TAGUNG: Darüber debattierten gestern Experten auf einer Veranstaltung des Förderkreises Alte Kirchen in Prenzlau

Welche Zukunft hat die Franziskanerkirche?

Von Oliver Spitza

PRENZLAU. Im Prenzlauer Stadtbild wirkt sie unscheinbar, bescheiden: Die Dreifaltigkeitskirche in der Klosterstraße, um 1250 als Klosterkirche der Franziskaner erbaut. Dennoch gilt sie als herausragendes Zeugnis einer bewegten Epoche. Ihrer Geschichte und Zukunft widmete sich gestern die Tagung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg unter dem Thema "Sakralarchitektur im Spannungsfeld zwischen Nutzung und Denkmalpflege".

Im voll besetzten Kleinkunstsaal des Dominikanerklosters verglich Prof. Ernst Badstübner die Prenzlauer Franziskanerkirche mit der Grabeskirche des Ordensgründers Franz von Assisi (1181 1226) in Assisi. Angus Fowler, von 1996 bis 2006 Vorsitzender des Förderkreises Alte Kirchen, stellte die Ankunft der Franziskaner in Prenzlau um 1230 in den Kontext der großen Auseinandersetzungen zwischen Papst und Kaiser Friedrich II., zwischen Pommernherzögen und Brandenburger Markgrafen, zwischen den Bischöfen in Magdeburg und Kammin.

Achim Todenhöfer verglich die Franziskanerkirchen in Aschersleben und Prenzlau und vertrat die umstrittene These, dass deren fast identische Architektur ein Bekenntnis des Konvents und der Stadt zur askanischen Herrschaft war. Die Uckermark war 1250 im Vertrag von Landin in Brandenburger Besitz übergegangen.

Den heutigen Prenzlauern dürfte es dagegen ziemlich egal sein, wann genau die Kirche nach welchen und wessen Plänen entstanden ist oder wer wie und warum das Kloster einst gefördert und ausgestattet hat. Wichtig ist: Das Gotteshaus steht weitgehend ungenutzt versteckt im Stadtbild und harrt einer neuen Nutzung. Denkmalpfleger Axel Kempert provozierte bewusst mit seinen Thesen: Die Kirche braucht diese Kirche nicht, die französisch-reformierte Gemeinde Prenzlau als Eigentümerin zählt eben nur eine Hand voll Mitglieder. Auf der anderen Seite hat Prenzlau nachdem der Kinosaal zerstört und zu einer mittlerweile schon wieder leer stehenden Kaufhalle umfunktioniert worden ist keinen repräsentativen Raum mehr. Deshalb plädiert Kempert für eine Umnutzung der Franziskanerkirche im Miteinander von Kirchgemeinde, Stadt und Kreis: "Die Kirche ist ideal, ein Ort mit Würde und Ausstrahlung." Diesen könnte man als Konzert- und Festsaal, auch als Plenarsaal für die Stadtverordneten, natürlich weiterhin auch als sakralen Ort nutzen. Das angrenzende leer und zum Verkauf stehende Prinzenpalais (Max-Lindow-Schule) könnte man in die zukünftige Nutzung einbeziehen: Büros, Sanitärräume, Gastronomie, Technik. "Da braucht man keinen neuen Plenarsaal bauen", so Kempert. Und wie hatte Bürgermeister Hans-Peter Moser zur Eröffnung der Tagung gesagt: "Als Musiker weiß ich: Diese Kirche hat die schönste Akustik in Prenzlau."

Uckermark Kurier vom 16. November 2008

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