Zeitreise in Luckauer Kulturkirche

Luckau Es sei erstaunlich, wie viel historische Bausubstanz hinter dem Putz der zum Gefängnis umfunktionierten Kirche des einstigen Dominikanerklosters verborgen war und erhalten geblieben ist, erklärte Dirk Schumann. Der Kunsthistoriker und Bauarchäologe hat während eines Vortrages einen detailreichen Einblick in die Architektur und Geschichte des im Mittelalter errichteten Bauwerks geboten.

Die Apsis wird gegenwärtig restauriert 
Die Apsis, der einstige Altarraum der Luckauer Kulturkirche, wird gegenwärtig restauriert und soll nach Fertigstellung eine Stätte für Konzerte und Veranstaltungen werden.
Foto: Tilo Winkler

Dem Thema entsprechend war der Veranstaltungsort gewählt der noch in Rekonstruktion befindliche Klostersaal im Chorbereich der Klosterkirche. Am 26. Juni sollen Klostersaal und Klosterhof feierlich eröffnet werden, informierte eingangs Bürgermeister Harry Müller (parteilos). 70 interessierte Zuhörer waren gekommen, um neue Erkenntnisse über die Geschichte des historischen Gebäudes in der Stadt zu erfahren.

Zahlreiche Zeugnisse mittelalterlicher Backsteinarchitektur seien im Zuge der Freilegung des Mauerwerks gefunden worden, sagte Dirk Schumann. So beispielsweise teilweise erhaltene Schildbögen, darunter ein komplett erhaltener, der ein mittelalterliches Fenster umschließt. "Diese Bögen müssen ein früher vorhandenes Gewölbe getragen haben", erläuterte der Kunsthistoriker. Dass es ein solches gegeben haben muss, darauf deuteten Funde von einzelnen speziell für Gewölbe angefertigten Steinen hin. "Rippensteine aus den alten Gewölben wurden bei Reparaturarbeiten zum Verschließen der Decke im 18. Jahrhundert verwendet", so der Bauarchäologe. Das Gewölbe selbst sei vermutlich bei Stadtbränden während der langen Zeit ohne Nutzung zerstört worden.

Einmalig in der Lausitz

Der Luckauer Klosterbau ist der einzige von Dominikanermönchen errichtete in der Lausitz gewesen, verdeutlichte Schumann anhand einer Karte. Die Stadt gehörte im Mittelalter zur Ordensprovinz Saxonia (Sachsen). Weitere Klöster dieses mittelalterlichen Bettelordens seien erst im nördlichen Brandenburg zu finden, so in Neuruppin, Brandenburg und Prenzlau. Im Prenzlauer Bau wiederholten sich Schmuckelemente der Ordens architektur des Mittelalters, von denen Teile auch in Luckau gefunden worden seien, sagte Schumann.

Zudem lasse sich aus dem Vergleich mit weiteren dieser Klosterbauten die Reihenfolge der Entstehung herleiten, führte er aus. Demnach sei vermutlich um 1300 mit dem Bau des Chores begonnen worden. Danach sei das Langhaus schrittweise gebaut worden, zunächst der Ostflügel mit Unterkünften, Schlaf- und Speisesaal der Mönche. Danach folgten vermutlich Südflügel und Westflügel. "Erst danach ist wahrscheinlich der westliche Teil der Kirche fertiggestellt worden, etwa um 1400", so Dirk Schumann.

Verschiedene Bauphasen seien bei den Untersuchungen am Gemäuer erkennbar geworden. Spuren eines doppelt ausgeführten Gewölbes am nördlichen Seitenschiff deuteten darauf hin, dass dort vermutlich ein Kreuzgang anschloss.

Überraschend sei für ihn gewesen, dass es in der Luckauer Klosterkirche tatsächlich eine feingliedrige, anspruchsvolle Backsteinarchitektur mit Wandblenden und weiteren Schmuckelementen gegeben habe. Sogar besonders hochwertige glasierte Schmucksteine seien gefunden worden. Das deute auch auf Wohlhabenheit des Ordens hin, erklärte der Fachmann.

Kloster war auch Schule

Aufgrund der Alleinstellung in der Lausitz habe dem Orden ein relativ großes Gebiet zur Verfügung gestanden, in dem er seine Einkünfte erzielen und Seelsorge betreiben konnte. Zudem hätten die mittelalterlichen Bettelorden zumeist eine Schulfunktion gehabt. Kinder von Bürgern der umliegenden Städte erhielten in den Klöstern eine Grundlagenbildung als Voraussetzung für ein Studium. "Daher gehörten Bibliotheksgebäude immer zu den Bettelordensbauten. Auch in Luckau hat es vermutlich eine Bibliothek gegeben", sagte der Kunsthistoriker.

Von Birgit Keilbach

Lausitzer Rundschau vom 14. März 2009

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