Ein Taufstein aus Venedig

Von außen schlicht innen ist die Blankenseer Dorfkirche reich und qualitätsvoll ausgestattet

GERTRAUD BEHRENDT

BLANKENSEE Immer den Schildern zum Bauernmuseum folgen. Das ist wichtig, weil Blankensee zwei Kirchen hat. In Museumsnähe befindet sich die Dorfkirche. Ihr grauer Putz lässt nicht viel erwarten. Doch das Äußere täuscht. Sehr sogar. Innen ist Blankensees Dorfkirche überraschend reich und qualitätsvoll ausgestattet.

Deshalb wechseln sich sechs Frauen ehrenamtlich ab, jeden Sonnabend von 14 bis 16 Uhr die Kirche offen zu halten von Ostern bis Erntedank. Eine von ihnen ist Anita Lapsien. Ihr gefällt einfach alles in ihrer Kirche. "Man kommt ja auch in andere, aber so schön sind die nicht", sagt sie über das Gotteshaus. Sie freut sich schon, wenn sich am dritten Septemberwochenende davon besonders viele Gäste überzeugen werden. Dann nämlich feiert Blankensee den 700. Geburtstag.

Noch älter ist der venezianische Taufstein. Der gefällt der Kirchenältesten Hella Strüber am besten. Seine ungewöhnliche blockartige Form fällt auf. Das kostbare Stück stammt aus der ersten Hälfte des 11.Jahrhunderts und war ursprünglich ein Brunnenstein.

Dieter Strüber, der seiner Frau gern hilft, das Gotteshaus für die regelmäßigen Konzerte in der Sommersaison vorzubereiten, erzählt: "Das Kuratorium der Sudermann-Stiftung hat der Gemeinde in Anbetracht der langjährigen Verbundenheit des Dichters den Stein geschenkt. Sudermann hatte den Stein auf seiner Forschungsreise gekauft und 1903 im Park aufstellen lassen. Nach dem Krieg lag er im Wasser und wurde 1955 geborgen." Er hat auch gleich das Datum der Schenkung parat. Sie erfolgte am 14. Oktober 1955.

Zur Ausstattung liegt Informationsmaterial bereit. Aber nicht alle Fragen können beantwortet werden. "Es ist noch viel zu erforschen", begründet Dieter Strüber. So wurden einige Unterputzmalereien erst 1991 freigelegt. Zu der Zeit wurden auch die Bleiverglasungen der Patronatsloge erneuert. Die diente der Familie von Thümen. 16 Ahnenwappen an der Loge, die heute zuweilen für Ausstellungen genutzt wird, zeugen noch davon.

Wer sich mit der Dorfkirche befasst, kommt um die Familie von Thümen nicht herum. Waren ihre Oberhäupter doch von 1446 bis 1902 Patronatsherren und ließen zwischen 1706 und 1710 den barocken Neubau errichten.

Viktor von Thümen musste sich der Schulden wegen von seinem Anwesen in Blankensee trennen. Der Autor Hermann Sudermann, der mit ihm befreundet war, hat das Schloss zunächst gepachtet und kaufte es 1902.

Bis 1706 stand eine Fachwerkkirche ohne Turm im Dorf. Die Altarwand, an der 1991 die Fresken zum Vorschein kamen, wurde in den Neubau einbezogen; der Altar stammt aus dem Jahr 1706. Bei ihm sieht man sofort, dass es sich um einen Kanzelaltar handelt ein Vorhang hängt vor der Kanzel, kein aufklappbares Bild wie beispielsweise in Bochow.

Doch Blankensee ist viel bekannter. Theodor Fontane hat im vierten Teil seiner Wanderungen durch die Mark auch Blankensee beschrieben. Davon profitieren Dorf und Kirche, obwohl die jetzige Ausstattung bei Fontanes Besuch 1869 noch gar nicht vorhanden war. Denn einiges steuerte Sudermann erst danach bei.

Das Epitaph für Christian Wilhelm von Thümen, das von Sanssouci-Bildhauer Friedrich Christian Glume stammen soll, hat auch Fontane fasziniert. Wegen seiner Beschreibungen kämen viele Touristen, freut sich Hella Strüber über den Bekanntheitsgrad. In diesem Jahr lassen sich sechs Paare in dieser Kirche trauen. "Manche bringen ihren Pfarrer mit", erzählt Hella Strüber, die seit 1995 im Gemeindekirchenrat ist.

Silvester reisten auch Berliner an. Seit zwei Jahren gibt es den Brauch, das alte Jahr um Mitternacht mit einer kurzen Andacht und Glockenläuten zu verabschieden, um dann das neue Jahr mit zwölf Schlägen der größten Glocke einzuläuten. Wenn alle Glocken, die kleine, die mittlere und die große läuten, stoßen die Besucher mit dem Sekt an, den sie eigens dafür mitgebracht haben. Auch dies soll zur Tradition werden.

Zum Außenputz sagt die Kirchenälteste, der müsste eigentlich weiß sein, weil es eine Barockkirche sei. Aber das Geld fehle und der Putz sei noch in Ordnung. Außerdem ist die Gemeinde sogar stolz darauf. Denn, als er bröckelte, haben sich Laien der Kirchgemeinde und Maurer zusammengetan und gemeinsam den Putz erneuert. Auf dem Dach des Turmes ist noch das Jahr der Gemeinschaftsarbeit von 1981 zu lesen.

Vieles gäbe es noch zur Kirche und zu deren Geschichte zu sagen. Doch wer nach Blankensee kommt, steht vor der Qual der Wahl: Auch Bauernmuseum, Sudermann-Park, zum Teil von Lenné gestaltet, Wanderwege sogar auf einem Holzsteg über den See, Betriebe und Lokale ringen um die Gunst des Publikums.

Wer den Ausflug nach Blankensee nicht am Sonnabend plant, kann die Kirchenbesichtung vereinbaren bei Fechner unter Tel. (033731)12247, bei Anita Lapsien, Tel. 10569, im benachbarten Bauernmuseum, Tel. 80011, und bei Hella Strüber, Tel. 10582, immer mit der zuerst genannten Vorwahl.

Das nächste Konzert gibt es Sonnabend, dem 2. Juni. Um 17 Uhr ist das Bläserensemble der Potsdamer Orchesterwoche zu hören.

Märkische Allgemeine vom 24. Mai 2007

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