Orgelsanierung gefeiert

Orgelsanierung gefeiert 

Sternhagen (wo) Unmittelbar vor Beginn des ersten Konzertes nach der Weihe der von Grund auf sanierten Wagner-Orgel in Sternhagen (Gemeinde Nordwestuckermark, Dorfkirche des Monats Juli 2009) mit dem Solisten Prof. Klaus Eichhorn (Bremen) hatte Pfarrerin Ulrike Miegel Kurioses zu berichten. Aus Angermünde hatte sie der Brief einer Frau Eichhorn erreicht, die nicht selbst dabei sein konnte. Er enthielt aber die Nachricht einer Spende für die Orgel - und die Mitteilung, dass Frau Eichhorn eine geborene Wagner sei. Geschichten, die das Leben schreibt. Denn immerhin ist die Geschichte der Sanierung der Wagner-Orgel Sternhagen eine ganz besondere.

Orgelbaumeister Joachim Wagner (1690 - 1749), der "Silbermann des Nordens", hat in nur 30 Jahren rund 50 Orgeln gebaut, davon einige in der Uckermark, so zum Beispiel in Angermünde und Felchow. Nicht allzu viele sind davon noch erhalten. Ihre Besonderheit: "Sie sind auch zum Spielen bedeutender Konzerte der Musikliteratur geeignet und stellen hohe Ansprüche an die Solisten", erläutert Klaus Eichhorn. Als Orgelsachverständiger des Landes Brandenburg war er auch für die musikalische Qualität des originalgetreu restaurierten Sternhagener Instruments zuständig. Mit seinem Konzert präsentierte Klaus Eichhorn eine Reise durch die Orgelliteratur, die die riesige Vielfalt des Instruments spüren ließ.

Die Sternhagener Orgel wurde von Joachim Wagner im Jahre 1736 als erste Orgel in der Uckermark ursprünglich für die Kirche Gramzow gebaut und gelangte erst 1857 nach Sternhagen. Erst Mitte der 80er Jahre erkannte der Orgelexperte Dietrich Kollmannsperger, über welchen Schatz Sternhagen damit verfügte. Doch erst vor etwa zehn Jahren konnten die Kirchengemeinde, ein Förderverein und viele private und institutionelle Sponsoren daran gehen, ernsthaft an die Instandsetzung der Orgel zu denken. Nach der Wiederinbetriebnahme des Instruments darf das Dorf Sternhagen die älteste noch bespielbare Orgel der Uckermark sein eigen nennen!

Die wurde gebührend gefeiert. Und so waren zum Festgottesdienst dann auch mehr als 200 Besucher gekommen. Und so waren Freude und Dankbarkeit von Pfarrerin Ulrike Miegel dann auch ansteckend. Und Landrat Klemens Schmitz nannte das Beispiel Sternhagen als Muster dafür, was mit Energie und unnachgiebiger Willenskraft erreicht werden kann, wenn man sich nicht von Unkenrufen, die Uckermark sei eine sterbende Landschaft, verwirren lässt. Der Landrat hatte eine Spende für den Unterhalt der Orgel und eine Denkmalplakette mitgebracht.

Der Dank der Kirchengemeinde galt vielen Akteuren, angefangen bei dem Berliner Architekten Jörg Wappler bis hin zur Denkmalschutzbehörde der Kreisverwaltung, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Orgelbaufirma Schuke aus Potsdam, längst nicht alle können hier genannt werden. Doch alle erhielten als kleines Präsent eine DVD mit einer Chronik der Sanierung und Überraschungen aus der Schokoladenmanufaktur Boitzenburg

Der Festgottesdienst nahm fast den Charakter eines Volksfestes an. Daran nahmen auch viele derer teil, die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten um den Erhalt uckermärkischer Kirchen verdient gemacht haben.

Der Chor der Angermünder Musik- und Kunstschule gestalteten den Gottesdienst musikalisch und Schulleiterin Dorothea Janowski war die offiziell erste, die der Sternhagener Orgel während des Festgottesdienstes Töne entlocken durfte.

Märkische Oderzeitung vom 07. Juli 2009

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