100.000 Euro für mehr als 30 Projekte

UCKERMARK. Seit fast zwei Jahrzehnten setzt sich der Förderkreis Alte Kirchen für den Erhalt von Dorfkirchen im Land Brandenburg ein. Dabei konnte er zahlreiche Partner gewinnen. Mit dem Geschäftsführer des Förderkreises, Bernd Janowski, sprach Monika Strehlow über Ergebnisse und Aussichten.

Wie groß ist heute in der Uckermark der Kreis jener, die sich auf Ihre Anregung und mit Unterstützung des Förderkreises der Kirche in ihrem Dorf zuwandten?

Im Landkreis Uckermark gibt es zur Zeit 36 Fördervereine, die sich der Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung von einzelnen Kirchen im Dorf widmen. Damit ist die Uckermark im Land Brandenburg Spitze. Darüber hinaus haben natürlich die Kirchengemeinden, aber auch einzelne Kommunen einen großen Anteil daran, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche sakrale Baudenkmäler saniert werden konnten. Zu loben ist auch die stetige finanzielle Unterstützung durch den Landkreis, die inzwischen anderswo so nicht mehr gegeben ist.

Was konnte seit Mitte der 1990er Jahre hier erreicht werden?

Eine große Zahl von Kirchengebäuden ist inzwischen zumindest gesichert, ein Teil von Ihnen komplett saniert. Darüber hinaus war es möglich, zum Teil auch wertvolles Inventar zu restaurieren. So wird am 5. Juli die Orgel von Joachim Wagner aus dem Jahr 1742 in der Dorfkirche Sternhagen wieder eingeweiht. Es gibt noch immer sehr viel zu tun, aber alle Beteiligten können auch stolz auf das inzwischen erreichte sein.

Der Landkreis Uckermark stellte zwischen 1995 und 2008 etwa 3 Millionen Euro für die Denkmalpflege zur Verfügung, die Hälfte dieser Summe kam den Kirchengebäuden zugute. Durch diese Mittel war es möglich, als Kofinanzierer auch das Land und zahlreiche Stiftungen zu bewegen, sich überdurchschnittlich in der Region zu engagieren.

In den ländlichen Regionen Brandenburgs steht auf Grund der Besonderheiten mittelalterlicher Besiedlung fast in jedem Dorf eine Kirche. Wie sinnvoll ist es heute noch, angesichts zurückgehender Einwohner- und Gemeindegliederzahlen, jede Kirche zu erhalten?

In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten haben sich in unseren Dörfern gravierende Strukturbrüche vollzogen. Fast überall wurden kleine Schulen geschlossen, Dorfkneipen, Lebensmittelgeschäfte und Bäcker verschwanden, der öffentliche Nahverkehr wurde ausgedünnt. Die Arbeitslosigkeit in unserer Region ist noch immer auf Rekordniveau. Das einzige, was in dieser immer hektischeren und unübersichtlicheren Welt Beständigkeit hat, sind die historischen Kirchengebäude. Wir versuchen dafür zu sorgen, dass sie nicht nur die optischen, sondern auch wieder die geistigen Zentren der jeweiligen Dörfer werden.

Viele Sakralbauten konnten vor dem endgültigen Verfall gerettet werden, so die Kirchen in Boitzenburg, Gollmitz oder Küstrinchen. Sind die nötigen Gelder angesichts der demographischen Entwicklung sinnvoll eingesetzt?

Gerade in diesen drei Orten ist wunderbar zu sehen, wie die Kirchen langsam wieder zum Mittelpunkt des Gemeinwesens werden. Neben den Gottesdiensten finden dort zahlreiche Kulturveranstaltungen Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen und Ausstellungen statt. Dadurch werden auch kirchenferne Einwohner dazu gebracht, sich mit dem Thema "Kirche im Dorf" auseinander zu setzen und so zum Erhalt dieser wunderbaren Denkmale unserer Geschichte einzusetzen. Außerdem sorgen die angebotenen Veranstaltungen für mehr Lebensqualität im Dorf.

Man sollte sich damit abfinden, dass Kirchengebäude keinen marktwirtschaftlichen Nutzen erbringen und sollte im Gegenteil stolz auf diese "nutzlosen" Bauten sein. Leider ist Lebensqualität bis heute kein anerkanntes Förderkriterium...

Wo gibt es Beispiele für sinnvolle Kirchennutzungen?

Im Sommer fällt es ja an manchen Wochenenden schon schwer, sich zu entscheiden, welches zum Teil wirklich anspruchsvolle Dorfkirchenkonzert man besuchen soll. Darüber hinaus gibt es mit den Uckermärkischen Musikwochen eine überregional bekannte Veranstaltungsreihe, die zum großen Teil auch Dorfkirchen als Auftrittsort für regionale und internationale Künstler und Ensembles nutzt. Den Musikwochen würde ich dabei mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung von Seiten der Politik im Landkreis wünschen. Das ist ein Schatz, mit dem man wuchern kann und der auch zahlreiche Touristen in die Region holt.

In der Regel geht es aber gar nicht darum, spektakuläre Dinge in den Kirchen zu veranstalten. Die Ausstellung des Hobbymalers aus dem eigenen Dorf kann da genau so gut angenommen werden wie die Präsentation eines berühmten Künstlers, ein Konzert des Gemeindechores eben so viel Zulauf haben wie der Auftritt eines virtuosen Musikers aus der Hauptstadt. Wir sollten bei der angemessenen Nutzung unserer Dorfkirchen mehr Phantasie und Kreativität entwickeln.

Der Förderkreis Alte Kirchen rief Projekte wie "Theater in Kirchen", "Musikschulen öffnen Kirchen" und zuletzt, gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes, "Kunst und Kultur in brandenburgischen Kirchen" ins Leben. Wie wirkungsvoll sind solche Aktivitäten und wie werden sie in der Region angenommen?

Im Gegensatz zu 1990 müssen wir keine Angst mehr haben, durch gravierende Bauschäden Kirchengebäude in größerer Zahl zu verlieren. Es gibt noch viel zu tun, aber in dieser Hinsicht wurde in den letzten Jahren doch sehr viel erreicht. Jetzt müssen wir eher befürchten, dass Kirchen verloren gehen, weil keiner mehr da ist, der sie sinnvoll nutzt. Deshalb versuchen wir, mit möglichst vielen Partnern zusammenzuarbeiten, denen die Bewahrung des kulturellen Erbes am Herzen liegt.

Vor zwei Jahren organisierte Petermichael Metzler im Auftrag des FAK die erste brandenburgische Kirchen-Kunst-Route, diese fand in der Uckermark statt. Im Sommer 2008 fand in Lindenhagen eine aufsehenerregende Stampflehmaktion statt. Durch die Einbauten in der dortigen Kirche nimmt die Gemeinde ihr Kirchengebäude jetzt völlig anders wahr und nutzt es intensiver als zuvor.

Der Förderkreis Alte Kirchen gründete im vergangenen Jahr auch eine Stiftung...?

Ja, wir konnten aufgrund größerer zweckgebundener Spenden im Sommer 2008 eine "Stiftung brandenburgische Dorfkirchen" ins Leben rufen, die die Arbeit unseres Vereins auch in die Zukunft führen soll. Der Erlös der Stiftung dient der Arbeit des Förderkreises und damit der Erhaltung der Dorfkirchen im gesamten Land Brandenburg. Das Stiftungskapital beträgt ein gutes halbes Jahr nach der Gründung immerhin über 100.000 Euro.

Wie sehen Sie die zukünftige Tätigkeit des Förderkreises Alte Kirchen speziell in der Uckermark?

Der Förderkreis konnte in den vergangenen Jahren etwa dreißig Bauprojekte in der Uckermark mit weit über 100.000 Euro unterstützen, das ist mehr als in jedem anderen Landkreis. Natürlich müssen wir als landesweit tätiger Verein die Mittel geographisch gerecht verteilen. Aber wir werden in der Region auch in Zukunft präsent sein und den Kirchengemeinden und Fördervereinen weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Im Gegenzug würde ich mir wünschen, dass uns noch mehr Uckermärker durch eine Mitgliedschaft im Förderkreis Alte Kirchen unterstützen.

Welcher Sakralbau hat denn noch dringend Hilfe nötig, um in altem beziehungsweise neuem Glanz zu erstrahlen?

Dringender Handlungsbedarf besteht in Stegelitz. Diese Kirche mit ihrer überaus wertvollen Ausstattung weist noch gravierende Bauschäden auf. Auch die Fachwerkkirche in Seehausen muss instandgesetzt werden. Hier hat sich vor wenigen Monaten ein Förderverein zusammengefunden; also besteht langfristig Hoffnung...

Wird sich auch das Jahresjournal des Vereins "Offene Kirchen" mit dieser Thematik beschäftigen?

Anfang April erscheint zum zehnten mal unser Heft "Offene Kirchen". Darin finden sich Angaben zu mittlerweile 850 geöffneten Kirchen in Brandenburg sowie zahlreiche Artikel zu Geschichte, Kunstgeschichte und Denkmalpflege der Gotteshäuser auf über 100 farbig illustrierten Seiten. Aus der Region werden unter anderem die reformierten Kirchen in Groß- und Klein Ziethen sowie die Kirche in Passow vorgestellt. Gegen eine Schutzgebühr kann das Heft schon jetzt bei uns bestellt werden unter Tel.: 039863 78300 bzw. per Mail unter altekirchen@aol.com.

Uckermark Kurier/Prenzlauer Zeitung vom 21. März 2009

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