Jedes Detail der Ahlsdorfer Patronatskirche ist ein kleines Kunstwerk für sich

Sven Thinius und Ulrich Hollwitz haben es schon oft miterlebt. Besucher, die zum ersten Mal das Ahlsdorfer Gotteshaus betreten, halten oft im Kirchenschiff erstaunt inne, wenn ihre Blicke den Raum erkunden.

 
Das Schmücken des Weihnachtsbaums ist in Ahlsdorf noch Männersache. Ulrich Hollwitz (l.) und Sven Thinius beweisen dies.
Foto: gü

Den barocken Altar mit vergoldetem Rankwerk und gedrehten von Weinlaub umwundenen Säulen, die Altartafeln mit eindrucksvollen biblischen Darstellungen, den übergroß anmutenden hölzernen Taufengel, der von der Decke herunterzuschweben scheint, der 18-armige geschmiedete Kronleuchter, die Grabdenkmäler, die in Schwarzlotmalerei gestalteten Fenster, die Sakristei, das Patronatsgestühl und vieles mehr. In einer Dorfkirche wird ein Ensemble solcher kunstvoller Schätze nicht unbedingt erwartet. Pfarrer Volkmar Homa sagt: "Es ist gewiss die schmuckvollste Kirche, die wir im Pfarrbereich haben." Manchen Leuten verschlägt es erst einmal die Sprache, bevor sie weiteren Erläuterungen folgen können, und für Kunststudenten ist die Einrichtung eine wahre Fundgrube", weiß Sven Thinius. Mit 27 Jahren dürfte er einer der jüngsten wenn nicht sogar der jüngste Kirchenälteste im Kirchenkreis sein. "Mein Vater war auch viele Jahre in dieser Funktion tätig, und ich bin stolz, dass ich jetzt seine Aufgabe fortführen kann. Es gibt Leute, die schütteln den Kopf und fragen, ob ich in meinem Alter keine anderen Dinge zu tun hätte, als ständig in die Kirche zu rennen. Dabei wird hier nicht nur Gottesdienst gefeiert. Es ist wichtig, das alles hier auch als Kulturschatz wahrzunehmen", sagt Sven Thinius. Ulrich Hollwitz, er ist ebenfalls im Gemeindekirchenrat sehr aktiv, schwärmt: "Jedes Detail in diesem Raum ist ein Kunstwerk." Das ist vor allem jenen Adelsfamilien zu verdanken, die in vielen Jahrhunderten den Ort, das Schloss und seine Güter bewohnten. Als 1380 "Algorstorff" erstmals urkundlich erwähnt wurde, soll es die Kirche bereits gegeben haben. Aus dem späten 15. Jahrhundert stammt ein Grabstein eines Angehörigen der Familie von Löser. Das Wappen der Familie von Seyffertitz finden die Besucher bereits über dem Haupteingang, und vor allem hinterließ die Familie von Siemens ihre Handschrift in der Kirche. "Elise von Siemens haben wir die sorgfältige Renovierung in den Jahren 1907/08 sowie die wunderschöne Ausmalung zu verdanken", sagt Ulrich Hollwitz und zeigt zu den Emporen. Im Innenraum war das die letzte große Instandsetzung. Der Turm konnte im Jahr 2002 saniert werden, doch im Kirchenschiff gab es bisher nur kleinere Sicherungsmaßnahmen."Jetzt sind hier wirklich Fachleute gefragt", sagt Sven Thinius und zeigt nach oben zur Decke. Die ist in einem sehr schlechten Zustand, was insbesondere in einer der Ecken rechts über dem Altar sichtbar wird, wo ein tiefer Riss klafft. "Immer wieder fallen Putzstücke auf den Fußboden. Auch die kostbaren Fenster sind undicht. Lange kann das nicht mehr so bleiben", ist sich Ulrich Hollwitz sicher und berichtet über eine Kirchengemeinderatssitzung, in der alle Mängel aufgelistet wurden. Auch die Orgel, im Jahr 1908 von Marie Wiegand, einer Geborenen von Siemens, gestiftet, bedarf einer Sanierung. Pfarrer Homa hat dafür einen Kostenvoranschlag vorliegen. Wann jedoch die lange Liste der notwendigen Maßnahmen abgearbeitet werden kann, ist noch unklar.

"In dieser Kirche haben Generationen von Handwerkern kunstvoll gearbeitet, dabei nicht nur für die Kirche, sondern für Ahlsdorf und seine Umgebung ungeheure Werte geschaffen, die auch heimatgeschichtlich große Bedeutung haben. Das sollte auch Menschen, die nicht gläubig sind, interessieren", sagt der junge Kirchenälteste und fügt an: "Unser Miteinanderleben und unsere Kultur sind auf christliche Werte aufgebaut. Ob nun jemand getauft ist oder nicht: Weder der eine noch der andere will auf Weihnachten oder andere kirchliche Feiertage verzichten. Deren Ursprung jedoch interessiert meistens nicht. Das ist kleingeistig", kommentiert Sven Thinius.

Wer Heiligabend die Ahlsdorfer Kirche besuchen möchte, ist zur Christvesper zu 16.30 Uhr herzlich eingeladen. Doch schon in dieser Woche werden Dorit Hertel und ihre Mutter Renate fleißig putzen und das Gotteshaus schmücken, so wie zu allen anderen Höhepunkten auch. "Gut, dass wir solche Menschen haben", gibt Ulrich Hollwitz zu verstehen und wünscht sich, dass es künftig mehr Mitstreiter gäbe, die versuchen, die Ahlsdorfer Kirche bekannter zu machen.

Das Krippenspiel am vierten Advent, aufgeführt von Ahlsdorfer und Stolzenhainer Kindern ab 15 Uhr, wird das nächste große Ereignis in der schmucken Dorfkirche sein.

Von Gabi Zahn

Lausitzer Rundschau vom 22. Dezember 2009

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