Jetzt kommt es auf öffentliche Nutzung an

ANRKENNUNG Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg kürt den Sakralbau in Sternhagen nach erfolgreicher Restaurierung zur "Kirche des Monats".

VON MONIKA STREHLOW

 
Das Sternhagener Gotteshaus ist zur "Kirche des Monats" erkoren worden.
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STERNHAGEN. Zehn Jahre hatte die Idee zur Restaurierung der ältesten spielbaren Orgel in der Uckermark von ihrer Entstehung bis zum viel beachteten ersten Konzert gebraucht. Am 5. Juli wohnten mit 200 Besuchern mehr Leute, als die Kirche eigentlich fassen kann, der Wiedereinweihung der Wagner-Orgel von 1736 bei, der Uckermark Kurier berichtete.

Doch schon lange zuvor sorgten und engagierten sich viele Menschen um den Erhalt und die Restaurierung dieses Gotteshauses. Nun hat der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg die Kirche Sternhagen zu seiner "Kirche des Monats" Juli gekürt und damit das erfolgreiche gemeinsame Ringen um dieses Schmuckstück mit barocken Interieur erneut gewürdigt.

Auf seiner Homepage stellt der Förderkreis die Kirche ausführlich vor. Erstmalig erwähnt werde das Dorf "Styrenhagen" in einer Urkunde des Markgrafen Otto aus dem Hause Wittelsbach von 1372. Das Kirchengebäude jedoch zeuge davon, dass der Ort wesentlich älter sei, der Bau entstand - wie die meisten uckermärkischen Feldsteinkirchen - in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Zuge der planmäßigen deutschen Besiedlung der Region. "Gegenüber vergleichbaren Bauten der Umgebung ist die Sternhagener Kirche mit ihren Außenmaßen von zwölf Meter Breite und fast 32 Meter Länge wesentlich größer, was vielleicht darauf hinweist, dass dem Dorf bei seiner Gründung eine wichtige Rolle zugedacht war", vermutet der Förderkreis. "Den Haupteingang bildet ein zweifach gestuftes Spitzbogenportal auf der Westseite. Ein im 18. Jahrhundert vermauerter Eingang wurde im Zuge der Instandsetzung vor einigen Jahren wieder aufgebrochen. Während die Fenster der Seitenwände barock überformt wurden, blieb im Ostgiebel die mittelalterliche Dreifenstergruppe erhalten. Über der westlichen Giebelwand erhebt sich ein verbretterter Dachturm mit geschwungener Haube. Als Zeitpunkt seines Entstehens nennt die Wetterfahne das Jahr 1707. Auf der Westseite des Turmaufsatzes zeigt eine historische Einzeigeruhr die Zeit an. In den Jahren 1997 bis 2001 wurde die Sternhagener Kirche unter der Bauleitung des Architekten Jörg Wappler umfassend saniert."

Der Innenraum enthalte eine in ihrer Einheitlichkeit und Geschlossenheit heute seltene barocke Ausstattung, so die Autoren weiter. "In der Uckermark hatte der Dreißigjährige Krieg eine mächtige Spur der Verwüstung hinterlassen. Nach einem kurfürstlichen Revisionsprotokoll von 1687 "lagen in Sternhagen ... noch immer alle zwölf Bauerngüter mit 46 Hufen wüst, von den siebzehn Kossätenstellen waren nur fünf besetzt. Langsam nur erholte sich das Dorf wirtschaftlich, so dass es erst etliche Jahre später möglich wurde, auch die vermutlich arg in Mitleidenschaft gezogene Kirche wiederherzustellen." Die gerade Balkendecke stamme aus dem Jahr 1713 und markiere wahrscheinlich den Abschluss der äußeren Bauarbeiten. Nun konnte die Familie von Arnim-Schönermark, die das Patronatsrecht innehatte, auch an die Gestaltung des Innenraumes gehen.

 
Detail an der Kanzel: "...zärtlich sich küssende Engelsköpfchen sorgten dafür, dass die Kanzelrede nicht zu streng ausfiel."

Der reich geschmückte Kanzelaltar entstand 1713. Jeweils zwei korinthische Säulen flankieren den Kanzelkorb, während der Schalldeckel von Vasen, Putti sowie von einer Strahlengloriole mit dem Symbol der Dreifaltigkeit bekrönt wird. Anders als in den meisten uckermärkischen Dorfkirchen, blieben in Sternhagen die Altarschranken erhalten, geschmückt mit Symbolen des Abendmahles und weiteren Sinnbildern. Eine schmiedeeiserne Sanduhr am Kanzelkorb sorgte dafür, dass der Pfarrer beim Predigen nicht die Zeit vergaß, zärtlich sich küssende Engelsköpfchen sorgten dafür, dass die Kanzelrede nicht zu streng ausfiel.

Rechts vom Altar steht, in Form einer neunfenstrigen Galerie, die Patronatsloge derer von Arnim. Als Bekrönung halten Posaune blasende Engel das reich verzierte Wappen der Familie. Weniger aufwendig gestaltet sind Pfarr- und Gemeindegestühl, stilistisch jedoch bilden sie mit der übrigen Ausstattung eine zeitliche Einheit.

Vervollständigt wird die theatralische Inszenierung des Kirchenraumes durch einen schön gearbeiteten Taufengel, geschaffen von Johann Christian Beuteler 1715. In der rechten Hand trägt der Engel eine Muschelschale, die das Taufbecken aufnimmt, die linke Hand hielt vermutlich ein nicht mehr vorhandenes Spruchband. Auf dem Dachboden ist die originale "Wippe" mit einem Steingewicht erhalten, über die der Engel zur Taufe herabgelassen werden konnte. Erst 1857 wurde die ursprünglich für Gramzow geschaffene Orgel von Joachim Wagner hierher umgesetzt. Mit ihrem barocken Prospekt und dem wiedergewonnenen Klang der Entstehungszeit jedoch fügt sie sich wunderbar in einen der beeindruckendsten Kirchenräume der Uckermark ein."

Dass der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg ihrer Kirche so viel öffentliche Aufmerksamkeit schenkt, wird die Mitglieder des kleinen Fördervereins freuen. Ihre baulichen Aufgaben haben sie gemeistert. Nun kommt es darauf an, dass sie das Gotteshaus mit all seinen Möglichkeiten auch der Nutzung öffnen.

Uckermark Kurier / Prenzlauer Zeitung vom 22. Juli 2009

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