Kurtschlager Orgel wird saniert

Die Geschichte der Orgelattrappe von Kurtschlag / Spenden helfen das Instrument instand zu setzen

HELMUT SCHÖTTLER

Über Jahrzehnte waren wir in Kurtschlag der Meinung, dass die Orgel auf der Empore ein hohler Vogel ist. Dies wurde immer wieder als selbstverständlich dargestellt. Die alte Geschichte mit der nicht existierenden Orgel in Kurtschlag machte sogar in Berlin und Brandenburg die Runde.

Da das Interesse an unserer Kirche nicht groß war, ist die Aussage nie hinterfragt worden. Bis vor ungefähr einem Jahr ein Vertreter des Fördervereins "Alte Kirchen in Berlin Brandenburg" und ein ehrenamtlicher Experte für alte Orgeln in unserer Dorfkirche waren, um das instand gesetzte Gotteshaus zu besichtigen und kennen zu lernen. Der Orgelexperte, John Barr, hat unsere Orgel gleich mit anderen Augen betrachtet als wir und wollte selbst nachsehen. Zu meiner großen Überraschung stellte er fest, dass sie komplett war und lockte auf Anhieb beachtliche Klänge aus dem alten Instrument.

Auch im Berliner Zentralregister gab es zur Orgel gegensätzliche, falsche Aussagen. Inzwischen hat Pfarrer Schüssler im Groß Döllner Kirchenbuch den Nachweis gefunden und uns mitgeteilt, dass unsere jetzige Orgel eine Lütkemüller-Orgel aus dem Jahr 1883 ist. Sie wurde 1981 nach Kurtschlag umgesetzt. Sie stammt aus Zechow bei Rheinsberg. Die ursprüngliche alte Orgel des Ortes ist in Groß Dölln und stammt aus der Orgelbauerwerkstatt von Albert Hollenbach aus Neuruppin.

Der Amerikaner John Barr, der in Berlin lebt, hat die Orgel inzwischen gründlich untersucht. Er war im Dezember 2005 und in diesem Jahr am 23. November und 4. Dezember in der Kirche. Auch Pfarrer Schüssler sowie die Untere Denkmalsschutzbehörde sind informiert. Das ist erforderlich, um Probleme, wie sie in Mildenberg auftraten, zu vermeiden. Finanzielle Hilfe können wir von solchen Behörden kaum erwarten. Wir sind im Wesentlichen auf uns selbst gestellt.

John Barr hat enge Kontakte zu Experten, so zu dem Orgelbauer Berndt Kühnel aus Göttingen, der ihn berät. Bernd Janowski vom "Förderkreis alte Kirchen Berlin Brandenburg" und Lothar Keil (pensionierter RBB- Filmemacher der über John Barr einen Film gedreht hat) waren am 4. Dezember auch in der Kurtschlager Kirche und haben sich für die Orgel interessiert. Evelyn Baer (ehemalige Leiterin der Denkmalbehörde), die John Barr seit Jahren kennt, bat ihn inständig, mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit weiter zu machen: "Hör bloß nicht auf mit deinen Orgelprojekten. Wenn Du das nicht machst, gehen sie alle zugrunde, denn wir haben kein Geld".

John Barr hat sich intensiv über sehr viele Einzelheiten unserer Orgel mit Sachverständigen ausgetauscht. Er ist der Ansicht, dass unsere Orgel mit einem Aufwand von maximal 1000 Euro konzerttauglich zu machen ist, wenn die erforderlichen Arbeiten in privater Eigeninitiative ehrenamtlich getan werden. Die Kurtschlager sollten die Unterstützung eines begeisterten Experten, der bereit ist, sein Wissen und Können ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen, nutzen.

Die Kosten der Orgelinstandsetzung entstehen für Material und zum Beispiel für die Fahrkosten von Orgelbauer Berndt Kühnel, der die Pfeifen klanglich in Ordnung bringt und stimmt. John Barr sagt etwas lakonisch über sich, wenn wir wüssten, wie vernarrt er in die alten Orgeln ist und welchen Spaß er dabei hat, sie wieder funktionieren zu sehen, würden wir sein Engagement vielleicht nicht mehr so beeindruckend finden. Ich glaube hier irrt Herr Barr, denn wir haben allerhöchste Achtung vor soviel Einsatz und würdigen dieses sehr, sehr hoch. Das elektrische Gebläse für die Orgel ist scheinbar relativ leicht in Ordnung zu bringen. Eine erste Untersuchung ergab, dass der Ventilator frei und leicht läuft und der Motor funktionstüchtig ist. Die Stromleitungen führen jedoch nicht die erforderlichen Spannungen zum Motor. Eventuell müssen sie erneuert oder nur Schalter ausgetauscht werden.

Nach neuestem Stand interessieren sich auch junge Leute unseres Dorfes für das Orgelspielen. Ein Orgelkonzert mit der 130 Jahre alten Orgel in Kurtschlag wäre doch ein tolles Erlebnis. Herr Barr hat uns angeboten, seine Kontakte in der Orgelwelt für Konzerte in Kurtschlag anzuzapfen. Deshalb bitte ich Sie, bei dem Weihnachtskonzert am 17. Dezember ab 15 Uhr dieses Vorhaben der Instandsetzung unserer Orgel tatkräftig zu unterstützen.

(Der Autor ist Ortsbürgermeister von Kurtschlag)

Märkische Allgemeine vom 13. Dezember 2006

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