KIRCHEN: Weltmeisterschaft vorm Altar

In Goldbeck werden die Fußballspiele ins Gotteshaus übertragen / Noch ist die Kirche nicht abgeschrieben

GOLDBECK - Der Weg zur Kirche von Goldbeck ist unbefestigt. Die Fenster sind verrammelt und verriegelt. Und auch sonst macht das kleine Gotteshaus einen recht verlassenen Eindruck. Doch der täuscht – zumindest zeitweise.

Noch keinen Monat ist es her, dass die Goldbecker Kirche das Ziel vieler Menschen war, die dort gemeinsam den Spielen der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika zuschauten. Schon als vor vier Jahren die WM in Deutschland stattfand, war die Kirche Treffpunkt fußballinteressierter Menschen. Kirche und Fußball – warum nicht? So kommen wenigstens die Leute.

Zur Kirchengemeinde Dosse-Brausebach gehören vier Dörfer: Dossow, Zootzen, Gadow und schließlich Goldbeck. In allen vier Orten gibt es Kirchen. Die in Dossow und Zootzen sind saniert, die in Gadow wird mit viel Aufwand gerade hergerichtet. Einzig die kleine Kirche in Goldbeck ist so etwas wie das Sorgenkind. Für Gottesdienste wird die Kirche jedenfalls nicht benötigt.

Die Geschichte

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde am "Schloss Goldbeck" eine verfallene Kirche erwähnt, weswegen damals schon in einer "Hofstube" gepredigt wurde, so heißt es in einer alten Chronik über Goldbeck, die auch im Internet veröffentlicht ist. 1618 hat man dann eine neue Kirche errichtet. Ob diese Kirche schon am jetzigen Standort erbaut wurde, ist nicht ganz klar.

Die saalförmige Fachwerkkirche, die jetzt auf dem kleinen Hügel an der Dosse steht, wurde als Fachwerkbau zwischen 1718 und 1723 errichtet. Einige Jahre später, nämlich 1731, wurde ein hölzerner Kanzelaltar projektiert und angefertigt. Der gemauerte Altartisch steht nicht mehr.

Der Turm

Dem Kirchturm sieht man an, dass er nicht in der selben Bauzeit errichtet wurde wie die Fachwerkkirche, sondern erst im 19. Jahrhundert. Der Turm mit seiner neubarocken Putzgliederung wurde Anfang der 1990er Jahre saniert, damals hat er auch ein neues Dach bekommen. Doch bei dieser baulichen Maßnahme blieb es.

Das Kirchenschiff

Das Innere des Fachwerkbaus wurde, mal abgesehen von einigen Ausbesserungen an den Balken und an den Fenstern – das letzte Mal im Jahr 1921 umfassend restauriert – so steht’s als Inschrift im Balken über der Eingangstür. Während die mit blauen Feldern bemalte Decke trotz des Alters noch erstaunlich gut erhalten ist – nur an einigen Stellen ist Lehm herausgebrochen – kann man an anderen Stellen der Fassade das Tageslicht durchschimmern sehen, so groß sind schon die Lücken zwischen den Balken und der Ausmauerung der Gefache.

Vorbei sind die Tage, da der Burgherr über eine eigens dafür errichtete Dossebrücke kam und den Gottesdienst in der kleinen Kirche besuchte. Irgendwann in den 1970er Jahren hörte man auf, Gottesdienste dort abzuhalten. Kurt Zellmer, der im Jahr 1977 Superintendent in Wittstock wurde, hat einige Jahre die damals vakante Pfarrstelle Dossow selbst betreut. Er kann sich nicht mehr erinnern, in dieser Kirche einen Gottesdienst gehalten zu haben. Je mehr Verfall die Kirche heimsuchte, desto anziehender wurde sie offenbar für Leute mit dunklen Absichten. Immer wieder wurde sie in den zurückliegenden Jahren Opfer von Vandalismus. Scheiben wurden eingeschlagen, einmal hat man sogar versucht, unterm Altar ein Feuer zu entzünden.

Die Glocke

Kriminelle Machenschaften an der Goldbecker Dorfkirche gab es nicht erst in der jüngeren Vergangenheit, sondern schon zu DDR-Zeiten. Kurt Zellmer erinnert sich noch ziemlich gut an eine "abenteuerliche" Geschichte, als Unbekannte sich anschickten, die Kirchenglocke von Goldbeck zu stehlen. Dazu kam es dank einer Rettungsaktion glücklicherweise nicht.

Seit Juli 1999 befindet sich die Goldbecker Glocke in der Wittstocker Heiliggeistkirche und im Mai 2000 wurde sie mit einer elektrischen Läutanlage ausgerüstet. Kurt Zellmer betont aber ausdrücklich, dass sie nach wie vor das Eigentum der Goldbecker Gemeinde ist. Heilfroh ist der Superintendent im Ruhestand, dass diese schöne Bronzeglocke gerettet werden konnte und immer dann über Wittstock erklingt, wenn in der Heiliggeistkirche Gottesdienste stattfinden.

Der Taufengel

Ein zweiter Ausstattungsgegenstand von großem Wert liegt seit etwa 15 Jahren auf der Orgelempore der Kirche in Dossow: der barocke Taufengel, der im Jahr 1784 in die Kirche kam und damit zur Erstausstattung gehört. Um zu vermeiden, dass er Dieben in die Hände fällt, wurde er vom langjährigen Dossower Pastor Norbert Merten sichergestellt.

Die Zukunft

Die Kirchengemeinde wünscht sich, dass das kleine Gotteshaus wieder mit Leben gefüllt wird – wenn's geht, auch mit kirchlichem Leben, wie Christian Dörendahl, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Dosse-Brausebach, sagt. In diesem Jahr wurde für viel Geld eine Stromleitung dorthin verlegt. Während der neun Spiele der WM waren etwa 400 Menschen beim Public Viewing. Nächstes Jahr ist die Fußballweltmeisterschaft der Frauen. Schon jetzt steht fest, dass die Goldbecker dann wieder gemeinsam vor der großen Leinwand sitzen.

Jetzt, wo man Strom hat, wird’s auch etwas einfacher mit den Reparaturarbeiten. Christian Dörendahl hat schon Kontakt nach Flecken-Zechlin aufgenommen. Er hofft, dass jugendliche Teilnehmer des Projektes "Arbeit und Begegnung" der Jugendbildungsstätte des DGB, Auszubildende im Maler- und Lackiererhandwerk, auch in Goldbeck tätig werden – so wie in Vorjahren bereits in den Kirchen in Jabel, Gadow oder in Herzsprung .

Dennoch – bis die Kirche wieder in Schönheit erstrahlt, wird’s ein hartes Stück Arbeit. Wie lange es dauern kann, lässt sich derzeit nicht sagen. Die Finanzlage sieht nirgends rosig aus. Aber zumindest ist sie noch nicht abgeschrieben, die Dorfkirche von Goldbeck. (Von Uta Köhn)

Märkische Allgemeine vom 04. August 2010

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