"Tapetenwechsel" im Gotteshaus

Restauratoren und Zimmerer nehmen sich Ende August der Bergsdorfer Kirche an / Arbeiten am Dachgebälk

BERGSDORF Es war der vorerst letzte Gottesdienst, der am Sonntag in der Bergsdorfer Kirche stattfand. Für die kommenden drei Monate muss die Gemeinde ins Pfarrhaus umziehen. Ab dem 20. August nehmen Restauratoren und Zimmerer das im 13. Jahrhundert erbaute Gotteshaus unter ihre Fittiche.

Wie Pfarrer Hans-Joachim Vanselow gestern erklärte, müssten vom Schwamm befallene Dachbalken ausgetauscht werden. Zudem sei geplant, die seltene Deckentapete der Bergsdorfer Kirche freizulegen und zu sichern.

An der Sanierung beteiligen sich sowohl der Kirchenkreis mit 30 000 Euro und die Landeskirche mit 25 000 Euro als auch die Kirchengemeinde mit rund 20 000 Euro dieses Geld stammt zum Teil aus Spenden sowie aus den gemeindlichen Rücklagen für Bauvorhaben.

Dass sich auch die Landeskirche finanziell engagiert, liegt wohl unter anderem an der ganz besonderen Papierdecke, die es in dieser Form nach dem Wissen von Pfarrer Vanselow landesweit nur noch in der Kirche Alt-Wustrau gibt. Mit Schablonen und frei Hand wurden in Bergsdorf aufwändig verzierte Papierbahnen (um 1900) an die Wand gebracht. In den 60er-Jahren verschwand die kunstvolle Deckentapete unter grauen Platten. Bei einer Voruntersuchung zur anstehenden Schwammbeseitigung sind die alten Muster wieder zum Vorschein gekommen. Es gibt noch Gemeindeglieder, sagt Vanselow, die unter dem "Mustergemälde" ihre Konfirmation gefeiert haben und versichern können, dass die Deckenzierde sogar bis in den Altarraum hinein reicht. Es wird nun Aufgabe der Papierrestauratoren sein, das Verborgene zum Vorschein zu bringen und so weit wie möglich zu erhalten. Wann an eine Restaurierung dieses Blickfanges zu denken ist, kann Pfarrer Vanselow derzeit nicht abschätzen. Sicher ist, dass es ein sehr aufwändiges und wohl auch kostenintensives Verfahren werden würde. Ebenfalls auf unbestimmte Zeit verschoben, aber nicht aufgehoben sind die Überlegungen, auch die Wände, von denen stellenweise bereits der Putz abbröckelt, und den Altarraum in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Restauratoren haben sich vor geraumer Zeit durch die vielen Farbschichten der Wände "gegraben" und legten tatsächlich den Putz aus dem 13. Jahrhundert frei (MAZ berichtete). Anhand der kleinen Sichtfenster, die die Fachleute markiert und beschriftet haben, wird der Unterschied zur heutigen Wandfarbe ersichtlich. Auch unter der weißgrauen Fassade der barocken Altarkanzel, die im 18. Jahrhundert errichtet wurde, verbirgt sich mehr Glanz: Rottöne und Goldspuren.

Der Austausch der Dachbalkenköpfe ist aber erst einmal wichtiger. Es müsse verhindert werden, dass sich der Schwamm ausweitet, sagt Vanselow. Als das Kirchendach vor Jahren neu gedeckt wurde, hätte das Malheur bereits entdeckt und behandelt werden müssen. Wurde es aber nicht. Allerdings sei das Gebälk durch die neue Dacheindeckung trockengelegt und der Schwamm in seiner Entwicklung kurzzeitig gestoppt worden. Trotzdem muss nunmehr bis zur Tragkante das Dach abgenommen werden, um an die Balken zu kommen.

"Es wäre schon eleganter gewesen, damals alles in einem Rutsch zu machen", so Hans-Joachim Vanselow. Das sei nun nicht mehr rückgängig zu machen, aber dafür diesmal umso gründlicher zu richten. Die Arbeiten begleitet die Architektin Sibylle Stich, die der Gemeinde bereits bei der Dachsanierung der Falkenthaler Kirche zur Seite stand.

Pfarrer Hans-Joachim Vanselow hat gleichzeitig angekündigt, sich im Herbst dieses Jahres aus gesundheitlichen Gründen eine kleine Auszeit zu nehmen.

Während dieser Zeit wird die Bergsdorfer Gemeinde von der Gutengermendorfer Pfarrerin Elke Unterdörfel betreut. Um die anderen Gemeinden des Sprengels kümmert sich dann Pfarrer Gerhard Gabriel aus Grüneberg.

Märkische Allgemeine vom 08. August 2007

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