Rettung durch Verkauf?

Gemeindeversammlung zur Zukunft des Buckower Gotteshauses

Kirche Buckow 
Verkaufen, verpachten oder behalten: Die Zukunft der Buckower Kirche ist ungewiss.
Foto: Stein

BUCKOW - Die Reformationsgemeinde, zu der auch die Christen aus dem kleinen Dorf Buckow bei Nennhausen gehören, vereint 16000 Evangelisten und ist für 16 Kirchen, fünf Pfarrhäuser und 12 Friedhöfe verantwortlich. "Auf Dauer sind wir nicht in der Lage, alle Objekte aus eigener Kraft zu erhalten", machte Andreas Tutzschke, Vorsitzender der Reformationsgemeinde, am Donnerstag zum Auftakt einer für die Region bisher einmaligen Veranstaltung in der Nennhausener Kirche deutlich. Der Vorstand der Reformationsgemeinde hatte zu einer Gemeindeversammlung eingeladen, bei der es um die Zukunft der Kirche in Buckow ging. Schon die Ankündigung in der Einladung mit den Varianten "Verkauf oder Verpachtung", machte die Brisanz des Abends deutlich.

Für die Buckower Kirche gibt es einen Interessenten. Der Künstler Ralf Sander möchte das Gotteshaus kaufen und für Ausstellungen und als Atelier nutzen. Sander war selbst nicht anwesend. Er arbeitet derzeitig als Gastdozent in Belfast. Seine Mutter wohnt in einem Haus neben der Buckower Kirche. Am Ende einer lebhaften Diskussion von rund 30 Besuchern stand aber fest, dass es keinen Verkauf der Kirche geben wird. "Die Buckower Kirche soll eine gewidmete Kirche bleiben. Wir werden einem Verkauf nicht zustimmen", erklärte Mathias Hoffmann-Tauschwitz, Leiter des landeskirchlichen Bauamtes Berlin-Brandenburg.

Die Zustimmung für eine langfristige Verpachtung kann er sich indes vorstellen, aber auch unter der Prämisse, dass in der Kirche weiter kirchliche Veranstaltungen stattfinden und die private Nutzung nicht dem kirchlichen Widmungsgedanken widerspricht. Der Vorstand der Reformationsgemeinde will nun mit dem Künstler sprechen, ob er zur Übernahme der Kirche in Erbbaupacht bereit ist. In den Gesprächen soll es auch um Vorbehalte gehen, die von Buckowern an dem Abend geäußert wurden. Diese mahnten die Wahrung der Gedenk -und Totenruhe auf dem Friedhof vor der Kirche an, plädierten für die Wahrung eines öffentlichen Charakters des Hauses und forderten, an Fest- und Feiertagen weiterhin Gottesdienste in der Kirche abhalten zu können.

Die Kirche wurde vor etwa 800 Jahren errichtet und ist heute in einem relativ guten baulichen Zustand. Größere Sanierungsarbeiten sind in den nächsten Jahren nicht notwendig. "Aber wenn sie nicht genutzt wird, verfällt sie mit der Zeit. Deshalb sollten wir die Chance nutzen. Es geht nicht um eine Aufgabe, sondern den Erhalt der Kirche", machte Tutzschke seine Auffassung klar.

Die Buckower Kirche ist eine von vier in Brandenburg erhaltenen Wallfahrtskirchen. Damit hat sie geschichtliche Bedeutung. In der Diskussion unterstrich Hartmuth Kühne, Kirchenhistoriker und Wissenschaftler an der Berliner Humboldtuniversität, die Bedeutung der Kirche und verwies auf eine Urkunde im Vatikanischen Archiv, die bezeugt, dass Papst Bonifaz IX. im Jahr 1401 jedem Besucher der Buckower Kirche an hohen Feiertagen sieben Jahre Nachlass der zeitlichen Sündenstrafen zusicherte womit die Wallfahrt auch von höchster Stelle legitimiert war.

"Wir dürfen uns an der 800-jährigen Geschichte der Buckower Kirche nicht versündigen", argumentierte Mathias Hoffmann-Tauschwitz und sprach sich wie Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, für die Beibehaltung des kirchlichen Eigentums in Buckow aus. "Wir haben aber auch nicht das Recht an der Gegenwart und Zukunft Sünde zu begehen", setzte dem Felix Doepner, Pfarrer i.R. aus Nennhausen entgegen. Immer weniger Kirchenmitglieder, fehlende Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement und andere Entwicklungen sind für ihn Fakten, die verlangen neue Wege zu gehen. Für den obersten Baumann der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg ist es ein "abenteuerlicher Weg" die Kirche in private Nutzung zu übergeben.

"Wir sollten dieses Abenteuer wagen",setzte ihm Gemeindepfarrerin Gabriele Zieme entgegen. Aus ihrer Sicht ist es noch abenteuerlicher zuzuschauen, wie Kirchen zunehmend verfallen. (Von Norbert Stein)

Märkische Allgemeine vom 11. Februar 2008

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