchs der Zorn. Nun wollten sie sich rächen, den Teufel dort treffen, wo es ihn am schmerzlichsten erwischte.

Aufheulen sollte er, wenn er zusehen musste, wie die Bauern auf ihren Äckern und Wiesen die Steine, die, wie sie glaubten der Teufel nachts dorthin geschleppt hatte, sammelten, um daraus ein Gotteshaus zu bauen. Dazu den Gottesacker mit einem Glockenstuhl. Damit die Lebenden ihre Toten nicht vergessen.

Das ist der Anfang der Geschichte der kleinen Feldsteinkirche in dem 236-Seelen-Dorf Strehlow in der Uckermark. Es könnte der Anfang vieler Geschichten und kleinen Kirchen sein um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Überall dort, wo Felder Steine trugen, einst mitgewandert und eingeschlossen im Eis der Gletscher, wurden sie gesammelt, um daraus Kirchen zu bauen oder Bauernkaten, Burgen oder Stadttore, Festungsmauern und Brücken über Flüsse und Bäche.

Was, dem Teufel zum Ärger und Gott zu Ehren, in Strehlow Stein um Stein zum Himmel wuchs im Stil der Romanik, hat die Jahrhunderte überdauert. Vom 18. Jahrhundert an konnten die Menschen von Strehlow an ihrer Kirche sehen, woher der Wind wehte. Zuerst erhielt das Gotteshaus einen mit Brettern verkleideten Turm und dann oben auf seiner Spitze mit der Jahreszahl 1747 eine Wetterfahne.

Es war dann das 20. Jahrhundert, das der Kirche die Glocke nahm, um daraus Kanonenrohre zu gießen. Später leisteten sich die Strehlower eine neue Glocke. Mit ihr glaubten sie eine Zeit ewigen Friedens einzuläuten. Doch der Friede währte wie wir wissen nicht lange. Bomben fielen auch auf Strehlow. Die Gewalt der Detonation zerriss die Kirchensteine. Was blieb, war eine Ruine. Aus ihren Steinen der Felder von einst wurden Begrenzungsmauern oder befestigte Wege. Alles mit Billigung der Staatsmacht. Bis die Evangelische Kirche heftig dagegen protestierte. Von nun an verfiel das Kirchlein vor sich hin, von Efeu überwachsen. Ein leichtes Spiel für Stürme und Wind, für Regen und Schnee.

Eine Kirche im Zerfall. Wo einst in die gefalteten Hände gebetet wurde, für das Leben, das eigene oder das eines anderen, dort faulen nun die Bretter des Kirchenbodens. Dort, wo einmal der Altar stand mit dem gekreuzigten Gottessohn, wurde eingesegnet und ausgesegnet, wurden Kinder über das Taufbecken gehalten, Ringe gewechselt für ein langes gemeinsames Leben. Hier vor dem Gekreuzigten fand man Trost und lernte Demut, erwärmte der Hauch des Erhabenen die Herzen und ließ die Sorgen des Alltäglichen eine Andacht lang vergessen machen.

Sie wusste nichts von Strehlows sterbender Kirche, als sie in einem Brief an die Redaktion den Satz hinschrieb: "Gibt es etwas, worüber sich die Redaktion zum Weihnachtsfest besonders freuen würde und womit ich ihr danken könnte für MONUMENTE und die sie begleitenden Briefe?" Von dieser Frage einer Förderin unserer Stiftung bis zu der Idee einer Weihnachtsaktion zur Rettung der Feldsteinkirche in Strehlow war es nur noch ein kurzer Gedankensprung.

Gemeinsam mit einem Unternehmen, das auf den Feldern rund um Strehlow Raps, Getreide und Mais anbaut, was wiederum 560 Kühen als Futter dient, wollen wir das alte Gotteshaus wiederauferstehen lassen. Außer unserer Stiftung beteiligen sich an dem Rettungswerk noch der Landkreis Uckermark, der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. und die Kindervereinigung Strehlow e.V. Hinzu kommen Künstler der Region und nicht zuletzt die engagierten Menschen von Strehlow.

Ein Begegnungszentrum soll sie künftig sein, die Kirche aus den Steinen der Uckermark. Taufen sollen hier wieder gefeiert werden und Hochzeiten. Kurz: Sie soll des Dorfes "gute Stube" werden, in der man Feste feiert und sich zu Konzertabenden trifft oder zum Tanz. Junge Menschen sollen hier Zeit finden füreinander. Eine kleine Welt für sich, die nichts mehr braucht als das Zueinanderkommen und das Aneinanderrücken.

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