300-JÄHRIGES JUBILÄUM FÜR DIE BEETZER KIRCHE / FEIER AM SONNTAG

An der ältesten Stelle im Dorf

ANDREA KATHERT

BEETZ Seit drei Jahrhunderten, und zwar mindestens seit drei Jahrhunderten, haben die Beetzer schon ihre Kirche. Sie steht an der wohl ältesten Stelle im Dorf, am so genannten Viehhof. 1704 ist sie erbaut. Doch Historiker vermuten, dass schon viel früher ein Gotteshaus in Beetz gebaut wurde. Zu belegen ist das aber nicht. Erst für das Jahr 1491ist eine Altarstiftung überliefert. Die Lage zweier Grüfte im Chorbereich könnten auf zwei Vorgängerbauten hinweisen.

Eine große Rolle in der Geschichte des Ortes spielte die Familie von Redern. Bereits 1397 besaß sie Beetz als Lehen.

Der Dreißigjährige Krieg und schwedische Truppen setzten den Menschen in Beetz schwer zu und stürzten sie um 1675 in große Armut. Erst als es wieder aufwärts ging, wurde 1703 - so besagt es das Kirchenbuch - die alte Kirche abgerissen und eine neue erbaut. 1704 fand schon die erste Trauung in der neuen Fachwerkkirche statt.

Der Saalbau zeigt einen rechteckigen Grundriss. Im Osten schließt er mit einem fünfseitigen Chorraum ab. Von weitem gut sichtbar erhebt sich über dem Eingang ein verbretterter, quadratischer Turm, der zwei Glocken aus dem 14. Jahrhundert trägt. Wer gute Augen hat, kann in der Wetterfahne die Jahreszahl 1758 erkennen. Es ist das Jahr, in dem erste größere Reparaturen an der Kirche und am Turm nötig waren.

Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Gemeinde große Pläne. Sie stellte sich den Bau einer neugotischen Steinkirche vor. Sicherer, größer und vor allem schöner als der Fachwerkbau sollte sie sein. Doch die Beetzer kamen schnell auf den Boden der Tatsachen zurück - es fehlte das Geld für einen Neubau. Stattdessen wurde die alte Kirche umfangreich instand gesetzt. Ein Treppenaufgang im Fachwerkstil an der Nordseite kam hinzu. Während der Renovierung gestaltete der Maler Robert Sandfort den Innenraum neu.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges blieb auch die Beetzer Kirche nicht verschont. Bombensplitter trafen den Chorraum. Eine Mutter und ihre beiden Kinder kamen dabei ums Leben. Noch heute sind die Einschläge der Splitter an der rechten Seite des Kanzelaltars zu sehen.

Die letzte große Restaurierung erfuhr die Kirche 1993 bis 1995.

Noch viel mehr Einzelheiten zur Kirche und der Gestaltung des Inneren hat die Kirchengemeinde in einer kleinen Broschüre zusammengefasst, die am kommenden Sonntag beim Festgottesdienst zum 300-jährigen Jubiläum ausliegt. Im August soll ein Büchlein mit der Chronik der Beetzer Dorfkirche erscheinen.

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