SANIERUNG: Das Schönste zum Schluss

Alt Ruppiner sammeln Geld für 64 historische Deckenmedaillons der Kirche

ALT RUPPIN - Sie sind klein, sie sind alt und sie sind eine Besonderheit. Wohl kaum ein Alt Ruppiner kann sich noch an sie erinnern: an die Deckenmedaillons aus Stuck, die über Jahrhunderte die Decke der Alt Ruppiner Nikolaikirche geschmückt haben. Seit 30 Jahren waren sie nicht mehr zu sehen jetzt sollen sie zurück an ihren angestammten Platz kommen.

64 Medaillons haben einst die Decke des Kirchenschiffs geschmückt, jedes von ihnen etwa 30 Zentimeter im Durchmesser. "Das ist einmalig, so etwas gibt es weit und breit nicht noch einmal", ist Alt Ruppins Pfarrer Traugott Kuhnt überzeugt. Immer wieder haben er und der Gemeindekirchenrat Gespräche mit Restauratoren geführt, aber an ähnliche Arbeiten in der Gegend konnte sich niemand erinnern.

Die Medaillons stammen etwa aus dem 17. Jahrhundert, schätzt Heinrich Schnittger. Zusammen mit Volkwart Busart kümmert er sich im Gemeindekirchenrat um die Restaurierung der Medaillons. "Wir brauchen etwa 32 000 Euro, um alles bezahlen zu können", sagt Schnittger. Die Alt Ruppiner hoffen, das Geld mit Spenden zusammenzubekommen.

Die 64 Medaillons zeigen insgesamt acht verschiedene Motive: einen Mann, eine Frau, vier Blumenornamente, zwei Wappentiere. Welche Bedeutung die Bilder haben? "Ich weiß es nicht", sagt Traugott Kuhnt. Mann und Frau könnten die Stifter der Medaillons sein. "Aber auch das können wir nur vermuten", sagt der Pfarrer.

Fest scheint immerhin zu stehen, dass die kleinen Stuckplatten erst lange nach dem Bau der Kirche angebracht wurden. Ihren Ursprung hat die Alt Ruppiner Kirche im 13. Jahrhundert. Um 1230 soll sie errichtet worden sein, damals noch mit einem Tonnengewölbe im Kirchenschiff. Das wurde bei einem Umbau knapp 400 Jahre später ersetzt. Seitdem hat die Kirche eine gerade Holzbalkendecke, wie sie auch heute noch zu sehen ist. Die Medaillons waren an den Balken befestigt.

Bis 1981. Da hat die Gemeinde begonnen, die arg mitgenommene Nikolaikirche zu sanieren. Nur in kleinen Schritten war das möglich. Fast 30 Jahre haben die Arbeiten gedauert. Die Restaurierung der Medaillons könnte der krönende Abschluss sein.

Nur in Bruchstücken sind die originalen Medaillons noch erhalten. In den 80er Jahren wurden sie abgenommen und sicher verwahrt. Seitdem wacht ein Restaurator aus Berlin über die wertvollen Stücke. Er würde auch dafür sorgen, dass wieder alle Medaillons angefertigt werden.

Mit einem Benefizkonzert hat die Kirchengemeinde am Dienstagabend die Spendenaktion dafür eröffnet. Das Bläserensemble der Kreismusikschule gab ein kostenloses Auftaktkonzert. Etwa 90 Zuhörer waren gekommen, jeder gab am Ausgang eine Spende. Etwa 1600 Euro sind allein bei diesem ersten Abend zusammengekommen, rechnete Traugott Kuhnt später aus: "Das ist wirklich beeindruckend."

Heinrich Schnittger und Volkwart Busart hoffen in nächster Zeit noch auf viel mehr Spenden. Theoretisch kostet die Restaurierung einer Deckenplatte 500 Euro. Spender können ganz gezielt für ein komplettes Medaillon spenden und bekommen damit einen Eintrag auf der geplanten Spendertafel. Dort erscheinen auch die Namen der Spender, die die Hälfte oder ein Viertel der Restaurierungskosten für ein Medaillon übernehmen. "In zwei, drei Jahren könnten die Medaillons fertig sein", hofft Schnittger.

Nach dem Konzert am Dienstag sind bereits weitere Spendenaktionen für die Deckenmedaillons geplant. Und die Stücke selbst sollen dabei demnächst auch zu sehen sein, stellte Traugott Kuhnt gestern in Aussicht. Fachleute werden die steinernen Tafeln vorstellen und zu erklären versuchen, was es mit den Motiven auf sich hat.

Spenden können auf das Konto 170 275 bei der Evangelischen Darlehnsgenossenschaft (BLZ 210 602 37) eingezahlt werden. Verwendungszwecke: Deckenmedaillons Alt Ruppin. (Von Reyk Grunow)

Märkische Allgemeine vom 03. Juni 2010

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