Architektur: Nach jedem Brand wieder aufgebaut

In der Marienkirche zu Dahme wird zum Bestaunen des Innenraums und zu regelmäßigen Konzerten eingeladen

DAHME - Von außen sieht die Marienkirche in Dahme eher schlicht aus. Der dicke Barockturm mit seiner Spitze ähnelt ein wenig einer Pickelhaube. Innen ist das Haus reich ausgestattet.

Dass die Marienkirche barock ist, liegt an den Bränden, die die Vorgängerbauten immer wieder einäscherten. Zweimal wurde sogar mutwillig Feuer gelegt. 1429 steckten Hussiten Stadt und Kirche als Racheakt für die Verbrennung von Jan Hus an. 1631 betätigten sich kaiserliche Truppen als Brandstifter, weil "Ketzer" in der Kirche predigten; bereits seit 1543 ist Dahme evangelisch.

Der Name Marienkirche wurde bereits 1186 beurkundet, damals als dreischiffige Basilika. Die Seitenschiffe wurden später abgebrochen, "möglicherweise im Zusammenhang mit der Errichtung des spätgotischen Südanbaus", so im "Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler/Brandenburg" (Dehio).

Als Gegenstück zum Südanbau wurde 1512 im Norden die Annenkapelle angefügt, die ebenfalls wieder abgerissen wurde, als der Ausbau der brandgeschädigten Kirche zum Emporensaal ab 1670 erfolgte. Dabei entstanden die Treppenaufgänge zu den hufeisenförmigen zweigeschossigen Emporen. Besonders aufwendig ist die nördliche Chorempore, datiert von 1678, mit den zehn Geboten. Auf der rechten Seite erfreuen Rankenmuster das Auge. Im Holz sind Fächer eingearbeitet, vermutlich für die Gesangbücher.

Einweihung ohne Inventar

Nach jedem Brand wurde die Stadt neu aufgebaut. Die Kirche änderte sich ebenfalls der Mode der Zeit entsprechend. Dem gotischen Stil folgte der Barock, als mit dem Wiederaufbau am 16. Juli 1670 begonnen wurde.

Am 1. Januar 1671 wurde das Gotteshaus ohne Inventar geweiht. Erst 1678 folgten die Altarweihe und 1697 die Vollendung des Turmes, der damals mit Schindeln belegt war. Der große Knopf mit Schriften im Kugelbauch wurde am 3. Dezember 1698 dicht unter der Turmspitze angebracht. 1701 bekam der Turm eine Schiefereindeckung. Im zitierten Denkmalbuch steht, die Turmobergeschosse mit ins Achteck übergehendem Aufsatz und kupferbedeckter Schweifhaube stammen von 1697/98. Doch Museumsleiter Tilo Wolf hat eine Chronik, nach der der Kirchturm 1835 neu und erst 1876 mit Kupfer gedeckt wurde.

Da hatte sich schon viel verändert. 1767 hatte Dresdens Kurfürst eine Lotterie für die weitere Kirchensanierung genehmigt. Am 24. April 1707 war Herzogin Gräfin Christiana Wilhelmina, geborene von Bünau, beigesetzt worden. Die Witwe verbrachte ihre letzten Lebensjahre in Dahme und nicht in Weißenfels, weil sie als Gräfin nicht standesgemäß genug für den Weißenfelser Hof war, in den sie einst hatte einheiraten dürfen. 1905 wurde ihre Gruft bei einer umfassenden Erneuerung entdeckt. Dabei wurde auch die alte Orgel rausgerissen. Der Sargdeckel der Gräfin, eine Zinntafel und ein Kruzifix aus dem Sarg sind jetzt im Museum der Stadt.

Auch der Sturm bereicherte den Museumsfundus. Als er am 18. August 1930 den Stern von der Kirchturmspitze riss, wurde er nicht wieder angebracht, sondern ins Museum gegeben.

Die große Orgel kam 1687 ins Haus. Gottfried Brumme aus Wittenberg reparierte sie 1720. Eine neue könnte 1807 eingebaut worden sein. Denn die Chronik berichtet von der Orgelweihe im Jahr 1808. Der Bauherr wurde nicht genannt. 1904 veranschlagte Schuke 6000 Mark für die Erneuerung der Orgel. 1905 riss Schuke die alte ab und setzte seine ein.

1980 schloss die Kirche einen Orgelbauvertrag mit dem VEB Schuke in Potsdam. 1987 wurde mit dem Bau begonnen, 1988 war die Verjüngungskur des Prospekts von 1807 abgeschlossen und 1989 der Bau der großen Orgel.

Kleine Orgel für den Winter

Die kleine Orgel wird seit 1992 vom "Seminar für kirchlichen Dienst" und für Wintergottesdienste genutzt. Aber in so einer großen Kirche ist es meistens kühl. Wohl deshalb liegt im Notenschrank bei der großen Orgel sicherheitshalber ein Heizkissen. Falls es zu warm werden sollte, wurde ein Kleiderhaken angebracht.

Die beheizbare Winterkirche ist keine Baustelle, sie sieht nur so aus. Der Kronleuchter scheint an einer Plasteplane zu hängen. Erst von der Empore aus ist die sichere Befestigung zu sehen. 1996 wurde der südliche Querarm durch eine Glaswand vom Hauptschiff abgetrennt und als Winterkirche eingerichtet.

Darüber gibt ein Merkblatt Auskunft. Darin steht auch, dass zwei Glocken im Turmeingang liegen. "Sie befinden sich jetzt im Altarbereich", so Tilo Wolf. Er nimmt an, dass sie zur Kirchturmuhr gehört haben. "Am 23. Juli 1917 zum Ende der Kriegsbetstunde wurden die beiden kleineren Glocken abgenommen", zitiert Wolf. Sein Lieblingsplatz ist übrigens unter der Fürstenloge, "weil es der markanteste Punkt ist", begründet er und meint die Hofloge der Herzöge von Sachsen-Weißenfels auf Balusterstützen mit geschnitzten Wappenkartuschen auf der Südseite. Im Chor der Nordseite steht eine schmuckvoll verglaste Loge der Schlossherren von Bollensdorf.

Die Bänke im Schiff haben einen gesonderten Platz, wie die in der Petkuser Kirche. Allerdings ist in Dahme jeweils der erste Sitz durch die Holzkonstruktion eingerahmt.

Der Altarbereich ist nicht zugänglich. Ein Schild am Absperrseil verheißt, wenn der Bereich betreten werde, schrille die Alarmanlage. Die Warnung sieht nicht so aus, als sei sie ganz ernst zu nehmen. Doch der Wunsch sollte respektiert werden. Denn die Dahmer Kirche ist eine der wenigen, die tatsächlich offen und ohne Aufsicht zu betreten ist. Wer sich anmeldet, darf so gut wie überall hin. Hoffentlich hält das auch der neue Pfarrer so.

Reinhild und Stephan Magirius kamen 2001 nach Dahme. Zuvor war die Stelle nach dem Weggang des Ehepaars Koopmann zweieinhalb Jahre unbesetzt. Unter Magirius begann im Juni 2007 die inzwischen abgeschlossene Turmsanierung. Im August 2007 wurde das Pfarrer-Ehepaar verabschiedet, um in Altdöbern und Fürstlich Drehna zu arbeiten.

Bei der Abnahme der Turmkugel im Juli 2007 freuten sich Architekt Uwe Mücklausch, Pfarrer Magirius und Zuschauer über die alten Fotos, Münzen und Zeitungen (siehe die MAZ vom 13. Juli).

Zu sanieren ist noch viel in der Marienkirche. Das Innere wurde 1966/67 restauriert. "Die braunen Streifen an der Decke sind die Folgen einer nicht fachgerechten Behandlung des Dachstuhls mit Holzschutzmitteln in den siebziger Jahren", heißt es in einem Faltblatt, das auf einem Stapel zum Mitnehmen ausliegt.

Ein anderes Blatt listet die Konzerttermine auf, die in der Marienkirche veranstaltet werden. Das sind nicht wenige. Denn das Seminar für kirchlichen Dienst, zu dem heute fünf Häuser rund um St. Marien gehören, musiziert auch im Gotteshaus. "Das Seminar entstand 1946. Dahme hatte eine starke Gruppe der bekennenden Kirche. Die erkannte früh, dass die Entwicklung auf eine Trennung von Staat und Kirche hinausläuft", erläutert Volker Ochs. Die Kirche reagierte darauf mit der Einrichtung einer Katechetenschule, so hieß sie in den ersten beiden Jahren.

Daraus entwickelte sich das Seminar, in dem Musik ein Hauptfach ist, weil von Katecheten Musikalität erwartet wird. Volker Ochs kam 1951 nach Dahme, um die Musikausbildung in die Hand zu nehmen. Für die Ferien entwickelte er die Sing- und Orchesterwochen. Bis 1994 war Landessingwart Volker Ochs im Amt und lud zu Kursen und Konzerten ein. Die Tradition der öffentlichen Konzerte führen seine Nachfolger weiter.

(Von Gertraud Behrendt)

Daten zu Bränden und zur Öffnung

info Kirchen sind oft das markanteste Gebäude im Ort. Deshalb wecken sie Interesse. Darauf hat sich die Initiative "Offene Kirchen" eingestellt. Die MAZ stellt in loser Folge Gotteshäuser im Kreis Teltow-Fläming vor

Märkische Allgemeine vom 07. August 2008

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