KIRCHEN: Reiche Malerei in uralten Mauern

Die Fachwerkkirche von Dahlhausen wurde schon vor dem Dreißigjährigen Krieg erbaut

DAHLHAUSEN - In den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat man es mit den Denkmalschutz noch nicht allzu genau genommen. Als damals der neue Turm angebaut wurde, von dem später noch die Rede sein wird, hat man auf dem Dachboden das alte, hölzerne Taufbecken gefunden und man konnte sogar noch eine Jahreszahl erkennen: 1621. Es ist somit das älteste Ausstattungsstück in einer noch viel älteren Kirche. Ein paar Wurmlöcher sind zwar erkennbar. Aber ansonsten sieht man ihm sein Alter ganz und gar nicht an.

Ehemals war der Fachwerkbau innen lediglich weiß getüncht. Vor nicht ganz 80 Jahren ließ der damalige Pastor Schmidt eine grundlegende Sanierung in Auftrag geben. Bei dieser Gelegenheit wurde das Taufbecken aufgefunden. Schmidt und der Kirchenälteste Ernst Brennecke ließen sich mit ihrem Namenszug auf dem Holz verewigen, nachdem dieses zuvor von einem Tischler repariert und im selben Stil wie die Decke bemalt worden war.

Aus der Bemalung der Kirche ausgefertigt in Schablonenmalerei kann man ein Motto erkennen: Das Wort Gottes. Auf jedem zweiten Balken steht ein Bibelspruch. "Man könnte daraus ganze Predigten schreiben", sagt Pfarrer Hartmut Kluchert, der seit elf Jahren im benachbarten Pfarrhaus lebt und demnächst nach Lehnin wechselt.

Interessant, außergewöhnlich und sehr selten für die 1930-er Jahre sind auch die acht Gemälde links und rechts des Balkons an der Empore, wo bei besonderen Gottesdiensten ein Keyboard aufgestellt und gespielt wird. "Normalerweise kommen solche Bildergeschichten in der Zeit des Barock vor", sagt Kluchert. "Das war eine Zeit, in der die Menschen nicht lesen und schreiben konnten, und so hat man sich mit bildlichen Darstellungen beholfen."

Das erste Bild stellt die Jesus Geburt dar die Weihnachtsgeschichte also. Auf dem zweiten erkennt man den zwölfjährigen Jesus im Tempel. Das dritte Bild erzählt das Gleichnis vom Sämann, als das Wort Gottes bei den Menschen ankommt. Auf dem vierten Bild ist die Bergpredigt abgebildet. Auf der rechten Seite neben dem Balkon geht es mit der Austreibung der Händler aus dem Tempel weiter. Dieses Bild ist schon allein deswegen bemerkenswert, wenn man es im Zusammenhang mit seiner Entstehungszeit, den 1930-er Jahren betrachtet. Wie der Pastor erläutert, haut Jesus mit der Peitsche dazwischen, als Leute das Haus Gottes zu falschen Zwecken missbrauchen. Damals war es Gang und Gäbe, dass Kirchenmänner den Eid auf Adolf Hitler schwörten dagegen wurde mit diesem Bild protestiert.

Das nächste Gemälde zeigt den barmherzigen Samariter. Auf Nummer sieben ist die Gebetsszene im Garten Gethsemane erkennbar und das achte Bild zeigt zwei Emmaus-Jünger, die auf dem Rückweg von Jesus Grab sind. Das ist die zweite, allgemein weniger bekannte Ostergeschichte.

Zu den besonderen Ausstattungsgegenständen gehören auch die Fenster mit ihren schönen kleinen Fenstermedaillons, die auch aus dem 17. Jahrhundert stammen. Auch auf ihnen sind Jahreszahlen wie 1671 oder 1692 erkennbar. Auf einem Medaillon im Fenster rechts neben dem Altar ist eine Frau abgebildet die Gattin des ersten Pfarrers, der nach dem Dreißigjährigen Krieg in Dahlhausen seinen Dienst antrat und dessen Grabstein heute noch am Turm eingelassen ist. Es war verfügt, dass der nächste Pfarrer nur dann die Stelle antreten konnte, wenn er bereit war, die sehr junge Witwe zu ehelichen. Das tat er. Die Frau hat auch diesen Pfarrer überlebt.

Dass die Fachwerkkirche schon vor dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) so dagestanden hat wie heute, ist sogar mit modernen Forschungsmethoden nachgewiesen worden. "Wir haben das Holz dendrologisch untersuchen lassen", sagt Hartmut Kluchert. Die Eichenbalken wurden nachweislich vor dem Dreißigjährigen Krieg gefällt. Danach gab es sowieso erst mal kein Eichenholz. Auch die Art, wie die Balken miteinander verbunden sind, ist typisch für die Zeit vorher.

Der Turm ist allerdings nicht einmal hundert Jahre alt. Er entstand während der 1930-er Jahre. Ursprünglich gab es vor dem Gotteshaus einen freistehenden Holzturm, (ähnlich dem Turm, der heute noch in Breitenfeld, gleich hinter der Kreisgrenze zur Prignitz, steht). 1830 ist dieser Turm abgebrannt. Dann wurde die Kirche mit einem kleineren Dachreiter ausgestattet. Pfarrer Schmidt war dieser Turm ein Dorn im Auge und er soll alles dran gesetzt haben, damit dieser baufällig wurde und abgerissen werden musste. 1934 wurde der neobarocke Turm an der Fachwerkkirche angebaut. Eingelassen in die Wand ist die Grabtafel des Christianus Besenius, erster Dahlhausener Pfarrer nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Heute steht unten im Eingangsbereich noch ein besonderes Leihstück: Der Taufengel aus der Horster Kapelle, der einem Vorbild aus Kopenhagen nachempfunden ist. Er fristete lange in einem Stall ein unwürdiges Dasein, bis ihm Pfarrer Kluchert die neue Aufgabe als Begrüßer der Kirchgänger zugewiesen hat.

Die beiden Glocken im Turm sind die alten. In den 1950-er Jahren wurden sie nach Dahlhausen zurückgebracht, nachdem sie während des Krieges bereits ausgebaut und bereits zum Einschmelzen vorgesehen waren. Ein aus heutiger Sicht witziges Detail ist an der Treppe im Turm verwahrt: Eine Anleitung, die in neun Punkten erläutert, wie die Glocken aufzuhängen und zu läuten sind. Unter anderem ist die Anweisung enthalten, dieses Schreiben einzurahmen. Und das ist auch geschehen. (Von Uta Köhn)

Märkische Allgemeine vom 26. November 2008

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