Himmlische Klänge im Gotteshaus

von Thomas Bein

Willi Kassun 
Wurde vor 58 Jahren in der Bochiner Kirche getraut: Willi Kassun (81), Gründungmitglied des Fördervereins zur Rettung, Pflege und Erhaltung des Gotteshauses.
Altar
Dieser neobarocke Altar stammt aus der vorherigen Kirche, die im 19. Jahrhundert abgebrannt ist.
Bochin Kirche
Das jetzige Kirchengebäude ist bereits der dritte Bau an dieser Stelle.
Thorsten Meier

BOCHIN - Erinnern Sie sich noch, liebe Leser? Die Dorfkirche von Bochin im nördlichsten Zipfel der Prignitz, Anfang der 90er Jahre: Durch das undichte Schieferdach tropfte der Regen, drang ins Mauerwerk und hatte das hölzerne Tonnengewölbe bereits stark beschädigt und die Orgel zerstört. Der Altar war ausgelagert worden. Hoffnungslosigkeit sprach aus den Worten des Pfarrers: Im Ort gebe es kein Interesse an dem Gebäude, es bliebe wohl nur noch der Abriss.

Förderverein gründete sich aus Alt-Bochiner-Treffen

Doch nur wenige Monate später im Jahr 1998, gründete sich im Zuge eines Alt-Bochiner-Treffens, ein Förderverein zur Rettung, Pflege und Erhaltung der Bochiner Kirche, der Anfang 1999 bereits 60 Mitglieder verzeichnen konnte. Das war damals der Initiative der ehemaligen und leider schon verstorbenen Lehrerin Annelene Simoneit zu verdanken.

"Wir müssen doch die Kirche im Dorf lassen, hieß die Devise damals wie heute", erklärt Silvia Reiß, Gründungsmitglied und berichtet: "Heute sind wir 49 Mitstreiter und leben überwiegend von Spenden, die durch kulturelle Veranstaltungen eingespielt werden. Diese Schiene fahren wir verstärkter. Ein musikalischer Höhepunkt ist deshalb auch das Harfenkonzert, in dem Thomas Siener aus Berlin sein Instrument mit fünf Harfen vorstellt, der Freiberger Harfe, der Renaissance-Harfe, der Keltischen Harfe sowie der Pedal- und Konzertharfe", sagt die 36-Jährige weiter, deren Wiege bereits in Bochin stand. Bochin ist ein Ortsteil der Gemeinde Steesow, die bis zur letzten Gebietsreform zum Amt Lenzen und mithin zur Prignitz gehörte. Nunmehr liegt es im Kreis Ludwigslust, für die Kirche aber ist weiterhin die Landeskirche Berlin-Brandenburg zuständig. Das macht das Bemühen um die Sanierung nicht einfacher.

Das jetzige Kirchengebäude ist bereits der dritte Bau an dieser Stelle. Die erste Kirche wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Von dem im 17. Jahrhundert errichteten Fachwerkbau heißt es bereits 1830, dass "die Kirche in baufälligem Stande" sei, "indem einige Fächer der Hauptmauer zusammen gefallen sind." Erst 1894 wurde die heutige Kirche im neubarocken Stil geweiht - ein bescheidenes Bauwerk, das jedoch das gesamte Dorfbild wesentlich prägt.

Der Bochiner Förderverein kann in der zehnjährigen Zeit seines Bestehens durchaus Erfolge verzeichnen: Das Inventar wurde ausgelagert, restauriert und gesichert, das Umfeld aufgeräumt, der wunderschöne Altar wieder aufgearbeitet. Ein neues Dach ziert den Turm. Denn durch die Unterstützung der Unteren Denkmalschutzbehörde Ludwigslust sind auch Mittel aus dem Dach-und-Fach-Programm geflossen. Von der 1893 erbauten neobarocken Saalkirche ist in den letzten Jahren neben Kirchturm, Dach und Mauerwerk auch der Innenraum restauriert worden.

Heutiger Spendenerlös kommt Kirche zugute

Wegen starker Feuchtigkeitsschäden in der Dachkonstruktion und im Mauerwerk war das Bauwerk Mitte der 90-er Jahre baupolizeilich gesperrt worden. Insgesamt hat die Stiftung Denkmalschutz gemeinsam mit dem Förderverein die Arbeiten in den vergangenen Jahren mit rund 37 000 Euro gefördert. Weitere Gelder für die umfangreiche Sanierung sind von Bund, Land, Kirchgemeinde und Kommune aufgebracht worden.

"Der Spendenerlös des Harfen-Konzertes soll für die Restarbeiten im Innern der Kirche verwendet werden. Unter anderem muss die Empore noch gestrichen werden", klärt Silvia Reiß über den Verbleib des Geldes auf, das heute Abend hoffentlich als eine Geste der Bewahrung dieses architektonischen Kleinodes zusammen kommen wird.

Der Prignitzer vom 12. Dezember 2008

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