Kerzen erhellen den Gottesdienst

Ahrensdorf (MOZ) Im Advent werden Türen geöffnet. Das Oder-Spree-Journal schaut in diesem Jahr in kleine Dorfkirchen und stellt Menschen vor, die sich um die sakralen Gebäude kümmern und sie mit Leben erfüllen. Heute: Ahrensdorf.

 
Uralter Bau: Die Ahrensdorfer Kirche hat ihren Ursprung im 13. oder 14. Jahrhundert. Später wurde sie vergrößert.
© Elke Lang
Halten die Kirche offen: Pfarrer i.R. Günter Schöne und Giesela Koppe gehören zu den Ahrensdorfern, die dafür sorgen, dass man von Pfingsten bis Erntedank die Ahrensdorfer Kirche jeden Tag besichtigen kann.
© Elke Lang

"Sie ist die Seele der Gemeinde", weist Günter Schöne euphorisch auf Giesela Koppe. Er muss es wissen, denn er war von 1986 bis 1997 in Glienicke Pfarrer, hatte 1990 Ahrensdorf übernommen und dort bis 2005 Gottesdienste abgehalten. Mit Frank Schrobback, Marianne Schöne und Bernd Danziger kümmert sich die 85-Jährige Giesela Koppe im Wechsel zu den monatlichen Gottesdiensten um das Aufschließen der Kirche, die Kollekte, das Läuten, das noch von Hand erfolgt, und um frische Blumen auf dem Altar. 1951 hatte Giesela Koppe aus dem Kreis Krossen nach Ahrensdorf geheiratet. Die Vorfahren ihres Ehemanns Walter Koppe sind seit fünf Generationen im Ort nachweisbar und wurden auf dem Kirchhof begraben, dessen älteste Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert stammen. In der Ahrensdorfer Kirche ist sie vermählt worden, dort wurden ihre Kinder Rainer und Edelgard getauft.

Schon ihre Schwiegermutter Meta war Kirchenälteste und ist läuten gegangen. "Ich bin gleich in den Kirchendienst reingewachsen", schmunzelt Giesela Koppe, die von 1990 bis 1997 Kirchenälteste war und auch jetzt noch immer selbstbewusst ein Wörtchen mitzureden hat.

Der Berliner Günter Schöne zog mit seiner Ehefrau Marianne 1995 ins Ahrensdorfer Pfarrhaus. Seit 1962 war er immer Pfarrer auf dem Lande, und die kleinen Dorfkirchen sind ihm ans Herz gewachsen. So gehört er auch dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg an und sorgt gemeinsam mit seiner Ehefrau sowie Giesela Koppe und Barbara Lampel dafür, dass die im Verzeichnis der offenen Kirchen des Landes Brandenburg stehende Ahrensdorfer Kirche von Pfingsten bis zum Erntedankfest täglich von 10 bis 18 Uhr als "Offene Kirche" besichtigt werden kann.

Günter Schöne kann den Besuchern viel über die Geschichte dieses Gotteshauses, das seinen Ursprung im 13./14. Jahrhundert hat, erzählen. So wurde es 1793 grundlegend umgebaut. Damals erfolgten eine Erweiterung nach Osten und die Verlegung des Altars auf die Nordseite. Gründliche Restaurierungen erfolgten 1934 und von 1992 bis 1994. Letztere wurde von Pfarrer Schöne geleitet. "Im Mauerkranz und in einigen Balken war der Schwamm", erinnert er sich mit Blick auf die noch originale Holzdecke. "Die ganze Kirche ist relativ schmucklos. Deshalb wurde der Prospekt der 1880 von dem Berliner Orgelbaumeister Albert Lange gefertigten Orgel mit restauriert, obwohl das Instrument 1945 geplündert wurde und die Reste im Pfarrhaus eingelagert sind", erklärt er. Besonders weist Günter Schöne auf das Gestühl hin: "Das hat keine Maschine gesehen, die Bänke sind alle noch von Hand bearbeitet worden, gebeilt sagt man."

In der Kirche fallen die Kerzenhalter am Gestühl auf, und tatsächlich: Bei keiner der Restaurierungen wurden Stromleitungen verlegt. "Das ist ein Beschluss der Gemeinde aus der Tradition heraus", erklärt Günter Schöne, und er schwärmt: "Zu Weihnachten erstrahlen hier über einhundert Kerzen, unten im Kirchenraum und auf den Emporen." "Ja, das ist schon schön festlich", ergänzt Giesela Koppe in Vorfreude. Sie liebt ihre Kirche, denn sie ist "schön hell, groß und weit". Auch für Günter Schöne ist die Ahrensdorfer eine "wunderschöne Dorfkirche, gerade richtig von der Größe her. Von unseren 135 Einwohnern sind etwa die Hälfte Christen".

In die LOS-Denkmalliste wurde der gestreckte, rechteckige Putzbau mit dem niedrigen Dachturm aus Fachwerk aufgenommen, weil er stilistisch sowohl den mittelalterlichen Formenkanon als auch Elemente der Barockzeit aufweist und so kunstgeschichtlich interessant ist. Günter Schöne deutet auf zwei Korbbögen hin, die in der Nordmauer innen noch von der alten Kirche sichtbar sind.

Bemerkenswert von der Innenausstattung sind die Gedenktafeln für Kriegsteilnehmer beziehungsweise Kriegsgefallene. Neu dazugekommen ist 2001 eine Gedenkstele für die Kriegsgefallenen von 1939 bis 1945. Diese wurde von Hartmut Lange aus Wulfersdorf aus einem früheren Emporenpfosten geschnitzt.

Märkische Oderzeitung vom 19. Dezember 2011

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