Verschwunden geglaubter Kirchenschatz taucht wieder auf

Altar des Gotteshauses in Möthlitz war über Jahre unvollständig / Hartnäckiger Pfarrer holt den wertvollsten Mosaikstein zurück

MÖTHLITZ Der Altar der Kirche im kleinen Dorf Möthlitz (Gemeinde Milower Land) hat wieder ein Gesicht. Dort, wo im Augenblick noch ein hässliches schwarzes Loch ist, wird schon bald das rund 400 Jahre alte Altarbild eingesetzt. Am Sonntag, beim Gottesdienst, haben es die Möthlitzer schon einmal in Augenschein genommen. Das Altarbild zeigt Jesus mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl.

Pfarrer Andreas Henke, der schon bald in Salzwedel predigen wird und das Kirchspiel Nitzahn verlässt, hat lange recherchiert. Die Dorfkirche wurde um 1608 errichtet. "Aus dieser Zeit muss auch das Altarbild sein", sagt der Pfarrer.

1962 wurde die Möthlitzer Dorfkirche im Auftrag des Gemeindekirchenrates renoviert. "In dieser Zeit wurden Schritte unternommen, um Kircheninventar zu sichern und zu erhalten", erinnert sich Frank Richter. Er war damals Pfarrer in der Kirchengemeinde.

Über die weitere Reise des Möthlitzer Altarbildes werden mehrere Geschichten erzählt. Stationen sollen das Kreismuseum Rathenow, die Kirche im havelländischen Senzke und ein Museum in Berlin gewesen sein. Im Domstiftmuseum Brandenburg/Havel hat man andere Erkenntnisse. Das Altarbild sei 1962 direkt nach Brandenburg/Havel gebracht worden, heißt es. Dort wurde es im Domstiftmuseum aufgehängt und später restauriert.

Als Mitglieder der Kirchengemeinde Möthlitz 1986 das Domstiftmuseum besuchten, entdeckten sie eher zufällig "ihr" Altarbild. Obwohl die Reisegruppe es am liebsten gleich mitgenommen hätte, verblieb das Kunstobjekt vorerst in Brandenburg.

Als Pfarrer Andreas Henke das hörte, beschloss er, das Altarbild heimzuholen. Mit dem Domstiftmuseum wurde ein Kaufpreis von 5000 Euro vereinbart. "So viel kostete die Restaurierung", erklärt Pfarrer Henke.

5000 Euro sind für die Kirchengemeinde eines kleinen Dorfes eine Menge Geld. Doch die Landeskirche Magdeburg steuerte 3000 Euro bei und der Kirchenkreis Burg gab 1500 Euro. 500 Euro brachte die Kirchengemeinde selbst auf.

Beim Gottesdienst am vergangenen Sonntag stand das Bild neben dem Altar. Der Aufsatz war vor Jahren zerlegt und eingelagert worden. Die Einzelteile wurden wieder zusammengefügt. Allerdings ist die Aussparung, in die das Bild gehört, um ein paar Zentimeter zu klein geraten. Ein Restaurator wird nacharbeiten, damit das Altarbild endgültig wieder an seinen Platz kommt.

Warum die Teile plötzlich nicht mehr zusammenpassten, kann sich Pfarrer Andreas Henke auch nicht erklären. "Aber das kleine Malheur lässt sich ja beheben", sagt er.

Der Pfarrer lacht. Seine "Mission Altarbild Möthlitz" ist erfolgreich abgeschlossen. Mal sehen, ob er in Salzwedel eine ähnliche Spürnase für verschwunden geglaubte Kirchenschätze besitzt. ns/wil

Märkische Allgemeine vom 07. März 2006

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