Ein Gotteshaus aus Findlingen

Die alte Feldsteinkirche an der Dorfaue ist heute ein Wahrzeichen des Ortes mit reicher Geschichte

Die Gemeinde Bestensee feiert in diesem Jahr 700 Jahre ihres Bestehens. Einige Orte aus der langen Geschichte können heute noch besucht werden. Der Dahme-Kurier stellt sie in loser Reihenfolge vor. Heute geht es um die Dorfkirche direkt an der Dorfaue.

BESTENSEE Das älteste Gebäude in Bestensee ist die alte Feldsteinkirche direkt an der Dorfaue. Wer zufällig hier vorbei kommt, verweilt unwillkürlich - das Ensemble ist zu schön, um einfach daran vorbei zu eilen. Jeder Stein scheint hier Geschichte zu atmen. Wann sie erbaut wurde, lässt sich nicht genau sagen. Die Jahreszahl 1375 auf der Wetterfahne deutet jedoch auf die ungefähre Zeit ihrer Entstehung hin. Groß und Klein Besten - aus denen später Bestensee wurde - werden im Landbuch von Kaiser Karl IV. von 1375 erstmals erwähnt. Darum ließ Pfarrer Borchert diese Jahreszahl in die Wetterfahne schreiben.

Möglich ist aber auch, so weiß Ortschronist Wolfgang Purann, dass das Gotteshaus etwa hundert Jahre älter ist. Als die ersten deutschen Siedler um das Jahr 1300 in die Gegend kamen, erbauten sie im Zuge der zahlreichen Siedlungsgründungen auch das Dorf Bestewyn. Und zwar gleich mit der Kirche. Da ihnen selbst Erfahrungen zum Bau solcher Gebäude fehlten, ließen sie die Kirche wahrscheinlich von Zisterziensern errichten. Grundmaterial waren Findlinge.

Errichtet wurde die Kirche als Wehrkirche ohne Turm. Sie sollte der Bevölkerung in Kriegszeiten als Zufluchts- und Verteidigungsstätte dienen. Dadurch waren die Fenster nicht größer als Schießscharten und ließen wenig Licht in das Kircheninnere, so dass ihre Besucher selbst am hellerlichten Tage kaum die Zeilen im Gesangsbuch entziffern konnten. Der für Groß Besten zuständige Prediger Pascharius Marggraf aus Schenkendorf schrieb 1713: "Die Filialkirche Groß Besten wurde bald nach meinem Andienst 1702 repariert, welche so dunkel war, dass die Leute weder einen Bibelspruch noch ein Lied aufschlagen und mitlesen konnten..." Freiherr von Löben ist es zu verdanken, dass die alte Wehrkirche damals nicht nur repariert, sondern auch umgebaut wurde. So erhielten die Fenster ihre heutige rundbögige Gestalt. Die alte gotische Fensterform ist zugemauert noch im Ostgiebel in der Mitte zu sehen. Eine elektrische Beleuchtung kam erst 1915 in die Kirche. Leider wurde in der Zeit des Umbaus im 18. Jahrhundert ein wertvolles Kunstwerk vernichtet. Es ist der alte Altar mit zahlreichem hölzernem Schnitzwerk, der etwa zwölf bis zu einem Meter große Holzfiguren gehabt hat. Zwei Figuren - die "Stehende Anna selbdritt" und die "Heilige Dorothea" - waren bis zum Zweiten Weltkrieg im Zossener Kreismuseum ausgestellt. Danach, so der Ortschronist, verliere sich ihre Spur. Die restlichen Figuren sollen noch über Jahrzehnte in Groß Besten gelagert gewesen sein, wurden aber bis heute nicht gefunden.

An der Stelle des 1702 abgerissenen Altars steht nun ein anderer Altar mit hölzernem Aufbau, einem plastischen Kruzifix aus Stuck, einem Aufsatz aus Pilastern und Schnecken, Lamm und Pelikan. Unweit des Altars steht ein rundes Messingtaufbecken mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern. Es stammt aus dem 17./18. Jahrhundert.

Bauliche Veränderungen wurden noch einmal Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommen. Die südliche Empore wurde bis zur Altarwand durchgezogen und am Westgiebel der Kirche mit einem fünf Meter langen Anbau versehen, auf den der kleine Holzturm gesetzt wurde. Am neuen Westgiebel erhielt die Kirche einen zweiten Eingang.

Die ersten Aufzeichnungen über Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle beginnen 1662 mit der Anlegung eines Kirchenbuches. Es wurde bis 1799 geführt. Es ist anzunehmen, so Purann, dass es nicht das älteste ist. Denn im Vorwort des noch vorhandenen stehe, dass etliche Namen aus dem "alten Kirchen Buch" übernommen worden seien.

Märkische Allgemeine vom 23. Juni 2007

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