SOMMERFELDER SPENDETEN FÜR DIE SANIERUNG DES GOTTESHAUSES / FESTGOTTESDIENST ZUR ERÖFFNUNG

Für die Kirche haben sie immer etwas übrig

ANDREA KATHERT

SOMMERFELD Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Gerade dann, wenn mehrere Leute bei einer Sache mitmischen. So gehen auch in Sommerfeld die Meinungen auseinander, was den neuen Putz der Dorfkirche betrifft. In der Tat ist der bräunliche Mörtel vollkommen ungleichmäßig auf die Fassade gebracht worden. Doch wohinter einige eine schlampige Arbeitsweise vermuten, stecken denkmalschützerische Ansätze. Denn das Gotteshaus sollte ganz seinem alten Vorbild nachempfunden sein.

Etwas versöhnlicher macht dann wohl ein Blick in das Innere. Hier wird jeder Besucher entschädigt, der ein Faible für Deckenmalereien hat.

Die Geschichte der Sommerfelder Kirche greift zurück bis ins Jahr 1592. Vermutlich wurde sie als Lehmfachwerk errichtet. So genau kann es auch Pfarrer Thomas Triebler nicht aus den alten Unterlagen, die überliefert sind, herauslesen. Doch wahrscheinlich wurde das alte Schiff irgendwann abgerissen. Am alten Turm entstand ein neues Schiff aus Steinfachwerk. Dazu mussten die 60-jährigen Ersparnisse, genau 600 Taler, herhalten.

Der spätgotische Schnitzaltar aus dem Jahr 1592 wurde über all die Jahre gerettet und ziert noch heute die Empore der Kirche. Zu den Kostbarkeiten zählt auch die Kanzel, die der Berliner Bildhauer Eben 1734 geschnitzt hatte. Sechs Jahre später wurde die Kanzel von Maler Crüger aus Oranienburg ausgemalt.

Vier Jahrzehnte später war der alte Kirchturm nicht mehr zu halten. 1788 wurden 482 Taler aufgebracht, um ihn neu aufzubauen. Doch bereits 1793 musste er repariert werden, weil ein Sturm über dem Dorf gewütet hatte. Zimmerer Johann Köhn aus Zehdenick verdiente sich damals einen Haufen Geld. 620 Taler bekam er 1795 vom Kurmärkischen Kirchen Direktorium für seine Arbeit.

Doch danach ging es bergab mit der Sommerfelder Kirche. Über die Jahrzehnte verfiel sie. Und 1867 erklärte man das Gotteshaus für baufällig. Aus dieser Zeit stammt ein Bauplan für eine neue Kirche, der aber nicht ausgeführt wird.

Im Jahr 1889 durfte Zimmerer Sittel aus Kremmen die letzten Reparaturen an dem Kirchenbau vornehmen, 1100 Reichsmark bekam er.

1910 wurde der Beschluss zu einem Neubau gefällt. Die geplanten Baukosten lagen bei 45 000 Reichsmark. Eine Kirche mit 310 Sitzplätzen sollte es werden, massiv gebaut und beheizbar. Doch es gab keine Einigung über die Baukosten. Während die Gemeinde Sommerfeld ihre Hand- und Spanndienste anbot, sich also mit Sachleistungen einbringen wollte, drang der Fiskus darauf, Bargeld zu sehen. Statt den Streit auszusitzen, nahm die Gemeinde eine Anleihe von 10 000 Reichsmark auf, ließ Pfingsten 1913 die alte Kirche abreißen und vom Hochbauamt in Nauen eine neue errichten.

Irgendwie scheint es in Sommerfeld zu einer schönen Tradition geworden zu sein, immer etwas für die Kirche zu tun und manchmal mit Sachen zu beginnen, obwohl noch nicht genügend Geld dafür da ist. "So ähnlich lief es im Grunde mit der jetzigen Sanierung", erzählt Pfarrer Thomas Triebler.

1995 fing alles an mit dem neuen Dach. Zu Weihnachten 1996 trat Triebler seinen Dienst an. Und seit dem Erntedankfest 1997 wird für die Sanierung gesammelt, weil der Putz in großen Brocken vom Kirchturm herunterfiel.

Als 1999 die Sanierung begann, waren schon viele Gespräche mit dem Denkmalschutz geführt worden. Ergebnis: Die Kirche soll Schritt für Schritt auf die Baufassung von 1913 zurückgeführt werden. Dazu zählt das preußische Blau, das nun die Bänke und die Wände ziert. 1999 wurde auch die Orgel aus dem Jahr 1880 restauriert. Ein einheitliches Gesamtbild ist nun allerdings noch nicht gegeben. Der große Kanzelaltar aus dem Jahr 1746 trägt noch die Farben aus den 30er-Jahren vorwiegend in Bordeaux und Grün. Aus dieser Zeit stammt auch das Deckenbild. Während die Außenhülle der Kirche fertig ist, gibt es im Inneren immer noch etwas zu tun. So soll beispielsweise die Bretterwand zum Gemeinderaum noch gläsern gestaltet werden.

Viele gaben Geld für die Sanierung, stehen hinter der Kirche und haben ihren Anteil an der Sanierung. Dafür möchte Pfarrer Thomas Triebler allen danken, besonders den Sommerfeldern. Mit einem Gottesdienst am 13. Januar um 16 Uhr soll die sanierte Kirche feierlich eingeweiht werden. Im Anschluss lädt die evangelische Frauenhilfe zu einem kleinen Abendimbiss.

Die Kosten der Sanierung

Für die Sanierung der Sommerfelder Kirche werden mehr als 100 000 Mark gebraucht.
Den Grundstock für die Sanierung legten die evangelische Frauenhilfe und der Sommerfelder Bastelkreis, die mehrere 1000 Mark spendeten.
Als rund 25 000 Mark zusammen waren, wurden Fördermittel beantragt.
Die Landeskirche gab 20 000 Mark, der Kirchenkreis Oranienburg 15 000 Mark.
Das Amt für Flurneuordnung genehmigte im Rahmen der Dorferneuerung einen Zuschuss von 22 000 Mark.
Die Gemeinde Sommerfeld stellte 10 000 Mark Mark zur Verfügung.
Die Sparkasse spendierte 1000 Mark.
Die Sommerfelder sammeln weiter für ihre Kirche.


 
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