KIRCHEN: Wieder in voller Pracht

Die Papenbrucher haben nach Jahrzehnten des Verfalls "eine der schönsten Landkirchen der Provinz" gerettet

 
Papenbrucher Dorfkirche
Foto: Köhn

PAPENBRUCH - Eigentlich sollte Papenbruchs Dorfkirche 1772 um zehn Meter nach Westen verlängert werden und einen veränderten Turm bekommen. Das Material stand schon zur Verfügung: 25 500 Mauersteine und 6000 Dachsteine. Aber den Papenbruchern war dies gar nicht recht. Sie hätten Hand- und Spanndienste leisten müssen und das wollten sie nicht einsehen – denn die Kirche sollte auch die Nachbarn aus Liebenthal aufnehmen. Die wiederum hatten sich damit gebrüstet, eine eigene Kirche bauen zu können. 1791 wurde die Sache ad acta gelegt, obwohl die Bevölkerungszahl Papenbruchs merklich zugenommen hatte. Ein Superintendent gab in jenem Jahr zu bedenken, dass eine Erweiterung für ein paar wenige Menschen schädlich für das alte, feste gotische Gebäude sein könnte.

Einige Jahrzehnte später wurde erneut eine Erweiterung der Dorfkirche geplant. Doch noch bevor es überhaupt zu einer Entscheidung kam, ereignete sich 1829 ein Großbrand im Dorf. Die Kirche und viele Häuser brannten nieder. Das Pfarrhaus hatte damals schon ein Dach aus Ziegeln. Durch den mutigen Einsatz des Predigers blieb wenigstens das Pfarrhaus weitgehend verschont. Die abgebrannte Kirche musste jedoch durch einen Neubau ersetzt werden.

Zu jener Zeit war’s eigentlich nicht üblich, dass den Wünschen der Bevölkerung großartig Rechnung getragen wurde. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Die Papenbrucher wünschten sich Material für einen großen, auffälligen Turm und wollten sich im Gegenzug mit einem schlichten Kirchenschiff aus Feldsteinen begnügen. Große Feldsteine gab’s in der Gegend zuhauf.

1830 lagen erste Pläne vor. Die neue Kirche sollte nicht mehr auf dem Kirchhof stehen, um beim Bau die Gräber nicht anzutasten. Und so steht sie heute um etliche Meter nach hinten versetzt. Der hohe Kirchturm überragt die Bäume und Häuser und ist weithin zu sehen – genau so, wie es sich die Menschen vor gut 180 Jahren gewünscht haben.

Wenn man sie heute so sieht, merkt man ihr die schlechten Jahre nicht mehr an. Bei der Einweihung am ersten Weihnachtsfeiertag 1834 war sie "eine der schönsten Landkirchen in der Provinz", schrieb jedenfalls der Oberpräsident von Brandenburg im Oktober 1837 in einem Reisebericht.

Es sollte sich noch als gut erweisen, dass der Bau so solide und aus den einheimischen Materialien Feldstein und Backstein errichtet worden war. Bei einem Blitzeinschlag und Brand im Jahr 1889 waren, abgesehen von der Turmspitze, keine größeren Reparaturen vonnöten.

Doch im 20. Jahrhundert kamen dann Jahrzehnte des Leerstandes. "Als ich die Kirche 1983 gesehen habe, war für mich nicht vorstellbar, dass sie je wieder für Gottesdienste genutzt werden könnte", erinnert sich der Pfarrer Berthold Schirge, der in Papenbruch wohnt. Mit viel Fantasie war allenfalls an eine Instandsetzung des Pfarrhauses zu denken. In Feierabendtätigkeit und mit Material, das "hintenrum" organisiert worden war, konnte die Familie das Pfarrhaus dann 1987 beziehen.

Die Kirche selbst war indes "ein Bild des Grauens". Der Pfarrer zählt auf: "Alle Fenster waren kaputt, der Efeu hatte das Mauerwerk schon vollständig bedeckt und wuchs durch die kaputten Fenster ins Innere. Die Vögel flogen ein und aus. Schnapsflaschen lagen herum, Jugendliche krochen durch die Fenster und nutzten die Kirche als Räuberspielplatz."

Als Berthold Schirge dann irgendwann entdeckt hat, dass sich die Rabauken sogar an der Orgel zu schaffen gemacht hatten, zeigte er die Sache bei der Polizei an. Eine Woche lang ermittelte der "Abschnittsbevollmächtigte", der ABV. Dann hatte er die Täter. "Der kannte seine Pappenheimer und wusste, wen er sich zu greifen hatte." Der Schaden wurde auf 6000 DDR-Mark taxiert: Die acht Jugendlichen sind dann in die LPG arbeiten gegangen, bis jeder 750 Mark zusammenhatte. Das Geld kam auf ein Sonderkonto, denn es hätte damals keinen Sinn gemacht, die Orgel zu sanieren, wenn das Gotteshaus nicht in Ordnung ist.

Die Orgel ist sowieso eine eigene Geschichte wert. Als Ende der 1960er Jahre immer weniger Menschen die Gottesdienste besuchten, war eine Pastorin namens Philipp für Papenbruch zuständig. Sie war auch ausgebildete Kirchenmusikerin. Bis dahin hat eine Frau aus der Gemeinde zu den Gottesdiensten die Orgel gespielt, aber als Kantorin hatte die Pastorin natürlich andere Ansprüche an Kirchenmusik, und so untersagte sie das Orgelspielen – sehr zum Zorn der Papenbrucher Kirchgänger. Die waren den volkstümlichen Pfarrer Gerhard Rohr gewohnt, der von 1955 bis 1964 für Papenbruch zuständig war. Die Pastorin biss also auf Granit, die Leute blieben weg, Gottesdienste wurden im Pfarrhaus gefeiert und die Kirche verfiel zusehends.

Glücklicherweise hatte Pfarrer Rohr in seiner Amtszeit den Turm neu verschiefern und das Dach neu decken lassen. So blieb die Kirche vor größeren Wasserschäden verschont, obwohl das Gelände immer mehr verwilderte. Nur noch ein schmaler Trampelpfad führte zum Eingang, und der Förster ließ auf dem Kirchengelände Schafe weiden.

Dann kam die Wende und damit die große Chance, mit Hilfe von Fördergeldern die Kirche wieder instand zu setzen. Zuerst wurden die Fenster erneuert – alle 72 Fensterflügel waren nämlich verzogen. Beweglich sind jetzt nur noch vier Fensterflügel, aber das reicht aus, um die Kirche zu lüften. Immer wieder wurden Anträge gestellt und Geld gesammelt. Der Innenputz wurde erneuert, der Turm saniert, die Bänke gestrichen. Die Innenrenovierung hat Malermeister Erwin Seemann aus Heiligengrabe noch gemacht, er hat sich mit seiner Arbeit in mehreren Dorfkirchen der näheren Umgebung verewigt. Nach und nach gelang es, die Kirche wieder zu dem zu machen, was sie nach ihrer Errichtung im Jahr 1834 mal war: Die Wiedereinweihung konnte am 27. September 1993 gefeiert werden. Die Papenbrucher hatten sie wieder: "Eine der schönsten Landkirchen in der Provinz".

Alle Einbauten stammen noch aus der Bauzeit – stilistisch zuzuordnen der Übergangszeit vom Klassizismus zur Neugotik. Es ist selten, dass sich in einer Dorfkirche mal keine Winterkirche unter der Empore befindet – in Papenbruch konnte aber darauf verzichtet werden, weil es ein Pfarrhaus im Ort gibt. "Architekturinteressierte sind immer sehr angetan von der Formsprache in dieser Kirche", freut sich der Pfarrer und zeigt auf die Pfeiler mit ihren klassizistischen Kapitellen, die im Kontrast zu den neugotischen Fenstern stehen.

Reich mit Ornamenten verziert ist auch der Kanzelaltar. Das Kanzelgitter wurde in den 1960er Jahren abgebrochen, der Pfarrer wollte keine solche Schranke zu seiner Gemeinde haben. Doch weil dieses Gitter ordentlich eingelagert war, konnte es nach der Sanierung der Kirche wieder eingebaut werden – ganz so, wie es früher war.

Neueren Datums sind die beiden Bilder rechts und links des Altars. Diese hat Margitta Schirge, die Ehefrau des Pfarrers, 1999 gemalt. Wer genau hinschaut, erkennt auf beiden Bildern die Dorfstraße von Papenbruch wieder. Einmal sieht man Maria und Josef auf der Flucht vor den Truppen Herodes – sie machen gerade Rast in der Nähe von Papenbruch, was man an dem Kirchturm erkennt, das Bild auf der linken Seite ist eine Abendmahlsszene, auch diese spielt sich in Papenbruch ab, das ist ebenfalls am Hintergrund erkennbar.

Die Orgel hat Albert Hollenbach 1902 gebaut. Er war ein Schüler des Papenbrucher Orgelbauers Friedrich-Hermann Lütkemüller, und der wiederum war ein Sohn des damaligen Pfarrers von Papenbruch. Die Orgel ist nach einer Teilsanierung zwar bespielbar, aber so richtig zufrieden ist man nicht. Einige Register fehlen völlig und einige Orgelpfeifen gehören dort eigentlich nicht hinein. Nach der Schätzung einer Fachfirma würde eine Sanierung etwa 10 000 Euro kosten. "Wir hätten gern, dass die Orgel innerhalb der nächsten vier Jahre saniert wird", sagt Schirge. Der Orgelbauer Lütkemüller ist am 18. Februar 1815 in Papenbruch geboren – also steht der 200. Geburtstag bevor. "Bis dahin soll die Orgel seines Schülers Hollenbach ihre alte Klangfarbe wiederhaben." Ein Teil des Geldes ist schon aufgebracht. Und wenn die Papenbrucher weiterhin so zielstrebig an der Verschönerung und dem Erhalt ihrer Dorfkirche weiterarbeiten, werden sie sich auch diesen Wunsch erfüllen. (Von Uta Köhn)

Die Dorfkirche von Papenbruch

Erbaut wurde die Dorfkirche von Papenbruch zwischen 1832 und 1834 aus Feldsteinen. Sie bietet Platz für etwa 350 Personen.
Alle Einbauten, Altar, Orgelempore und die Bankreihen, stammen aus der Bauzeit.
Die Glocke aus dem Jahr 1924 ersetzt zwei alte Glocken, die im Ersten Weltkrieg 1917 eingezogen wurden. Vor fünf Jahren wurde das Läutwerk elektrifiziert.
Die Orgel wurde 1902 von Albert Hollenbach gebaut. Sie soll bis 2015 restauriert werden.
Nach den 1960er Jahren wurde die Kirche nicht mehr genutzt und verfiel zusehends.
Eine umfassende Sanierung begann kurze Zeit nach der politischen Wende.
Die Wiedereinweihung des komplett sanierten Gotteshauses fand Ende September 1993 statt.
Gottesdienste finden einmal monatlich statt.

Märkische Allgemeine vom 13. Oktober 2010

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